Man könnte versucht sein, im GP des Kantons Aargau ein Relikt aus einer vergangenen Zeit zu sehen. Aus einer Zeit, in der im Sommerhalbjahr praktisch jedes Wochenende irgendwo in der Schweiz ein Radrennen mit hochklassiger Beteiligung ausgetragen wurde – bevor in den vergangenen 20 Jahren viele Rennen aus dem Veranstaltungskalender verschwanden. Weil die Sponsoren fehlten. Oder die freiwilligen Helfer. Oder beide.

Doch der GP, der seit 1964 im Dörfchen Gippingen unweit von Aare und Rhein stattfindet, ist kein Relikt. Vielmehr hat sich der Anlass, welches das Flaggschiff eines viertägigen Sport- und Volksfestes in der Region ist, als bedeutendstes Eintagesrennen im Schweizer Radsport etabliert. Dass die Veranstaltung, die in den Anfangsjahren stark vom langjährigen Tour-de-Suisse-Direktor Sepp Voegeli geprägt wurde, in einem ländlichen Wirtschaftsraum zu Hause ist, trägt wesentlich dazu bei, gilt sie doch als Leuchtturm einer ganzen Region. «Alle Helfer engagieren sich ehrenamtlich, und wir können auf zahlreiche langjährige Sponsoren zählen», sagt OK-Präsident René Huber.

Dass es Gippingen immer wieder gelingt, bekannte Fahrer im Profirennen am Start zu haben, ist dennoch alles andere als selbstverständlich. Im Zug der Globalisierung des Radsports und der internationalen Konkurrenz im Kalender ist es in den letzten Jahren schwieriger geworden, die besten Teams und Fahrer in den Aargau zu locken. In der Folge wurde der GP im Jahr 2011 vom internationalen Radsport-Verband UCI von der zweit- in die dritthöchste Rennkategorie zurückgestuft.

Anlehnung an die Tour de Suisse

Die Gippinger Organisatoren reagierten mit einem cleveren Schachzug. 2012 wurde das Austragungsdatum des Grand Prix auf den Donnerstag vor der Tour de Suisse verlegt. Mit Erfolg: Die Qualität des Teilnehmerfeldes konnte wieder deutlich gesteigert werden, weil zahlreiche Fahrer die Startgelegenheit ohne grossen zusätzlichen Reiseaufwand nutzten. «Mit diesem Wechsel haben wir vermutlich unser Profirennen gerettet», sagt René Huber. Inzwischen führt die UCI den GP des Kantons Aargau wieder in der Klasse «Hors Catégorie», als einziges Schweizer Rennen neben dem GP von Lugano. Der einstige Klassiker Züri-Metzgete hingegen – bereits seit 2006 kein Profirennen mehr – findet heuer nicht einmal mehr statt.

Dass in den letzten drei Jahren mit Fabian Cancellara der mit Abstand bekannteste Schweizer Radprofi in Gippingen antrat, war zudem beste Werbung für das Rennen. «Cancellara hat den GP als Vorbereitung für den Tour-de-Suisse-Prolog bestritten», sagt der frühere Gippingen- und Flandernrundfahrt-Sieger Steffen Wesemann, der heute dem OK in beratender und repräsentativer Funktion zur Seite steht. «Das hat sich auch in anderen Teams herumgesprochen.»

Fan-Ansturm wegen Cancellara in Gippingen

2014: Fan-Ansturm wegen Cancellara in Gippingen

Cancellara ist krank

Morgen startet Cancellara in Gippingen nicht. Der Berner musste seine Teilnahme bei der 52. Austragung des Grand Prix wegen Halsschmerzen kurzfristig absagen. Ob Cancellara, der eben von einer schweren Wirbelverletzung zurückgekehrt ist, ab Samstag bei der Tour de Suisse antreten kann, ist noch offen.

Dennoch kann sich das Startfeld erneut sehen lassen. Die beiden Schweizer Siegesanwärter Michael Albasini und Silvan Dillier treffen nicht nur mit dem Norweger Alexander Kristoff auf einen der Dominatoren des Frühjahrs, sondern auch auf prominente Fahrer wie den früheren Tour-de-Suisse-Sieger Fränk Schleck oder Tour-de-Romandie-Sieger Ilnur Sakarin.

Rückblick auf 2014

Die 51. Austragung im letzten Jahr wurde überschattet von einem tragischen Ereignis: Vier Amateur-Rennfahrer stürzten bei einer Abfahrt in Böttstein. Felix Schulz, ein 36-jähriger Zürcher verliert dabei sein Leben. Nach diesem tödlichen – und noch ungeklärten – Drama hat das OK beschlossen, die Königsetappe in «Felix Schultz Memorial Etappe» umzubenennen.

Velofahrer stirbt an Radrennen in Gippingen

2014 stirbt am Radrennen ini Gippingen ein Velofahrer.

Velodrama Gippingen - beschuldigter Fahrer aus U-Haft entlassen

Ein Fahrer, der beschuldigt wurde, den Unfall ausgelöst zu haben, sass fünf Tagen in U-Haft. Das Verfahren der Staatsanwaltschaft ist nach wie vor hängig.