Von allen Abwandlungen ist der katalonische «Caganer» die bizarrste: Die mit heruntergelassenen Hosen am Rand des Arrangements hockende Gestalt gehört seit dem 17. Jahrhundert zum Krippen-Inventar. Es wird vermutet, dass der Caganer, indem er den Boden düngt, die Fruchtbarkeit der Natur symbolisiert.

Auch die Gesundheit soll er versinnbildlichen, und die ist in Katalonien traditionell auch mit dem Output verbunden. Statt «Guten Appetit» wünscht man sich gelegentlich «menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!» - Iss gut, scheiss kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!

Früher war der Caganer gekleidet wie ein katalonischer Bauer. Heutzutage wird er oft als prominente Persönlichkeit dargestellt. Auch die berühmten neapolitanischen Krippenmacher aktualisieren ihre Figurenensembles seit dem Barock mit hohen Herrschaften - früher gekrönte Häupter, heute Politiker. Weil deren Ruhm in Italien bekanntlich labil ist, sind ihre Heiligenscheine abnehmbar.

Krippe als Marketing-Instrument

Weihnachtskrippen sind im übrigen mitbeteiligt an der weltweiten Verbreitung des Christentums. Missionierende Jesuiten erkannten früh, dass sie ein ausgezeichnetes Marketing-Instrument waren. Die Darstellung der Geburtsszene in Bethlehem «erregt das Frömmigkeitsgefühl der Beschauer auf das Lebhafteste», schrieb 1619 der Jesuit Philip de Berlaymont.

Mohamedaner, Heiden und Indianer, wird weiter berichtet, waren von der Szene so berührt, dass sie dem künstlichen Jesuskind kostbare Geschenke darbrachten. Viele liessen sich taufen, nur um zu der Attraktion zugelassen zu werden. Später entstanden ortstypische Varianten von lokalen Kunsthandwerkern, vor allem in Afrika und Südamerika.

Santa surft

Das europäische Festschema erfordert umso mehr Modifikation, je weiter entfernt ein Land liegt. In Australien etwa wird Santas Gefährt von sechs schneeweissen Känguruhs gezogen, wie es im populären Weihnachtslied «Six White Boomers» von Rolf Harris heisst.

Und weil im Dezember in Australien Hochsommer ist, isst man den Festbraten auch nicht in der geheizten Stube, sondern beispielsweise beim berühmten Truthahn-Barbecue am Bondi Beach in Sydney: Santa auf dem Surfbrett sorgt für das Rahmenprogramm.

Auch in Südamerika hat man sich vom weltweit am meisten verbreiteten skandinavisch-amerikanischen Festschema mit Schlitten und Rentieren verabschiedet. Hier benutzt der Weihnachtsmann eine Leiter oder ein Trampolin, um in die Häuser zu gelangen.

Saure Weihnachtsgurke

In Skandinavien gibt es neben bekannten Ritualen auch kuriose. Warum allerdings der Heilige Abend der Tag ist, an dem Skandinavier am meisten fernsehen ist nicht geklärt - insbesondere nicht, warum die Schweden am Nachmittag des 24. Dezembers «Donald Duck» schauen.

Unerforscht ist auch die Herkunft der Weihnachtsgurke: In den USA geht die Legende, in Deutschland sei es Brauch, ein Gürklein versteckt an den Weihnachtsbaum zu hängen; das Kind, das den «christmas pickle» finde, bekomme ein Extra-Geschenk. Christbaum-Ornamente in Gurkenform sind deshalb in Amerika sehr beliebt.

Vermutlich war es ein Journalist, der mit dieser Zeitungsente die nachrichtenarme Saure-Gurke-Zeit überbrückte.