Böttstein

«Ihr war jedes Mittel recht»: Ehemalige Schloss-Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen Besitzerin

Ehemalige Mitarbeiter der Besitzerin von Schloss Böttstein gehen rechtlich gegen sie vor.

Dominik Gebhard schüttelt ungläubig den Kopf: «Wie war es möglich, dass es so lange dauerte, bis dieser Schwindel auffiel?» Gebhard war bis letzten Herbst als Küchenchef im Schloss Böttstein tätig. Als er mehrere Monatslöhne und Überstunden nicht ausbezahlt bekam, kündigte er die Stelle. Daraufhin leitete er eine Betreibung gegen die Besitzerin ein. So wie ihm ging es den meisten Angestellten. Mehr als ein Dutzend ehemalige Arbeitnehmer des Schlosses warten seit Monaten auf ihr Geld. Zu ihnen zählt auch Susan Locorotondo. Die frühere Direktionsassistentin zog ihre Chefin bis vors Arbeitsgericht – und bekam Recht. Geld habe sie aber bis heute keines erhalten, sagt sie.

Ein anderer Mitarbeiter, der sich ebenfalls im juristischen Streit mit Pearl Anthony Lauper befindet und daher nicht namentlich genannt werden möchte, unterstellt ihr betrügerische Machenschaften. «Ihr war jedes Mittel recht. Sie hat sogar Lernende und Putzpersonal um ihr Geld gebracht.» Dominik Gebhard bestätigt diesen Vorwurf. «Sie hat Beträge wissentlich falsch überwiesen. Das hatte System», sagt er. Mit den Tageseinnahmen habe sich die Schlossbesitzerin beispielsweise auf Shoppingtouren begeben, sagt Gebhard. Lauper sei in einen Kaufrausch geraten und habe alles, was ihr vor die Augen gekommen sei, zusammengekauft. Dazu gehörten teure Uhren und vorzugsweise Antiquitäten, die sich im Schloss dann stapelten.

Hier geht es zum Innenhof.

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Ausufernde Shoppingtouren

Auch Susan Locorotondo ist es schleierhaft, wie lange die Machenschaften ihrer ehemaligen Chefin, wie sie es nennt, unentdeckt geblieben sind. «Die zuständigen Stellen hätten längst hellhörig werden müssen», sagt die frühere Direktionsassistentin. Sie verweist auf einen mehrseitigen Betreibungsauszug des Betreibungsamtes in Kilchberg ZH, dem offiziellen Wohnsitz von Lauper, in dem Forderungen von mehreren hunderttausend Franken geltend gemacht wurden. Zu den Geprellten zählten unter anderem Gemeinden, Lieferanten und ehemalige Mitarbeiter.

Spätestens nach einer Einkaufstour letzten Herbst hätten die Behörden hellhörig werden sollen, meint Dominik Gebhard. Pearl Anthony Lauper kaufte damals Inventar des Parkhotels in Weggis LU am Vierwaldstättersee. Bei der Liquidation des Fünf-Sterne-Hauses in der Innerschweiz wurde das gesamte Interieur des Luxushotels verkauft, unter anderem die Einrichtung von 42 Hotelzimmern, inklusive Mini-Kühlschränke, Lavabos, Duschen und komplette Betten. Lauper war vor Ort und kaufte zahlreiche Gegenstände im Wert von 39 000 Franken zusammen, wie mehrere Personen übereinstimmend bestätigen. Später parkierte sie das Material auf dem Areal des Schloss Böttsteins.

Dominik Gebhard und Susan Locorotondo wollen nun schnellstmöglich, einen Schlussstrich unter das betrübliche Kapitel ziehen. Sie hoffen, dass die Schlossherrin ihren finanziellen Pflichten jetzt endlich nachkommt. Pearl Anthony Lauper zeigt sich ihrerseits von den Forderungen scheinbar unbeeindruckt: Dem Vernehmen nach soll sie vor kurzem in Belgien in einem Hotel erneut Inventar erworben haben. Lauper war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar.

Angestellte leiden bis heute

Gebhard und Locorotondo haben inzwischen eine neue berufliche Herausforderung gefunden. Er in Wien als Geschäftsführer eines Lokals, sie als Inhaberin eines Restaurants mit Lounge in Menziken. Anderen ehemaligen Mitarbeitern der Böttstein-Besitzerin gehe es weniger gut, wie es heisst. Sie müssten um ihre Existenz kämpfen und befänden sich psychisch in einem schlechten Zustand, sagt der frühere Angestellte.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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