Regierunsgratswahlen

Wer wird Sprengkandidat der SVP für die Regierungsratswahlen?

Weil Peter Beyeler (FDP) nicht mehr antreten will, muss die FDP ihren Baudirektor ersetzen. Deren Kandidat scheint mit Stephan Attiger aus Baden gesetzt. Die SVP ihrerseits will bei den Regierungsratswahlen aber noch einen zweiten Sitz erobern.

Die Ausgangslage könnte spannender nicht sein. Weil Peter Beyeler (FDP) nicht mehr antreten will, muss die FDP ihren Baudirektor ersetzen. Deren Kandidat scheint mit Stephan Attiger aus Baden gesetzt. Die SVP ihrerseits will bei den Regierungsratswahlen aber einen zweiten Sitz erobern, und plant eine Sprengkandidatur um den Sitz der grünen Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli.

Und so einig war man sich selten. Partei: Sylvia Flückiger, erprobte Nationalräte und Unternehmerin, wäre die ideale Kandidatin gewesen für eine Kampfkandidatur. Doch die Schöftländerin entschied sich anders, will sie doch Präsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands werden. Ihre Absage löste ein grosses Bedauern. Verständlich, denn Regierungsratswahlen sind Persönlichkeitswahlen - erst recht, wenn die bisherige Amtsinhaberin wieder antritt. Gewinnen kann sie nur ein politisches Schwergewicht, eine charismatische Persönlichkeit, die über eine Vielzahl von Qualifikationen verfügen muss: Erfahrung in politischen Mandaten, führungserprobt muss sie sein, glaubwürdig dazu, und im besten Falle eine Frau. Flückiger hätte über alles verfügt. Ihr einziges Manko wäre ihre geografische Herkunft gewesen: Dem Vernehmen nach befürworten SVP- Kreise eine Kandidatur aus dem Ostaargau.

Der FDP-Kantonalpräsident evaluiert

Das geografische Merkmal erfüllt hätte auch Thomas Burgherr, aber der SVP-Kantonalpräsident hat unlängst verlauten lassen, sich primär seinem Präsidium und Unternehmen widmen zu wollen. Valabel wäre er unter gewissen Umständen dennoch, und wohl auch nicht gänzlich unambitioniert, immerhin bezeichnet er den Regierungsratsposten einmal als «schönsten Job der Welt.» Warum? «Als Regierungsrat kann man sehr viel bewegen, seine persönlichen Ideale umsetzen», erklärt der dreifache Familienvater gegenüber der az. «In der Exekutive ist man näher an der Politik, arbeitet in einem kleinen Gremium und hat einen hohen Grad an Eigenverantwortung. Das macht den Posten in meinen Augen so attraktiv.» Momentan ist der Unternehmer aus Wiliberg auf Kandidatensuche. Und höchst beschäftigt: «Überzeugungsarbeit», nennt er es. Das Resultat seiner Evaluationen ist jedoch frühestens Ende Monat zu erwarten.

Geduld ist nicht das, was einer Gerüchteküche eigen ist. Es kursieren Namen. Einer, der zuallererst fällt, ist jener von Vreni Friker-Kaspar. Friker, Vizeammann aus Oberentfelden, gehört dem Grossen Rat seit 2001 an und wurde 2011 mit einem Glanzresultat zur zweiten Vizepräsidentin gewählt. Doch sie hält sich bedeckt, bezeichnet eine Kandidatur als «Affaire à suivre». Was in Politikerkreisen zumindest kein Dementi ist. Fricker wäre in einem idealen Alter, verfügt über einschlägige politische Erfahrung und ist an keine KMU oder Unternehmung gebunden. Denn das war es, was Sylvia Flückiger unter anderem eine Kandidatur abschlägig beantworten liess. « Als Regierungsrätin müsste ich meine Arbeit in unserem Unternehmen aufgeben. Das möchte ich nicht», erklärt sie. «Mein Mann und ich haben unsere Flückiger Holz AG 1991 gegründet und seither mit Herzblut zusammen geführt, mit viel Arbeit und Idealismus. So etwas prägt und das kann ich nicht einfach aufgeben, denn das ist unser Leben.»

Muss es eine Frau sein?

