Leuggern

Erne-Metallbau-Konkurs: Gläubiger müssen 10 Millionen abschreiben – Angestellte erhalten ausstehende Löhne

Nach dreieinhalb Jahren ist das Konkursverfahren zur ehemaligen H. Erne Metallbau AG abgeschlossen. Es kam zu mehreren Vergleichen. Die 70 Angestellten können sich über einen Millionenbetrag freuen.

Ende September 2016 sorgte der Konkurs der H. Erne Metallbau AG aus Leuggern für Aufsehen: Rund 70 Mitarbeitende verloren ihre Stelle. Die Traditionsfirma war innert weniger Jahre in einen Abwärtsstrudel geraten. Für den Bau des Pumpspeicherkraftwerks Nant de Drance im Wallis – dem zweitgrössten der Schweiz – hatte das Unternehmen den Zuschlag für Stahlwasserbauarbeiten erhalten. Eine Fehlkalkulation riss ein Loch, das sich nicht mehr stopfen liess und Millionen kostete. Bis zu 60 Schweisser und Monteure zugleich standen zeitweise für die Firma auf der Grossbaustelle des Jahrhundertbauwerks im Einsatz.

Der langjährige Patron Hans Erne verkaufte 97 Prozent seiner Aktien an die Glarner Metallbau-Unternehmer Andreas und Melchior Lütschg, wobei auch der ehemalige Preisüberwacher und alt Nationalrat Werner Marti (SP) im Verwaltungsrat Einsitz nahm. Doch auch dieses Trio brachte die Firma, die im Stahlwasserbau in der Schweiz eine führende Stellung innehatte, nicht aus der Schieflage. 36 Jahre nach Gründung in einer Garage war das Ende besiegelt.

H. Erne Metallbau AG geht in Konkurs (30.09.2016)

H. Erne Metallbau AG geht in Konkurs (30.09.2016)

Die Traditionsfirma Erne Metallbau AG hat diese Woche beim Bezirksgericht ihre Bilanz deponiert.

Wer Geld erhält – und wer leer ausgeht

Fast vier Jahre später kommt das Konkursverfahren nun zum Abschluss. Der Kollokationsplan ist rechtskräftig. Er listet die zugelassenen Forderungen in mehreren Klassen auf und weist aus, welche mit der Konkursmasse gestillt werden können.

Recherchen dieser Zeitung zeigen: Die ehemaligen Mitarbeitenden haben sämtliche ihrer ausstehenden Lohnguthaben ausbezahlt erhalten – rund 1,5 Millionen Franken. Sie hatten 2016 die Löhne für September sowie drei folgende Monate nach dem Konkurs zugute, weil diese in der Kündigungsfrist lagen. Dazu kamen Überstunden- und Ferienansprüche. Im Durchschnitt sind das über 20'000 Franken pro Mitarbeiter. «Sämtliche Gläubigerforderungen der 1. Klasse wurden bereits bezahlt», bestätigt Philipp Possa, Konkursverwalter der Insolvenzspezialisten Transliq AG.

Schnäppchentag bei Erne

17. Februar 2017: Schnäppchentag bei der konkursiten H. Erne Metallbau AG

Seit Tagen warten Bastler und Hobby-Handwerker auf den heutigen Tag. Die Metallbau-Firma Erne muss wegen Konkurs die ganze Einrichtung liquidieren.

260 Gläubiger forderten 15,5 Millionen Franken

Der Kollokationsplan weist für die 1. Klasse Forderungen von 1,68 Mio. Franken aus. Nebst Löhnen sind das auch Forderungen von Unfallversicherungen. Die Forderungen der 2. Klasse über rund 210'000 Franken können nur zu einem kleinen Teil erfüllt werden. Hierbei handelt es sich um Ansprüche der Sozialversicherungen und Arbeitgeberbeiträge. Die Gläubiger der 3. Klasse gehen leer aus. Dies betrifft alle weiteren Forderungen von Lieferanten, Transporteuren oder Personalvermittlern in Höhe von 9,9 Mio. Franken.

Insgesamt hatten 260 Gläubiger Forderungen in Höhe von 15,5 Millionen Franken angemeldet. Die Transliq liess nach der Prüfung 11,7 Millionen Franken für das Konkursverfahren zu. Gegen den Kollokationsplan erhob kein Gläubiger eine Klage. Auch gegen das Inventar ging keine Beschwerde ein.
Andreas und Melchior Lütschg, die Mehrheitseigentümer der H. Erne Metallbau AG, wollten nach dem Konkurs eine Auffanggesellschaft gründen, um den Betrieb mit zirka 20 Mitarbeitern weiter zu führen. Dazu wollten die Glarner Unternehmer das Inventar übernehmen.

Inventar H. Erne Metallbau AG vor der Liquidation (Ausschnitt):

Land zu Marktpreis verkauft

Die Verhandlungen mit dem Konkursamt scheiterten allerdings wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen. Für dieses Vorhaben hatte Werner Marti die Erne-Liegenschaft wenige Tage vor dem Konkurs für 4,5 Millionen Franken gekauft. Eine mehrere Jahre alte Schätzung gab einen Wert von 6,165 Millionen an. «Wir haben überprüft, ob hier ein Anfechtungstatbestand vorliegt, konnten aber keine Unrechtmässigkeit feststellen», sagt Possa. «Der Verkauf ist zu einem Marktpreis zu Stande gekommen.»

Auch kein Gläubiger wollte das weiterverfolgen. Die Liegenschaft übernahm schliesslich die Karl Vögele Hoch- und Tiefbau AG, ein Traditionsunternehmen aus der Region. Über den genauen Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Sie bestätigten dieser Zeitung aber, dass er unter 4,5 Millionen Franken lag. 

Das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance ging 2018 ans Netz. Für die H. Erne Metallbau AG wurde der Auftrag zum Verhängnis.

Das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance ging 2018 ans Netz. Für die H. Erne Metallbau AG wurde der Auftrag zum Verhängnis.

Vergleich mit Unternehmen aus Österreich

Dagegen hat die Transliq im Rahmen von Anfechtungsansprüchen Rückerstattungen in Höhe von 125'000 Franken in die Konkursmasse erreicht. Dazu wurden Zahlungen der H. Erne Metallbau AG im Vorfeld des Konkurses beleuchtet. Die Transliq hatte Überweisungen des Traditionsunternehmens vor dem Konkurs beleuchtet. «Es kam zu einem Vergleich», sagt Possa. Weitere Details nennt der Konkursverwalter nicht.

Einen Vergleich gab es auch mit Andritz Hydro, dem österreichischen Unternehmen, das den Bau von Nant de Drance abwickelte. Nach dem Erne-Konkurs musste die Firma das Werk auf eigene Kosten vollenden lassen. Beide Parteien einigten sich nach langen Verhandlungen darauf, gegenseitig auf ausstehende Forderungen zu verzichten.

Meistgesehen

Artboard 1