Muhen/Kölliken

Tödlicher Flugzeugabsturz: Jetzt steht fest, wie es zum Unglück kam

Im Herbst 2015 versuchte ein damals 70-jähriger Pilot mit seinem Eigenbau-Sportflugzeug bei Muhen notzulanden. Dabei traf seine Maschine auf der Suhrentalstrasse ein Auto – die Fahrerin wurde schwer verletzt, der Pilot starb kurz nach dem Absturz. Jetzt ist klar: Ursache für den Absturz ist ein gebrochener Pleuel im Motor.

Mehr als vier Jahre lang hat die Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust den tragischen Flugunfall untersucht, der am 20. September 2015 bei Muhen einen Toten und eine Schwerverletzte forderte. Damals versuchte ein 70-jähriger Mann mit seinem Eigenbau-Flugzeug des Typs Glasair auf einem Feld notzulanden, weil zuvor Motorprobleme aufgetreten waren.

Doch die Notlandung misslang, der Pilot touchierte mit dem Flugzeug die Leitplanken der Suhrentalstrasse. Die Maschine erfasste einen Kleinwagen, stürzte neben der Strasse ab und ging in Flammen auf.

Ursache geklärt: Unfallbericht Flugzeugabsturz von Muhen veröffentlicht

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2015 stürzte ein Pilot mit seinem Flugzeug in Muhen ab, weil der Motor versagt hatte. Der 70-Jährige versuchte notzulanden, wobei er eine Autofahrerin schwer verletzte. Der Pilot selbst wurde beim Unfall ebenfalls verletzt und starb.

Der nun vorliegende Schlussbericht der Sust zeigt, dass die Ursache für den Absturz eine massive Motorpanne war. Demnach erlitt das Triebwerk während des Fluges einen verhängnisvollen Schaden. Ein Pleuel, der Mikroermüdungsrisse aufwies. 

Das Triebwerk war also massiv beschädigt

Der Motor wies zur Zeit des Unfalls bereits 47 Betriebsjahre auf, laut dem Bericht wurde er 1968 konstruiert.

Triebwerk war beim Absturz schon 47 Jahre alt

Zwischen 1968 und 1986 war der Motor insgesamt 1873 Stunden lang in Betrieb, im Jahr 1986 wurde er beim Hersteller einer Grundüberholung unterzogen, "welche die Rücksetzung der Betriebsstunden auf Null ermöglichte", wie es im Bericht heisst. Die Untersuchung der Sust ergab keine Hinweise darauf, dass die Pleuel bei dieser Überholung ersetzt worden waren, dies erscheine auch kaum wahrscheinlich.

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Die Untersuchung zeigte, dass es sich um einen Ermüdungsbruch des Pleuels handelte, die Bruchflächen wiesen Mikrorisse auf, die Rost und Russablagerungen enthielten. Dies bestätigt laut der Sust, dass sich die Mikrorisse im Verlauf der Zeit gebildet hatten. 

Pilot hatte eine Ausnahmebewilligung für den Motor

Grundsätzlich hatte das Triebwerk im Unglücksflugzeug eine auf 2000 Betriebsstunden oder 12 Kalenderjahre limitierte Betriebszeit. Einigen Nutzern von Triebwerken, welche die kalendarische Limite erreicht hatten, denen aber noch ein grösseres Potenzial an Betriebsstunden verblieb, werden laut dem Bericht Ausnahmebewilligungen erteilt, um die Grundüberholung oder den Austausch des Triebwerks zu einem späteren Zeitpunkt vornehmen zu können.

Im aktuellen Fall gewährte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) dem Piloten eine solche Ausnahme bis zum Jahr 2022 oder bis zu 2000 Betriebsstunden seit der letzten Überholung des Triebwerks. Als es am 20. September 2015 zum Absturz kam, waren diese Bedingungen erfüllt: Der Motor wies gut 1214 Betriebsstunden seit der letzten Überholung auf. Ende Juli 2015 war das Triebwerk einer Sonderkontrolle unterzogen worden, das Verfahren dafür war von Experimental Aviation of Switzerland (EAS), der Vereinigung der Schweizer Amateurflugzeugbauer, festgelegt und vom Bazl genehmigt worden.

Für die Kontrolle wurden zwei Zylinder des Motors teilweise ausgebaut, wie es im Bericht heisst. Diese Arbeiten wurden von einem berechtigten Instandhaltungsbetrieb sowie vom Halter des Flugzeugs durchgeführt. Die Untersuchung ergab, dass Mikroermüdungsrisse an den Pleueln mit einer solchen Kontrolle nicht erkannt werden können.

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