Coronavirus

Wer sich nicht dran hält, dem droht die Schliessung: Clubbesucher im Aargau müssen sich ausweisen

In Dancings, Clubs und Bars kommt ab heute Abend im Aargau nur noch rein, wer einen amtlichen Ausweis vorzeigt und seine korrekten Kontaktdaten angibt.

In Dancings, Clubs und Bars kommt ab heute Abend im Aargau nur noch rein, wer einen amtlichen Ausweis vorzeigt und seine korrekten Kontaktdaten angibt.

Um eine mögliche Corona-Ansteckungskette zu unterbrechen, müssen Club- und Barbesucher nun ihre Kontaktdaten mit einem amtlichen Ausweis belegen. Die Gefahr weiterer Ansteckungen ist einfach zu gross.

Nach der vom Bundesrat auf kommenden Montag verordneten Schutzmaskenpflicht im öffentlichen Verkehr lag der Ball wieder bei den Kantonen. Was tun sie, um die erschreckend schnell steigenden Ansteckungszahlen wieder in den Griff zu bekommen? Insbesondere in der Club- und Barszene, wo in den letzten Tagen sogenannte Superspreader-Ereignisse zu beobachten waren? Nach dem Kanton Zürich handelt jetzt auch der Kanton Aargau. An einer Medieninformation erklärten gestern in Aarau Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati und Kantonsärztin Yvonne Hummel, dass ab heute Freitagabend, 18 Uhr, im Kanton Aargau in Clubs und Bars eine Ausweispflicht besteht.

Dies, weil die jüngsten Ereignisse gezeigt hätten, dass in Bar- und Clubbetrieben (inklusive Dancings, Disco- theken, Tanzlokale etc.), in denen nur für einen Teil der Gäste Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen, ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht. Kantonsärztin Hummel erinnerte daran, dass am 29. Juni bekannt wurde, wie sich in einer Bar in Spreitenbach an einem Abend über 20 Personen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Aus benachbarten Kantonen (gerade Zürich, wo gestern zwei Clubs wegen Corona-Ansteckungen ihren Betrieb vorübergehend unterbrochen haben) lägen ähnliche Meldungen vor über Ansteckungen von Personengruppen in Bars und Clubs.

Deutliche Zunahme von Neuinfektionen seit neun Tagen

In einem Club hört man in der Regel laute Musik, steht dafür nahe beieinander, um zu reden. In diesem Bereich sei die Gefahr besonders gross, und es müssten zusätzliche, risikobasierte Massnahmen getroffen werden. Dies auch, weil es auf den Kontaktlisten fehlerhafte Angaben gab. Hummel: «Nach den Lockerungsschritten der letzten Wochen haben wir im Aargau seit neun Tagen eine deutliche Zunahme von Neuinfektionen verzeichnet.»

Ab heute Abend also müssen sich Club- und Barbesucherinnen auf Kontaktlisten eintragen lassen, und der Betreiber des Lokals muss sicherstellen, dass diese Angaben stimmen, und man die Kontaktperson damit tatsächlich erreichen kann. Man muss einen amtlichen Ausweis vorzeigen, also eine Identitätskarte, den Pass oder Führerausweis. Besonders wichtig nebst Name und Vorname sowie Telefonnummer sei der Wohnort (gut wäre natürlich auch die genaue Adresse), so Hummel. So könne man andere Kantone sofort informieren, falls jemand aus ihrer Bevölkerung betroffen sein sollte. Diese Regelung gilt Stand heute bis am 16. August um Mitternacht.

Polizei wird die Einhaltung der Ausweispflicht kontrollieren

Die Polizei werde in den Betrieben Kontrollen durchführen, mahnte Hummel vorsorglich. Wenn sie dabei feststellt, dass die Vorgaben nicht eingehalten werden, sei es möglich, eine Bar oder einen Club zu schliessen. Sollte dies festgestellt werden, werde man natürlich mit einem Schliessungsentscheid nicht bis zum 16. August zuwarten.

Auf die Frage, ob sie eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum befürworte, sagte Hummel, es sei sinnvoll, sie in einem ersten Schritt auf den öffentlichen Verkehr zu beschränken. Erst wenn die Fallzahlen weiter steigen sollten, wären weitere Massnahmen zu überlegen. Über die Wirksamkeit der Masken gebe es unterschiedliche Auffassungen. Diese Frage habe auch eine gesellschaftliche Dimension, so die Kantonsärztin.

Gallati froh über Bundesratsliste mit Risikoländern

Ziel aller Massnahmen sei, sagte Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati, die Kapazitäten im Gesundheitswesen wegen Corona nicht zu überfordern. Das gelte weiterhin. Die Erfahrung zeige leider, dass sich das Virus bei seiner Ausbreitung nicht nach unseren Bedürfnissen und Hoffnungen richtet. Gewiss sei die Situation nicht so wie im März, aber der Trend der Ansteckungen gehe nach oben. Offenbar werde das Virus in Clubs stark gestreut. Zu 90 Prozent kämen die «Streuer» aus drei, vier Balkanstaaten. Länderspezifische Quarantäne-Massnahmen habe man sich überlegt, sagte Gallati. Man sei aber froh über die Liste des Bundesrats mit Risikoländern. Eine mögliche Massnahme wäre auch, die Clubs zu schliessen. Massnahmen müssten aber verhältnismässig sein, indes: «Wenn es mit der Ausweispflicht nicht funktioniert, müssen wir alle Clubs schliessen.» Andere Massnahmen habe man auch erwogen, Fiebermessen nütze aber nicht viel.

GastroAargau steht «100-

prozentig hinter der Massnahme»

An der regierungsrätlichen Medienkonferenz nahm auch Bruno Lustenberger teil. Er ist Präsident des Branchenverbandes GastroAargau. Sie stünden 100-prozentig hinter der Anordnung, betonte er. Es werde seriös kontrolliert, ob manuell oder elektronisch, versprach er. Nach dem regierungsrätlichen Schuss vor den Bug von Clubs und Bars zeigte sich Lustenberger überzeugt, dass sich die Betriebe daran halten werden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1