Klingnau
Das Beizensterben im Städtli geht weiter: «Uns fehlten die Gäste immer mehr»

Mit dem «Rebstock» und dem «Rosengarten» schliessen gleich zwei Restaurants im Ort. Während der «Rebstock» nach der Fasnacht schloss, im «Rosengarten» gehen im Mai die Türen zu.

Samuel Knecht
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Mit dem «Rebstock» und dem «Rosengarten» schliessen gleich zwei Restaurants im Ort.
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Ist bereits seit Anfang März geschlossen das Gasthaus «Rebstock» in Klingnau.
Erika Eggspühler, Wirtin im «Rosengarten»: «Das Restaurant rentiert nicht mehr.»
Ende Mai ist Schluss das Restaurant «Rosengarten» in Klingnau.
Danielle Arteaga, Wirtin im «Rebstock»: «Ich kann mir vorstellen, künftig Kochunterricht zu geben.»

Mit dem «Rebstock» und dem «Rosengarten» schliessen gleich zwei Restaurants im Ort.

Samuel Knecht

Gleich zwei Restaurants in Klingnau schliessen oder haben schon geschlossen. Zum einen hatte der «Rebstock» in der Schattengasse an der Fasnacht zum letzten Mal Gäste – und dabei volles Haus bei rund hundert Personen, die am Montag Schnitzelbänke genossen.

Zum anderen zieht sich auch Erika Eggspühler, die Wirtin des «Rosengartens» an der Weierstrasse, zurück. Damit geht das Beizensterben in der Altstadt weiter. Bereits vor einigen Jahren verschwanden die «Ecke» und die «Sommerau».

Ihr Rückzug aus dem «Rebstock» habe hauptsächlich zwei Gründe, sagt Pächterin Danielle Arteaga, die den zweijährigen Mietvertrag nicht verlängert: «Es gab einige Unstimmigkeiten mit der Immobilienfirma.» Zum Beispiel seien Reparaturen an Inventar, etwa beschädigte Tische, nicht immer zeitnah durchgeführt worden, bemängelt die 35-jährige Würenlingerin.

Erst vor zwei Jahren hatte sie ihr im zentral gelegenen Lokal in der Altstadt ihr Restaurant mit spanischer Küche eröffnet. Das Team bestand zuletzt aus ihrer Mutter und drei Servicemitarbeitenden. Sie bedienten auch regelmässig Vereine. Im Jahr 2010 wütete ein Grossbrand in der «Rebstock»-Liegenschaft. Nach dem Wiederaufbau befand sich im Lokal erst ein Café, dann eine Pizzeria.

Erfolg bringt Problem

Auch der vorhandene Platz sei mit der Zeit ein Problem gewesen: «Das Team ist in der knapp bemessenen Küche organisatorisch an Grenzen gestossen, sobald mehr als 40 Gäste das Restaurant besuchten.»

Die von Beginn weg wachsende Anzahl der Gäste sei zwar erfreulich gewesen, die Küchenausstattung aber schlicht nicht gemacht für solche Mengen an Gerichten. Trotz Wehmut über das Ende des «Rebstocks» blickt Arteaga auch positiv in die Zukunft: «Die Arbeit in der Gastronomie bereitet mir sehr viel Freude, wir bedienten auch unsere Kundschaft immer sehr gerne.» Dennoch sei sie entschlossen: «Der Entscheid stimmt für mich so. Es gehen wieder neue Türen auf.»

Neue Türen am liebsten auch im Zusammenhang mit Kochen. Zudem könnte sie sich auch vorstellen, ihr Wissen an Lernende weiterzugeben. Sie habe regelmässig und mit viel Freude Köche ausgebildet, sagt Arteaga: «Ich könnte mir vorstellen, künftig mehr mit Jugendlichen zu arbeiten. Beispielsweise Kochen im Rahmen einer Kochschule zu unterrichten. Der Gastronomieszene möchte ich auf alle Fälle treu bleiben.»

Bedenkliche Lage in Klingnau

Auch im Restaurant Rosengarten am südlichen Eingang zur Altstadt zieht man einen Schlussstrich. Im Mai gehen die Türen im Gasthof nach achteinhalb Jahren für immer zu. Wirtin Erika Eggspühler will sich nach zehn Jahren aus der Gastronomie zurückziehen. Die 62-jährige Klingnauerin nennt eine schwierige finanzielle Situation als Grund: «Das Restaurant rentiert einfach nicht mehr.

Die Einnahmen sind seit mehreren Monaten nicht hoch genug, um einigermassen wirtschaften zu können.» Für Eggspühler besteht das Problem darin, dass die Bevölkerung andere Lokalitäten offenbar bevorzugt: «Die Leute orientieren sich eher im weitläufigeren Umkreis, um in Restaurants essen zu gehen. Uns fehlten die Gäste immer mehr.»

Alle Mitarbeiter der zwei Lokale haben eine neue Stelle gefunden. Die Nachfolge ist bei beiden noch offen. Mit dem Ende von «Rebstock» und «Rosengarten» per Ende Mai reduziert sich das kulinarische Angebot im Städtchen erheblich. Weiterhin in Betrieb sind die die Restaurants Romantica (Warteck) und Picone, die Elefanten Music Bar und der Pizza-Kurier «Very Good». Etwas ausserhalb, an der Dorfstrasse 7, liegt zudem der «Engel».

