Atomkraftwerke
Uran-Brennstäbe aus Russland: Axpo-Chef hat «kein gutes Gefühl»

Der Schweizer Energiekonzern Axpo untersucht seine russischen Brennstab-Lieferanten: Das Unternehmen klärt derzeit genau ab, wie stark die Uran-Wiederaufbereitungsanlagen Majak und Seversk die dort lebenden Menschen und die Umwelt belasten.

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AKW Beznau

AKW Beznau

Keystone

Dass Umwelt und Bevölkerung unter den Anlagen leiden, ist unbestritten und auch eine von der Brennstab-Käuferin Axpo akzeptierte Tatsache. Für Greenpeace ist die Region um Majak, rund 2000 Kilometer von Moskau entfernt, sogar einer der meistverstrahlten Orte der Welt.

Unklar ist jedoch, ob es sich dabei um Altlasten aus vergangenen Jahrzehnten handelt oder der Betrieb nach wie vor Gewässer und Boden kontaminiert. «Wir müssen uns selber ansehen, wie gross das Ausmass der Verschmutzung ist», sagte Axpo-Chef Manfred Thumann am Freitag vor den Medien in Zürich. Er habe kein gutes Gefühl. «Wir werden möglicherweise Sachen finden, die uns nicht gefallen.»

Reise nach Russland

Die Reise der Axpo-Fachleute nach Russland werde in Kürze stattfinden. Sobald sich der Energiekonzern ein umfassendes Bild von den Zuständen gemacht hat, will er entscheiden, ob die bereits aufgesetzten Verträge mit dem französischen Brennstablieferanten Areva für weitere zehn Jahre unterschrieben werden oder nicht.

Die Firma Areva bezieht die Brennelemente für die Axpo allesamt aus Russland, von der Firma MSZ in Elektrostal, einer Stadt rund 60 Kilometer nördlich von Moskau. Die MSZ Elektrostal wiederum hat die Rohstoffe aus Majak, Ozersk und Seversk.

Laut Vertrag kein Recht auf Information

Die Abklärungen sind langwierig und werden von der russischen Bürokratie nicht gerade beschleunigt. Wenig kooperativ zeigt sich laut Thumann auch die Firma Rosatom, welche die Verantwortung für alle Nuklearwerke in Russland innehat.

Grundsätzliches Problem: Die Axpo hat als Endkundin keine Berechtigung dazu, Informationen über die Zulieferer einzufordern. «So steht es im Vertrag mit der Areva», sagte Thumann. In Zukunft solle dies aber geändert werden.

Auslöser für die Untersuchungen sind Recherchen der Umweltschutzorganisation Grennpeace. Sie konnte Axpo glaubhaft darlegen, dass die Uran-Lieferkette, die Axpo unlängst veröffentlichte, so nicht stimmen kann.

«Ja, wir haben uns getäuscht»

Der Energiekonzern musste schliesslich zugeben, dass er gegenüber den Lieferanten zu blauäugig war. «Ja, wir haben uns getäuscht», sagte Thumann. Der Weg der Brennstäbe sei viel komplizierter und undurchsichtiger als angenommen.

Die Axpo habe ausschliesslich Kenntnis davon gehabt, woher die Firma Areva ihre Materialien beziehe, also aus Elektrostal. «Detaillierter hat man in den vergangenen Jahren nicht nachgefragt», sagt Thumann. Dies sei nicht Teil der Verträge gewesen.

Man habe lediglich darauf geachtet, dass die Brennstäbe von guter Qualität gewesen seien. Thumann vergleicht dies mit dem Käufer eines Autos, der schliesslich auch nicht wisse, woher das Metall für die Autotür stamme.

Die öffentliche Diskussion und die Sensibilisierung für Umweltthemen seien nun aber der Auslöser gewesen, im Falle der Brennstab-Herstellung nun doch genauer nachzufragen.