«Und alles nur, weil ich dich liebe.» Vor Bezirksgericht Kulm schien es, als hätte der Beschuldigte diesen Song der Toten Hosen im Hinterkopf, als er seine Taten erklären musste. Darunter die Beschimpfung und Nötigung seiner damaligen Freundin.

Der 41-jährige Italiener kam als 17-Jähriger in die Schweiz, nachdem er bereits ein paar Jahre in Deutschland verbracht hatte. Allein, ohne Eltern, wie er aussagte. Sein Deutsch klingt wie sein Italienisch; verwaschen, die Worte fliessen übergangslos ineinander. Auch die Übersetzerin muss ab und zu die Augenbrauen zusammenkneifen, bis das Gesagte Sinn macht.

Vor vier Jahren hatte der Mann eine Freundin. Die Italienerin (25) erschien als Zivilklägerin. Die Probleme begannen, als sie sich von ihm trennen wollte. «Sie haben offenbar Schwierigkeiten, mit Trennungssituationen umzugehen», sagte die Gerichtspräsidentin zum Beschuldigten. Ziemlich gelinde ausgedrückt, wenn man bedenkt, dass sein Verhalten bei der Trennung von seiner Exfrau zu einer Vorstrafe geführt hatte.

Zwar beteuerte der Beschuldigte immer wieder, seine Freundin geliebt zu haben. Eine Liebe nach dem Prinzip: Wenn ich dich nicht haben kann, dann soll dich niemand haben. Er stellte ihr nach, wollte immer wissen, wo sie war. Als sie mit dem Auto eines Bekannten bei ihm auftauchte, um ihre Kleider zu holen, rastete er aus: Brach den in der Zündung steckenden Schlüssel ab und zerriss ihre Aufenthaltsbewilligung. Es kam zu einem Handgemenge. Das Wort für Handgreiflichkeiten scheint beiden auf Italienisch zu fehlen, doch sie geben an, den anderen von sich weggestossen, aber nicht geschlagen zu haben.

An einem anderen Tag drohte der Beschuldigte der Ex, ihren in Italien lebenden Sohn umzubringen, wenn sie nicht mit ihm käme. Sie geht mit, verbringt die Nacht bei ihm. Es kommt zum Streit. «Puttana», italienisch für Hure, wirft er ihr an den Kopf. Nicht zum ersten Mal, wie die Ex-Freundin aussagte. In der Verhandlung sprach er mehrmals von Albanern, mit denen sie ausgegangen sei.

Hühner verenden qualvoll

Ihn sollte sie lieben, nur ihn. An der Langstrasse in Zürich kauft er eine Pistole. «Ich war so verliebt, ich wollte mich umbringen», sagte er vor Gericht. Dass er die Waffe hätte melden müssen, war ihm nicht bekannt. Die Waffe kommt nicht zum Einsatz, dafür ein Messer. Der Beschuldigte sieht nur einen Weg aus der Eifersucht: Am Morgen nach dem grossen Streit sticht er sich selber mit einem Messer, ruft die Polizei an und behauptet, es sei seine Freundin gewesen. In der Hoffnung, dass sie nach Italien abgeschoben werde. Er unterschreibt einen Strafantrag und gibt die Lüge erst zu, als das Wort Gefängnis fällt. Der mehrfach Vorbestrafte hatte schon acht Monate in Gefangenschaft verbracht. «Das wollte ich nicht für die Person, mit der ich zusammen bin», sagte er vor Gericht.

Auch im Umgang mit Tieren zeigte sich der Beschuldigte äusserst unzimperlich. An zwei Standorten hatte er Hühner gehalten. Er und seine Freundin hätten die Tiere bekommen. «Zum halten und fressen», sagte er vor Gericht. Zum Poulet-Schmaus kam es aber nicht, denn ohne Futter und Wasser verendeten die Tiere kläglich. Bei einem Besuch der Polizei waren 19 Hühner tot und zum Teil stark verwest, sechs mussten gleich vor Ort erlöst werden. Auch von zwei Zwergziegen war nicht viel mehr als Haut und Knochen übrig. Reue zeigte der Mann keine, er hätte keine Zeit gehabt, sich um die Hühner zu kümmern.

Das Gericht sprach den Mann angesichts seiner Vorstrafen in fast allen Punkten schuldig und verhängte sechs Monaten Gefängnis – unbedingt. Dazu wurden Zusatzstrafen für frühere Strafen ausgesprochen, insgesamt 15 Tagessätze à 30 Franken und 15 Tagessätze à 50 Franken.