Impressionen aus Klingnau:

Das Städtchen Klingnau: Die roten Teppiche wurden von den Läden und Restaurants nach der Jahrhundert-Sanierung des Städtchens ausgelegt. (2017)
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Schloss Klingnau: Hier wohnte einst der Gründer der Stadt Ulrich von Klingen. Klingnau wurde 1239 auf einem Schotterhügel gegründet.
Der Innenhof von Schloss Klingnau.
Blick auf die Stadtkirche im Städtchen, dem Zentrum von Klingnau.
Klingnau ist die unterste Stadt an der Aare, wenige Kilometer weiter flussabwärts, in der Nachbargemeinde Koblenz, fliesst die Aare in den Rhein.
Prächtiges Herbstwetter in Klingnau: Blick vom Rebberg auf das Städtchen. In der Gemeinde wohnen 3500 Personen. (Stand: März 2019)
Schloss Klingnau aus anderer Perspektive. Der Baum links musste mittlerweile gefällt werden.
Der Innenhof von Schloss Klingnau: Im Rittersaal feiern regelmässig unterschiedlichste Gesellschaften. Hier traf man sich zum Jassturnier am AZ-Jasskönig 2017.
Im Dezember findet jeweils der Chlausmarkt statt.
Klingnau in Weiss gehüllt - Blick vom Rebberg.
An der Fasnacht kommt es im Städtchen jeweils zu einer Treibjagd zwischen Räbehegeln "Brieggerli" und "Lächerli" und Kindern.
Die Schüler bewerfen beim alten Fasnachtsbrauch die beiden Maskierten mit der Geissel mit Runkeln und Kabisstorzen.
Hundete Zuschauer zieht der um
Die mächtige Propstei in Klingnau, hier befinden sich auch Gemeindekanzlei und Büros der Gemeinderäte.
Zu Klingnau gehört das Naturschutz-Paradies "Klingnauer Stausee": Es ist gerade bei Vogelkundlern (Ornithologen) bekannt und beliebt.
Entstanden ist der Stausee durch den Bau des Wasserkraftwerks Klingnau von 1931 bis 1935.
Schlichtweg schön: Ein Sonnenuntergang am Klingnauer Stausee.
Ein Geheimtipp: Die Aussicht vom Klingnauer Aussichtspunkt Hönger.
Aus der Vogelperspektive: Blick auf den Klingnauer Stausee mit Döttingen (links) und Klingnau (rechts) vor dem Klingnauer Stausee.
Im Sommer 2018 war der Donnschtig-Jass zu Gast im Städtchen.
"Donnschtig-Jass" in Klingnau: Beni Thurnheer am "Hau den Lukas", beobachtet von Roman Kilchsperger als Abba-Sänger.
"Donnschtig-Jass" in Klingnau: Rund 3000 Besucher sorgten für eine tolle Atmosphäre.
Das Schulhaus Schützenmatt: In Klingnau befinden sich Primarschule sowie sämtliche Oberstufenzüge von Real, Sek und Bez.
Das Schwimmbad in Klingnau: Es hat viel Platz und geniesst einen guten Ruf.
Für Schlagzeilen sorgte im Sommer 2012 der Goldfund von Klingnau. Diese 10 Goldbarren (2,6 Kilogramm) fanden zwei Gemeindearbeiter eines Morgens.
An diesem Fussweg, zwischen Bahnlinie und Umfahrungsstrasse, lagen die 10 Goldbarren hinter dem Strauch, der sich zwischen Kandelaber und Mauer befindet.
Die Goldbarren lagen in einem Plastiksack, der in dieser Kuhle an der Mauer zur Umfahrungsstrasse lag. (Bild von 2017)
Fünf Jahre nach dem Fund hatte sich niemand gemeldet, dem alle oder ein Teil der Goldbarren rechtmässig gehört. Sie gingen deshalb in das Eigentum der Gemeinde über. Ihr Wert lag bei rund 100'000 Franken. Die Gemeindemitarbeiter erhielten einen Finderlohn von je 5 Prozent.
Schon 1905 gab es in Klingnau einen grossen Goldfund: Holzhauer fanden am 3. Februar 1905 im Äppelöö einen Goldschatz mit 829 Goldmünzen aus dem 16./17. Jahrhundert.
Dieser Gedenkstein im Klingnauer Wald erinnert an den Goldfund vom 3. Februar 1905
Die zwei grossen Goldfunde von Klingnau auf der Karte: 2012 fanden zwei Gemeindearbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren, 1905 hatten Holzhauer im Wald 829 Goldmünzen ausgegraben.
Der untere Brunnen und die Klingnauer Stadtkirche.
Die Stadtmusik Klingnau unter der Leitung von Pascal Maillard bei einem Auftritt in der Stadtkirche.
Die Stadtmusik Klingnau, hier in der katholischen Kirche, ist für ihr musikalisches Können bekannt.
Zum Abschluss: Sonnenuntergang in Klingnau, in Schwarz die Silhouette des Städtchens.

Das Städtchen Klingnau: Die roten Teppiche wurden von den Läden und Restaurants nach der Jahrhundert-Sanierung des Städtchens ausgelegt. (2017)

Philipp Zimmermann

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