Bezirksgericht Zofingen

Weil sie eifersüchtig war, hat sie das Haus ihres Ex-Mannes angezündet

Dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr war es zu verdanken, dass die freistehende Liegenschaft schnell gelöscht werden konnte.

Dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr war es zu verdanken, dass die freistehende Liegenschaft schnell gelöscht werden konnte.

Als sie entdeckte, dass ihr Ex-Mann seine brasilianische Freundin heiraten wollte, sah eine Frau rot. In ihrer Eifersucht zündete sie kurzerhand das Haus des Mannes an. Nun stand sie vor Gericht.

Die Beschuldigte und ihr Ehemann waren über Jahre verheiratet und hatte einen gemeinsamen Sohn. 2003 kam es zur Scheidung, einem Einschnitt im Leben, den die Beschuldigte nie richtig verarbeiten konnte. Sie bekam psychische Probleme und wollte sich mehrfach selber töten, dies auch, weil sie sich immer noch sehr zu ihrem Ex-Mann hingezogen fühlte.

Nach der Scheidung bezog sie zwar eine eigene Wohnung, lebte aber vielfach auf der Gasse. Ihr Ex-Mann blieb im gemeinsamen Haus und gewährte ihr immer wieder Unterschlupf.

Durch die Hintertür gelang die Beschuldigte in der Tatnacht Anfang Oktober 2010 in die Liegenschaft und weil ihr Ex-Mann noch nicht zu Hause war, machte sie sich in der Küche einen Kaffee. Danach begab sie sich ins Büro im Obergeschoss, wo sie Computerspiele machen wollte. Auf dem Bürotisch fand sie aber ein Schreiben des Migrationsamtes, aus welchem hervorging, dass ihr Ex-Mann seine brasilianische Freundin heiraten möchte.

Urteil zu Brandanschlag in Rothrist

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Nun brannten bei der Ex-Frau alle Sicherungen durch. Die bis dahin unbescholtene Frau holte einen Kanister mit Benzin aus dem Gartenschopf und übergoss im Obergeschoss zunächst die Unterlagen des Migrationsamtes, dann weitere Gegenstände in anderen Bürozimmern, dann das Bett im Schlafzimmer und schliesslich das Sofa im Untergeschoss. Daraufhin steckte sie das Schlafzimmer, dann die beiden Büroräume und schliesslich das Sofa im Wohnzimmer in Brand.

Das Feuer breitete sich sehr schnell in der ganzen Liegenschaft aus. Dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr war es zu verdanken, dass die freistehende Liegenschaft schnell gelöscht werden konnte. Die Frau stellte sich fünf Tage nach der Tat der Polizei und gestand die Brandstiftung. Sie gestand auch einen Diebstahl von 500 US-Dollar. Dieses Geld tauschte sie an einem Bahnhof der Region in Schweizer Franken um, um zwischenzeitlich ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Staatsanwaltschaft forderte für beide Vergehen eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und eine unbedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen. Der Verteidiger beantragte eine maximale Strafe von achteinhalb Monaten bedingt und eine Probezeit von zwei Jahren.

Das Bezirksgericht Zofingen verurteilte die Frau einstimmig wegen Brandstiftung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis unbedingt und einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Franken für den Diebstahl. Die Gefängnisstrafe wird aber zugunsten von ambulanten Massnahmen aufgeschoben. Die Verurteilte muss auch die Gerichtskosten von 1500 Franken und die amtliche Verteidigung bezahlen.

Der Frau kam strafmildernd zugute, dass sie sich gestellt hatte, sich kooperativ und sehr reuig zeigte und freiwillig ein Resozialisierungsprogramm antrat. Das Haus, in dem ein Sachschaden von über 450 000 Franken entstand, steht seit dem Brand leer. Es soll nun an den gemeinsamen Sohn übergehen, so wollen es der Ex-Mann und die Verurteilte.

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