Kölliken
Noch ein Jahr, dann kauft ein anderer Ginos Bachforellen

Christa Hunziker und Roland Hächler haben ihre Osteria samt Bildern in die Deutschschweiz gebracht.

Peter Weingartner
Drucken
Teilen
Die Kölliker Christa Hunziker und Roland Hächler haben ihre Osteria samt Bildern in die Deutschschweiz gebracht. Peter Weingartner

Die Kölliker Christa Hunziker und Roland Hächler haben ihre Osteria samt Bildern in die Deutschschweiz gebracht. Peter Weingartner

Drei Saisons lang haben Christa Hunziker und Roland Hächler, Kunstschaffende aus Kölliken, die Osteria Grütli im Centovalli geführt. Eigenwillig und ihrer Linie treu haben sie sich einen Namen geschaffen. Es wird nur Barzahlung akzeptiert.

«No Cola, No Pommes, No Heineken», stand zeitweise auf dem Schild vor der Osteria in Camedo. «Und aus aktuellem Anlass einst auch ‹No Gripen›», schmunzelt Hächler. In der Gaststube gibts einen einzigen runden Tisch für 12 Personen.

Gino bringt die Bachforellen

«Im dritten Jahr haben wir etwas verdient», sagt Christa Hunziker. Am Anfang mussten sie, die wenig italienisch sprachen und den Dialekt schon gar nicht, sich die Gunst der Einheimischen erarbeiten, obwohl alle im Dorf froh waren, dass es weitergeht. Wo sonst sollte Marco sein Glas Weissen trinken?

Die Akzeptanz bei der Bevölkerung sieht Hächler als grössten «Erfolg». In Intragna konnten sie das Museum «bespielen», und Gino, der die Bachforellen aus den Bächen holt, liefert nach anfänglicher Skepsis nun ohne Vorbehalte auch Wild.

Frische Produkte aus der Region, das ist ihr gastronomisches Credo. Dass ein 14 Tage alter Fisch, wie Hächler bei der Wirteprüfung gelernt hat, als frisch gilt, entlockt ihm ein müdes Lächeln.

Der Garten bringt Salat und Kräuter. «Wenn die Nonna ein Kaninchen oder ein Gitzi, das Christa zubereitet hat, mit ‹ottimo› kommentiert, hast du gewonnen», sagt Hächler.

Dimitri, Zappa und Dieterle

Obwohl Dimitri ein Theaterzimmer, Marco Zappa ein Musikzimmer und Matthias Dieterle ein Literaturzimmer gestaltet haben und die Gastgeber auch kulturelle Anlässe für ihre Gäste zwischen Deutschland und Mailand veranstalten, pflegen sie die Einheimischen bewusst.

«Zwei-, dreimal pro Jahr machen wir einen Tessiner Abend, an dem die Leute aus dem Tal singen, spielen und musizieren. Und ihre Kultur pflegen. Dazu gehören die uralten Zungenbrecher, die von Alten an die (wenigen) Jungen weitergegeben werden. «Die wollens perfektionieren, auch wenn sie die Gazosa als Preis bereits erhalten haben», freut sich Roland Hächler.

«Wir sind Künstler, nicht Gastronomen», sagen die beiden. Noch bis zum 14. Dezember ist die Osteria Grütli samt Bar im Kulturhaus Räberstöckli Niederbipp zu Gast.

Da gibts Bilder, Collagen und Videos der beiden als Künstlerpaar «insieme» zu sehen, aber auch Musik zu hören. Und man kann Wein oder Gazosa trinken und Tessiner Produkte, unter anderem Rote Polenta, erstehen.

Noch eine Saison

Von November bis Februar ist die Osteria Grütli geschlossen. Es fehle eine richtige Heizung. Hunziker und Hächler haben das Haus seinerzeit für drei Jahre gemietet, hängen nun aber noch ein viertes Jahr an. Danach soll Schluss sein. «Verschiedene Projekte sind angedacht», sagt Christa Hunziker. Das Konkreteste: Von Kölliken aus Catering mit Kultur anbieten. Einschlägige Erfahrungen haben sie im Tessin gesammelt.

Und was passiert mit dem «Grütli» in Camedo? «Wir hoffen schwer, es geht weiter», sagt Hächler: Kultur brauche einen Ort. Immerhin sei die Osteria seit 1894 ununterbrochen in Betrieb.

Aktuelle Nachrichten