Klingnau
Bauunternehmen Birchmeier investiert 6 Millionen in eigenes Kieswerk – und es werden noch mehr

Der Kiesabbau im Hard/Härdli könnte schon 2020 starten. Nun stehen weitere Details fest.

Philipp Zimmermann
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Das Kies wird bis 2040 auf 19 Hektaren Fläche (rot) abgebaut. Im Richtplan ist die blau umrandete Fläche eingetragen.

Das Kies wird bis 2040 auf 19 Hektaren Fläche (rot) abgebaut. Im Richtplan ist die blau umrandete Fläche eingetragen.

Quelle: Google / Grafik: pat

Markus Birchmeier sprach im Mai 2017 von einem Etappensieg. Der Grosse Rat hatte zugestimmt, das Klingnauer Gebiet Hard/Härdli als Materialabbaugebiet im Richtplan festzusetzen. Eine Tochterfirma der Birchmeier Gruppe, die Kies + Beton AG Zurzibiet, will dort jahrzehntelang Kies abbauen. Die Klingnauer Ortsbürger sollen als Landeigentümer jährlich im Durchschnitt 0,5 Millionen Franken erhalten.

Bis zum Startschuss sind noch drei Etappen zu bewältigen. Als Nächstes steht nun die Teilrevision des Kulturlandplans in der Klingnauer Bau- und Nutzungsordnung (BNO) an. Das Gebiet muss in eine Materialabbauzone umgezont werden. Bis zum 12. Dezember läuft dazu das Mitwirkungsverfahren. Die Unterlagen liegen öffentlich auf. Die Bevölkerung kann sich mit Anliegen bei der Gemeinde einbringen.

In der Geländekammer Hard-Härdli will die Döttinger Baufirma in Zukunft Kies abbauen. Das Land gehört den Klingnauer Ortsbürgern. Heute wird das Land für die Landwirtschaft genutzt. (Bilder von 2017)
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Das Hard/Härdli liegt etwas erhöht: Von hier sieht man auch das AKW Leibstadt.
Auf mehreren Seiten grenzt das Hard/Härdli an ein Waldstück.
Die Klingnauer Ortsbürger werden profitieren vom Kiesabbau: Sie erhalten 5 Franken pro Kubikmeter Kies, der hier abgebaut wird. Dabei eingerechnet ist auch ein Betrag für das Wiederauffüllen.
Über das Gebiet führt eine Hochspannungsleitung, die vom nahen Wasserkraftwerk Klingnau herkommt.
Ein Grenzstein zeigt es an: An die Hard/Härdli-Parzelle grenzt auf einer Seite an die Nachbargemeinde Koblenz.
Blick auf einen der Hochstammbäume. Sie müssen weichen. Neue werden aber nach Auffüllen der Kiesgrube wieder gepflanzt.

In der Geländekammer Hard-Härdli will die Döttinger Baufirma in Zukunft Kies abbauen. Das Land gehört den Klingnauer Ortsbürgern. Heute wird das Land für die Landwirtschaft genutzt. (Bilder von 2017)

Philipp Zimmermann

Sitz und Steuerpflicht in Klingnau

«Das Ziel ist, dass die Einwohnergemeindeversammlung vom Juni 2019 über die Teilrevision entscheiden kann», sagte Stadtammann Reinhard Scherrer an der Infoveranstaltung vom Mittwoch. Nach der Gmeind soll das Baugesuch öffentlich aufgelegt werden. Als letzte Etappe folgt die Betriebsbewilligung. Im schnellsten Fall könnte das schon 2020 der Fall sein. «Bei Abbaubeginn wird die Kies + Beton AG Zurzibiet den Sitz nach Klingnau verlegen und hier Steuern zahlen», sicherte Birchmeier zu.

«Wir haben schon jetzt sechs Millionen in das Kieswerk und die Transportflotte investiert», sagt der Unternehmer. «Allein für die Planung mit Materialgutachten und Planung sind es 950'000 Franken.» 100'000 Kubikmeter Kies will Birchmeier jährlich abbauen. Im semimobilen Kieswerk in Döttingen verarbeitet die Tochterfirma schon jetzt diese Menge, knapp 90 Prozent davon für den Eigenbedarf. Die eigenen Rohstoffe schliessen die Wertschöpfungskette. «Das sichert unsere unternehmerische Unabhängigkeit», sagt Birchmeier. Ob und wie viel der Grosskonzern Holcim Lafarge in Zukunft in Böttstein Kies abbauen wird, kümmert Birchmeier deshalb nicht. «Wir haben den Hauptteil des Marktes in der Region übernommen.» Zuvor war Birchmeier Kunde bei der Holcim.

Im Klingnauer Kieswerk will die Kies + Beton AG Zurzibiet 20 bis 25 Mitarbeiter beschäftigen. Das ist ein Grund, wieso Scherrer überzeugt ist, dass mit dem Kiesabbau «das Untere Aaretal gestärkt wird». Die Zufahrt zum Hard/Härdli erfolgt via Kantonsstrasse und Abzweigung Zelgli. 12'000 Fahrzeuge verkehren hier täglich. Bei Vollbetrieb des Kieswerks werden bis zu 190 Lastwagendurchfahrten dazukommen. Entsprechend dürfte ein Ausbau des Verkehrsknotens nicht nötig sein.

Birchmeier wird auch die Kosten für die Erschliessung von Werkleitungen und der Hardstrasse übernehmen. Das Fahrverbot für Nichtzubringer bleibt bestehen, wie Stadtammann Scherrer auf die Frage eines Koblenzer Bürgers ausführte. Denn bei Stau vor dem Grenzübergang Koblenz ist die Hardstrasse als Schleichweg, der danach durch Koblenz führt, beliebt.

Alle Landwirte, die wegen des Kiesabbaus weniger Fruchtfolgeflächen im Hard/Härdli bewirtschaften können, erhalten als Ausgleich andere Landwirtschaftsflächen für die entsprechende Zeit, sagte Birchmeier. Weil die Hochstammbäume im Härdli weichen müssen, werden neue an anderer Stelle gepflanzt. Doris Hüsli vom Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie sagte an der Infoveranstaltung, dass die Artenvielfalt mit im Durchschnitt 1000 Arten in einem Kiesabbaugebiet deutlich höher sei als auf Anbaugebieten von intensiver Landwirtschaft mit 200 Arten. Aus eigener Erfahrung von einer Deponie in Tegerfelden sagte sie, dass "die Birchmeier Gruppe Fördermassnahmen für die Natur vorbildlich umsetzt".