Das Atomkraftwerk Beznau 1 ist laut dem «World Nuclear Industry Report» in die Kategorie «Langzeit-Stillstand» eingestuft worden. Das teilt die atomkritische Schweizerische Energie Stiftung (SES) mit und fügt an: «Stünde Beznau in Frankreich, wäre die Betriebsbewilligung inzwischen aufgehoben.» Dort gelte ein Gesetz, das besagt, dass einem AKW nach zwei Jahren Betriebsstillstand die Bewilligung entzogen wird. Eine ähnliche Regelung mache laut SES auch für die Schweiz Sinn: «Durch den langen Stillstand können weitere Komponenten des AKWs Standschäden erleiden oder alterungsbedingt ausfallen», schreibt die Stiftung.

Beznau 1 wurde 1969 in Betrieb genommen und ist das dienstälteste AKW der Welt - seit über zwei Jahren ist es jedoch nicht mehr am Netz. 2015 wurden bei einer Kontrolle über 925 Materialfehler im Reaktordruckbehälter entdeckt. Seitdem prüft die Atomaufsichtsbehörde Ensi die Unterlagen der Betreiberin Axpo, dabei geht es unter anderem darum, ob die Schäden durch den Betrieb oder bei der Herstellung des Behälters entstanden sind.

Obwohl der Termin für die Wiederinbetriebnahme wiederholt verschoben werden musste, geht die Axpo weiterhin davon aus, dass Beznau dereinst wieder Strom produzieren wird. «Trotz des gegenwärtigen Stillstands von Block 1 sind wir überzeugt, dass keine sicherheitstechnischen Vorbehalte bezüglich des Weiterbetriebs der Anlage bestehen. Wir sind zuversichtlich, dass diese Erkenntnisse von der Aufsichtsbehörde bestätigt werden,» sagt Antonio Sommavilla, Mediensprecher des Energiekonzerns. Zur Kategorisierung Beznaus durch die SES äussert sich Sommavilla nicht. Er hält aber fest, dass Axpo die Anlage, solange sie sicher und wirtschaftlich ist, weiterbetreiben werde.

Untersuchungen am AKW Beznau dauern länger als geplant

Untersuchungen am AKW Beznau dauern länger als geplant

Böttstein - 3.5.16 - Untersuchungen zeigen, dass der Reaktorbehälter 1 des AKW Beznau Unregelmässigkeiten im Material aufweist. Der Betreiber Axpo muss nun nachweisen, dass der Reaktor trotzdem den sicherheitstechnischen Standards entspricht. Diese Untersuchung dauert länger als geplant. Bis mindestens Ende Jahr ist das AKW stillgelegt. Greenpeace fordert, das älteste Kernkraftwerk der Welt zu schliessen. Der Entschied liegt bei der Aufsichtsbehörde Ensi.

Auch Sebastian Hueber, Mediensprecher der Atomaufsichtsbehörde Ensi, möchte nicht näher darauf eingehen: «Hier gilt die Schweizerische Gesetzgebung.» In Frankreich wäre Beznau 1 schon lange ohne Bewilligung - in der Schweiz wird spekuliert, ob es jemals wieder ans Netz geht. Wie steht es um die Zukunft des AKW? «Die Prüfungsarbeiten sind immer noch im Gange, seitens des Ensi und der Axpo», so Hueber. Wann die Arbeiten abgeschlossen seien, könne er noch nicht sagen.