Theater

Die kleine Crew will grosse Themen auf die Bühne bringen

Olivier Bachmann (33): Regie und künstlerische Leitung.

Olivier Bachmann (33): Regie und künstlerische Leitung.

Das neue Team des Aargauer Theater Marie ist startbereit. Fünf Drahtzieher, vier Schauspieler und ein Kino spielen die Hauptrollen in der ersten Produktion «Kino Marie». Das Programm 2013 verspricht Theatergeschichten zum Hier und Jetzt.

Eine kleine Marienstatue steht über dem Türsturz vom Foyer in den Proberaum. Es ist - neben dem Namen - das letzte Überbleibsel des alten Theater-Teams im ehemaligen Kino Central in Suhr, wo seit bald 15 Jahren die wechselnden Leute des Theaters Marie arbeiten, planen, proben - oder ab und an auch zu Aufführungen laden. Nächste Woche ist es so weit. Dann heisst es: Vorhang auf für «Kino Marie». Das Stück ist eine Hommage an den Ort und eine Visitenkarte für die zukünftigen Arbeiten.

Seit September ist die neue Leitung als Kern des Theaters Marie am Einleben, Vorbereiten, Planen. Die Funktionen sind klar verteilt: Oliver Bachmann ist künstlerischer Leiter und Regisseur, Erik Noorlander Szenograf, Pascal Nater kümmert sich um Musik sowie Recherchen und Patric Bachmann um Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit. Neben dem Männerquartett ist Lena Friedli, wie schon bei den Vorgängern, fürs Organisatorische zuständig.

Doch die Realität ist nicht ganz so klar, wie einem die Aufgabenverteilung auf dem Papier erscheinen mag. Beim Gespräch gestern am grossen Tisch im Foyer erklärt nicht nur der Chef, was Sache ist. Da reden alle munter mit. Dieses Teamdenken ist Absicht und Programm. «Wir kennen uns seit unserer gemeinsamen Arbeit am Stadttheater Bern», sagt Olivier Bachmann. «Und nach den Veränderungen dort wollten wir weg, aber gemeinsam etwas anpacken.»

Flexibel auf festen Füssen
«Diskursives Theater über grosse Themen mit kleiner Crew» sei das Ziel. Die vier haben auch schon anderweitig - in der Freien Szene und an Theaterhäusern einzeln und teilweise gemeinsam gearbeitet, etwa als Theater Nater/Glatthard/Bachmann. Sich zu kennen und zu vertrauen, habe grosse Vorteile, sagt Patric Bachmann: «Das Denken fängt auf einem höheren Level an.» Und Erik Noorlander betont: «Und unsere Funktionen durchmischen sich auch, das ist fruchtbar.»

Zum Team gehören keine Schauspieler. «Da setzen wir auf wechselnde Besetzungen», sagt Olivier Bachmann. «Drei Leute fix zu engagieren, würde uns in der Stückwahl, in der Grösse und punkto Charaktere einschränken.» Aber es sollen nach Möglichkeit immer wieder die gleichen Leute zum Zug kommen.

«Unser Ausgangspunkt war: Was wollen und können wir tun?», sagt Olivier Bachmann. «Und wir fragten uns, was machen wir aus dem Theater Marie, diesem flexiblen Format, das trotzdem auf festen Füssen steht?» Flexibel meint, dass das Theater Marie an keinen Ort gebunden ist und als freie Truppe funktioniert. Die festen Füsse beziehen sich auf das gesicherte Subventions-Fundament von Kanton und Stadt Aarau.

Im Aargau willkommen
«Wir sind im Aargau herzlich empfangen worden», sagt Pascal Nater. Weil das Theater Marie an sich nicht infrage gestellt war, habe man nicht um seine Berechtigung kämpfen müssen, bilanziert Olivier Bachmann. Und auf Erik Noorlanders Einwurf: «Diese Freude ist schön, aber jetzt müssen wir etwas zeigen», folgt Gelächter und Zustimmung am Tisch.

«Ja, jetzt zünden wir Phase zwei», erklärt Olivier Bachmann. Drei Schwerpunkte - inhaltliche und formale - hat das Team sich für sein Programm gesetzt. Geschichten, Diskurs und Ort. «Sie sind quasi die Angeln, mit denen wir im Teich der Ideen fischen», führt Olivier Bachmann aus. Exemplarisch sehe man das beim Programm für 2013.

Kino Marie

Für das erste Stück, «Kino Marie», gehe man vom Ort aus, vom ehemaligen Kino Central in Suhr. Aus dem Erkunden der eigenen Homebase ergäben sich dann die Geschichten. Wie so viele Landkinos ist es seit Jahren geschlossen - und doch noch immer ein magischer Ort. In den Plüschsesseln haben jahrzehntelang die Leute aus dem Dorf gelacht, sich heimlich geküsst oder vor Rührung geweint. Ihre Erinnerungen sind ebenso Teil des Stücks wie der Filmmusiker (gespielt von Patric Bachmann) oder aber Fragen nach Unterschied und Parallelen von Theater und Kino. Zu den Helden auf der Leinwand werden sich für also einmal vier Schauspieler auf der Bühne gesellen: Manuel Löwensberg, Nadine Schwitter, Sandra Utzinger und Diego Valsecchi. Eine hochkarätige Besetzung aus der jüngeren Schauspiel-Szene.

Am 1. Mai steht die zweite Premiere an: «Von der schleichenden Vanillisierung der Gesellschaft». Thema ist ein Diskurs über die Gleichschaltung der Individual-Gesellschaft. Eine literarische Geschichte bildet im Oktober die Basis für die dritte Produktion. Unter dem Titel «Harry Widmer junior. Glaubst du, dass es Liebe war?» wagt sich das Theater Marie an die theatralische Umsetzung des Romans von Alex Capus. «Der Autor hat uns freie Hand gelassen», schwärmt Patric Bachmann.

Die Premiere für Stück zwei und drei wird in der Tuchlaube stattfinden, gespielt werden aber alle Stücke an weiteren Orten inner- und ausserhalb des Kantons. Im Juni zügeln die Theaterleute gar für eine Woche in die Alte Reithalle Aarau. Da wird gewohnt, diskutiert und werden Gäste empfangen.

Suhr Theater Marie, Dorfstrasse 5. Premiere: Do, 21. Februar. Weitere Aufführungen: 23.2., 22.3., 12.4., 16.5. in Suhr, 1. und 2.3. im Theater am Bahnhof Reinach. 

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