Bloggerin und Lehrerin

Morena Diaz spricht über Vergewaltigung: «Ich lasse mir mein Leben nicht kaputt machen»

«Das Sexualstrafrecht ist absurd, das ist auch der Grund, weshalb es für mich so wichtig ist, dass es überarbeitet und angepasst wird», erklärt Morena Diaz.

«Das Sexualstrafrecht ist absurd, das ist auch der Grund, weshalb es für mich so wichtig ist, dass es überarbeitet und angepasst wird», erklärt Morena Diaz.

Die Influencerin Morena Diaz gab dem «Sonntags Blick» ein Interview, in dem sie erklärt, warum sie strengere Gesetze fordert. Und wie sie mit den Reaktionen zu kämpfen hatte, als sie ihre Vergewaltigung öffentlich zum Thema machte.

Sie überraschte Anfang Januar alle, als sie ihre Vergewaltigung öffentlich machte: Morena Diaz – Influencerin, Bloggerin, Body-Positivity-Aktivistin, Primarlehrerin an der Schule Erzbachtal in Erlinsbach. Über das traumatische Erlebnis, das im Dezember 2018 in der Wohnung eines Bekannten stattgefunden habe, berichtete sie auf Instagram und ihrem Blog, äusserte sich aber auf Anfragen nicht weiter dazu. Ihre Instagram-Followerzahl ist seit ihrem Outing von rund 71'000 auf rund 73'000 gestiegen.

Nun hat sie dem «Sonntags Blick» ein Interview gegeben, das gross auf der Titelseite aufgemacht war. «Ich lasse mir mein Leben nicht kaputt machen», sagt sie darin. Und sie fordert schärfere Gesetze: «Rechtlich gilt mein Fall in der Schweiz nicht als Vergewaltigung. Dass ich Nein gesagt habe, reicht laut dem Schweizer Gesetz nicht aus. Das Sexualstrafrecht ist absurd, das ist auch der Grund, weshalb es für mich so wichtig ist, dass es überarbeitet und angepasst wird. Deshalb will ich weiter über das Thema sprechen, ich will Mut machen und aufklären.»

Diaz arbeitet normal weiter in ihrem Job als Primarlehrerin. Auf ihrem Instagram-Profil, wo sie auch aus ihrem Alltag berichtet, war ersichtlich, dass sie in den letzten Tagen an die zwanzig Elterngespräche geführt hat. Im «Sonntags Blick» sagt Diaz, dass sie mit den Eltern nicht über ihre Vergewaltigung – oder die Entscheidung, sie öffentlich zu thematisieren – gesprochen habe: «Weil ich Privates und Berufliches, so gut es geht, zu trennen versuche.» Sie sei von den Eltern bisher auch nicht darauf angesprochen worden. Sie bezweifelt, dass die Kinder etwas mitbekommen haben: «Meine Schüler sind noch zu jung und noch nicht auf Social Media unterwegs.»

Diaz will künftig vermehrt auf die Opferhilfe aufmerksam machen. «Viele wissen gar nichts, dass es sie gibt. Sie hat mir sehr geholfen. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass sie finanzielle Unterstützung für eine Therapie anbietet», sagt die Bloggerin im «Sonntags Blick»-Interview.

Sie selbst wolle weiter an das Gute glauben. «Auch eine Beziehung und Familie sind ein Thema für mich.» Sie lasse sich ihr Leben von diesem Vorfall nicht kaputt machen.»

Im Interview sagt Morena Diaz, es gehe ihr «den Umständen entsprechend gut», obschon die Situation an ihren Nerven zehre. Am Sonntag veröffentlichte sie einen Instagram-Post, der Einblick gibt in ihren Gemütszustand: Nach der Veröffentlichung des Vergewaltigungs-Posts habe sie sich «10 Tage lang durchgebissen, gekämpft, einfach funktioniert». Vor einer Woche seien dann «die altbekannten Ängste, Flashbacks und die vielen Tränen» wiedergekommen. Die Kommentare, die sie als Lügnerin darstellen, die nur Aufmerksamkeit wolle, haben ihr zu schaffen gemacht: «Jedes einzelne Mal, wenn ich mit solchen Kommentaren konfrontiert werde, macht sich mein Kopf ohne meinen Willen selbstständig“, schreibt Diaz. «Mein Kopf möchte diesen Kommentaren trotzen, sich irgendwie rechtfertigen, erklären, damit mein Körper sich endlich wieder entspannen kann. Also läuft diese eine explizite Szene jede Nacht in meinem Kopf ab. Immer und immer wieder. Jedes Mal schüttelt es mich durch.» Sie versuche dann, sich zu entspannen und auf ihr Ziel zu konzentrieren: Aufklärungsarbeit und Gesetzesänderungen. (nro)

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