Um 12.50 Uhr war es am Donnerstag vorbei mit der Ruhe im beschaulichen Dorf Gippingen. Und zwar definitiv. Gut eineinhalb Stunden vor dem Start zum Rennen der Profis – dem 52. GP des Kantons Aargau – ertönte erstmals eine Lautsprecherdurchsage mit den Worten: «Liebe Radsportfreunde, freuen wir uns auf einen wunderbaren Tag im Zurzibiet.»

Der Speaker lotste in der Folge die Zuschauer hin zum Zielbereich. Dort, wo vor dem Startschuss des 180 Kilometer langen Rennens alle Fahrer unter dem Jubel der Schaulustigen vorgestellt wurden. Team für Team stellte sich auf dem Podium auf, und jeder Fahrer winkte dem dankbaren Publikum zu.

Silvan Dillier und die Fans

Am meisten Rummel herrschte vor dem Start um Lokalmatador Silvan Dillier. Der amtierende Aargauer Sportler des Jahres fährt für das Team BMC und verpasste vor einem Jahr den Sieg nur ganz knapp. Jeder und jede schien noch schnell ein Selfie mit dem sympathischen 24-jährigen Newcomer machen zu wollen.

Hier ein Radio-Interview, dort noch rasch ein Foto mit einem Fan – es dauerte, bis Dillier endlich seine Unterschrift auf die Teilnehmerliste setzen konnte. Der Name eines anderen Schweizers war ebenfalls in aller Munde. Allerdings glänzte dieser nur durch Abwesenheit: Fabian Cancellara. Der Berner sagte den Start in Gippingen wegen Halsschmerzen ab.

Alexander Kristoff gewinnt den GP Gippingen

Hier holt sich Alexander Kristoff den Sieg

Im Jahr 2012 verlegten die Verantwortlichen das Datum des Rennens vom Wochenende auf den Donnerstag vor. Ein cleverer Schachzug. Seither nutzen es viele Teams als ideale Vorbereitung auf die zwei Tage später beginnende Tour de Suisse. Und sorgen damit jeweils für ein prominentes Feld.

«So haben wir vermutlich unser Profirennen gerettet», mutmasste OK-Chef René Huber im Vorfeld. Alle scheinen den Terminwechsel indes immer noch nicht verdaut zu haben. «Das mit dem Donnerstag ist ein Blödsinn», meinte ein älterer Zuschauer trocken und nahm einen weiteren Schluck Bier.

Neben dem Zielbereich durchstöberten Hobby-«Gümmeler» drei Plastikboxen mit verbilligten Hosen und Shirts. «Hey, zehn Stutz für ein Leibchen. Nicht schlecht!», freute sich einer und kaufte gleich drei Stück. Zufrieden waren dann alle: Verkäufer und Kunde.

Weiteres Programm

Das Profirennen war nur der Prolog zu den Gippinger Radsporttagen. Von heute bis und mit Sonntag ist auf und neben der Strecke noch einiges los, sportlich wie gesellschaftlich und für jedes Alter.

Mit dem Profirennen vom Donnerstag sind die Gippinger Radsporttage noch lange nicht zu Ende. Folgende Leckerbissen warten bis Sonntag auf die Radsportfreunde:

Freitag: Ab 19 Uhr Abendunterhaltung mit DJ Moosli und verschiedenen Show-Acts. Eintritt frei.

Samstag: Um 9 Uhr öffnet die Festwirtschaft. Militärradrennen (Start 9 Uhr), Promirennen (12.10 Uhr), Axpo Rhein-Classics (13.05 Uhr), Prolog Frauenrennen (15.50 Uhr), Abendunterhaltung (19 Uhr, Eintritt frei).

Sonntag: Um 10 Uhr öffnet die Festwirtschaft. Grosser Familientag (10 bis 16 Uhr), GP der Frauen (12.15 Uhr), Granfondo Zurzibiet für Sehbehinderte (12.45 Uhr).