Rekingen

Der erste «fixe Blitzer» im Aargau: Ist diese provokative Radarfallen-Skulptur überhaupt legal?

Der Bad Zurzacher Künstler Santhori  hat eine Radarfallen-Skulptur im Garten seines Ateliers in Rekingen aufgestellt. Die Behörden hat er über diese Aktion aber nicht informiert.

Ziviler Ungehorsam und provokative Guerilla-Aktionen gehören zum Repertoire mancher Künstler. Der Bad Zurzacher Santhori, mit gebürtigem Namen Thomas Riederer, versteht es, auf dieser Klaviatur zu spielen.

Seit letzter Woche steht auf dem Grundstück seines Ateliers beim alten Sodi-Kindergarten die kunstvoll verhüllte Attrappe eines Blechpolizisten. Davor warnt ein Schild die Autofahrer Richtung Bad Zurzach mit den Worten «Vorsicht, kein Radar». Wobei das «kein» ziemlich klein geschrieben steht.

Auf der Kantonsstrasse Richtung Bezirkshauptort sind 60 km/h erlaubt. Die Fahrzeuge seien in der Regel eher zu schnell unterwegs, sagt Santhori. «Wenn die Autofahrer abbremsen, zurückschauen oder wissen wollen, ob sie geblitzt worden sind, muss ich lachen.» Gerne verbringt er seine Kaffeepause sitzend im Stuhl und beobachtet die Szenerie. Santhoris Botschaft: «Langsam, aber sicher. Die Autofahrer sollen ruhig glauben, es handle sich um eine echte Radarfalle.»

Kunstwerk ohne Bewilligung

Aufgestellt hat er die Skulptur mithilfe seiner Frau. Die Behörden hat er über seine Aktion nicht informiert. «Ich wollte keine schlafenden Hunde wecken.» Santhori ist der Ansicht, dass ein Kunstwerk, sofern es nicht überdimensional ist, keine Baubewilligung benötigt. Zudem ist er überzeugt, den geforderten Abstand zur Strasse einzuhalten. Bis Ende Jahr möchte er die Blechpolizisten-Attrappe stehen lassen. Das Warnschild, dessen ist er sich der 68-Jährige bewusst, schafft es wohl nicht so lange.

Dem einen oder anderen mag die bunte Radarfalle im typischen Santhori-Stil bekannt vorkommen. Vor knapp zweieinhalb Jahren hielt er damit die Zürcher Stadtpolizei auf Trab. Im Januar 2016 verhüllten er und sein Zürcher Architekten-Kollege Walter Wäschle die Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlage beim Walcheplatz nahe beim Hauptbahnhof.

Zeitgleich verschickten die Aktivisten ein Bekennerschreiben mit dem Titel «Zürichs Monster erhalten ein Gesicht.» – «Die Stadt Zürich soll die schönsten Blechpolizisten der Welt haben», sagte Santhori. Drei Stunden nach der Guerilla-Aktion war die Skulptur von der Stadt einkassiert. Es wurde eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung angekündigt.

Kanton: «So nicht!»

Doch wie stehen die «Überlebenschancen» der Skulptur im Zurzibiet? Eher schlecht, wenn man das Gesetz zurate zieht. «Gemäss Baugesetz ist die Skulptur an dieser Stelle bewilligungspflichtig, da macht es keinen Unterschied, dass es ein Kunstwerk ist», sagt Giovanni Leardini von der Medienstelle des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Zudem scheine der minimale Abstand zur Kantonsstrasse von 6 Metern unterschritten. Der Radstreifen ist Bestandteil der Kantonsstrasse.

«Der Besitzer des Kunstwerks beziehungsweise der Besitzer des Grundstücks, auf dem das Kunstwerk steht, muss nachträglich ein Baugesuch einreichen. Die Chancen für eine Bewilligung sind intakt.» Das «Warnschild» dagegen müsse entfernt werden. Dieses stehe auf öffentlichem Grund, zudem lenke es die Verkehrsteilnehmenden ab und ist deshalb aus verschiedenen Gründen ein Sicherheitsrisiko.

Handschellen aus Zürich

Immerhin hat die Skulptur im Zurzibiet ihre Standdauer von Zürich schon um ein Mehrfaches übertroffen. Die Aktion im Nachbarkanton löste sich übrigens in Minne auf. Zu einer Strafanzeige ist es nach einer Aussprache nie gekommen: Santhori und Wäschle statteten der Stadtpolizei und deren Mediensprecher Marco Cortesi einen Besuch ab, überreichten signierte Kataloge und plauderten eine Stunde über Gott und die Welt.

«Von der Polizei erhielten wir Mini-Handschellen geschenkt», sagt Santhori mit einem Lachen, «diese waren wohl als kleine Warnung gedacht.» Vierzehn Tage nach der Aktion konnte Santhori seine Skulptur in unversehrtem Zustand bei der Stadt abholen.

Die erneute Platzierung im Zurzibiet steht in keinem Zusammenhang mit weiteren aktuellen Blitzer-Themen, beteuert Santhori. Weder der Diebstahl der mobilen Radarfalle in Leibstadt noch die Diskussion um einen ersten festen Aargauer Blitzer bei der Badener Gstühl-Kreuzung spielten bei seinen Überlegungen eine Rolle.

Überhaupt sei er eigentlich ein Gegner von Radarfallen. «Die sind doch nur da, um Geld zu machen.» Dass sein kunstvoller Blechpolizist den Behörden nicht genehm ist, mag Santhori nur bedingt nachvollziehen. «Mich stören die Wahlplakate von Politikern am Strassenrand viel mehr», sagt er.

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