Dass die SVP mit einer Frau den Sitz der Grünen aushebeln will, wäre ein taktisch kluger Schachzug. Marlène Koller, Grossrätin und Gemeindeammann von Untersiggenthal affirmierte der az einmal, dass es «schön wäre, wenn die SVP künftig eine Doppelvertretung hätte und eine Frau dabei wäre». Obwohl nicht prinzipiell für eine Frauenquote, glaubt sie, dass «es für einen männlichen Kandidaten der SVP noch schwieriger wird, den Sitz eines amtierenden Regierungsmitglieds anzugreifen.» Auch Koller hat sehr auf Flückiger «gehofft» und betont die sehr valablen Kandidaten, die es für ein solches politisches Manöver braucht. Den Regierungsposten erachtet sie als «ganz attraktiv» - schliesst eine Kandidatur aber aus. «Wäre ich 10 Jahre jünger, sagte ich nicht nein. Aber mit 60 Jahren mache ich so etwas nicht mehr», bekennt sie der az.

Klare Worte auch von Milly Stöckli aus Muri. Die einstige Präsidentin der SVP Frauen des Aargaus ist bekannt für ihr fast schon feministisches Credo: «Ich fördere als Frau gerne eine Frau.» Als Präsidentin war es ihr ein Anliegen, «in den Frauen das Feuer zu wecken.» Frauen für höhere politische Ämter zu gewinnen, sei grundsätzlich aber eher schwierig. Wohl fehle es nicht am Potenzial, «sondern eher am Willen», bekräftigt die Bäuerin und Wirtefachfrau «Man muss einen breiten Rücken haben und viel einstecken können. Das ist nicht allen gegeben.» Auch seien viele gute Frauen mit ihrer Familie beschäftigt, in der Gemeinde engagiert oder in der Freiwilligenarbeit und würden aufgrund dieses Engagements keine Ressourcen für eine höhere Position sehen. Und sie selbst? Ein langes Zögern. «Ich fühle mich nach der gescheiterten Nationalratskandidatur 2011 etwas ausgelaugt», erklärt sie. Eine Kandidatur sei für sie «eher hypothetisch. Sie müsste dann schon sehr gestützt und getragen werden von der Partei, meint sie, um eine allfällige Empfehlung in Erwägung zu ziehen.

Sind die Männer wählbarer?

Bleiben die Männer. Im Ostaargau gäbe es den einen oder anderen Kandidaten aus der kantonalen Parteispitze, aber nicht allen kann überparteiliche Akzeptanz bescheinigt werden. Vielleicht aber Martin Keller, seit 2008 Grossrat aus Nussbaumen, Geschäftsführer einer Bauholding. Er verfügt über Führungserfahrung («Ich habe schon 1000 Leute geführt»), ist angestellt («glücklich angestellt», betont er) und mit 47 Jahren im richtigen Alter für einen möglichen prestigeträchtigen Job. Die nötige Sach- und Fachkompetenz traut sich der Sprengfachmann (Keller ist Mitglied des Verbands der Schweizer Sprengfachleute) zu. «Die Frage ist eher, was man für eine solches Mandat aufgibt», erklärt er. «Den richtigen Zeitpunkt gibt es nie, wohl aber das genau Abwägen des dafür und dawider.» Zu einer möglichen Kandidatur will er sich vorerst jedoch noch nicht äussern.

Bleibt der Name Hansjörg Knecht: Der Geschäftsführer und Mitinhaber der Knecht Mühle AG aus Leibstadt blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Nach sieben Jahren im Gemeinderat, war er seit 1996 im Grossrat, bevor der Finanzexperte 2011 in den Nationalrat einzog. Der einstige Präsident der Staatsrechnungskommission im Aargau setzt nun aber ganz auf die Karte Nationalrat. «Ich stehe für eine Regierungsratskandidatur nicht zur Verfügung», sagt er dezidiert. Als Unternehmer in der vierten Generation wäre für Knecht ein Mandat in der Regierung ähnlich wie bei Sylvia Flückiger ein weiteres Hindernis.

Fazit. Der Anspruch auf einen zweiten Regierungssitz ist unbestritten. Das Erobern jedoch könnte sich als schwieriger herausstellen als gedacht. Selbst für die bei den Legislativwahlen stärkste Partei.

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