Leuggern
Zurzacher Dekan Stefan Essig: «Der Name Franziskus lässt hoffen»

Der Zurzacher Dekan Stefan Essig spricht von neuem Wind, den der Papst bringen kann. Der schlichte Auftritt Franziskus' ohne Prunk habe ihn beeindruckt. Der Einfluss des Papstes auf die tägliche Arbeit in der Pfarrei Leuggern sei aber gering.

Pirmin Kramer
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Stefan Essig: «Papst kann unmöglich alle Erwartungen erfüllen.»AZ-Archiv

Stefan Essig: «Papst kann unmöglich alle Erwartungen erfüllen.»AZ-Archiv

«Warum schon wieder ein älterer Mann?» Das sei sein erster Gedanke gewesen, als er von der Wahl des 76-jährigen Argentiniers Jorge Mario Bergoglio zum Papst erfahren habe, erzählt der Zurzacher Dekan und Leuggemer Pfarrer Stefan Essig.

«Als ich im Internet dann aber seinen ersten Auftritt sah, dachte ich: ‹Hut ab!›»

Der schlichte Auftritt Franziskus' ohne Prunk habe ihn beeindruckt. Eindruck hätten auch die einfachen und klaren Worte hinterlassen, mit denen der Papst zum Volk auf dem Petersplatz sprach.

«Dass er sich vor den Leuten verneigte und sie bat, für ihn zu beten, fand ich ganz stark. Franziskus ist ein Papst mit Charisma», sagt Essig.

«Papst wird prompt zum Thema»

Er habe die Papstwahl nicht live mitverfolgt, weil er an der Generalversammlung des Frauenbundes Leuggern teilgenommen habe, der das 100-jährige Jubiläum feierte.

«Dank SMS und E-Mail bin ich aber auf dem Laufenden gehalten worden, und ich habe mich gefreut, dass für einmal kein Europäer auf den Heiligen Stuhl gewählt wurde.» In erster Linie sei die Herkunft zwar nicht entscheidend, aber den Südamerikanern sei es sehr zu gönnen – auf diesem Kontinent lebten sehr viele Katholiken.

Auf die tägliche Arbeit in der Pfarrei Leuggern sei der Einfluss des Papstes zwar gering, sagt Essig.

«Aber wenn es in der Vergangenheit Diskussionen gab über einen Entscheid aus Rom, den die Leute hier nicht nachvollziehen konnten, dann wurde der Papst jeweils prompt zu einem Thema.» Dass es hierzulande zu wenig kirchliches Personal gebe, werde häufig dem Papst zur Last gelegt.

Es habe mehrere Päpste gegeben, die ihn beeindruckt hätten, erzählt Essig. Er könne sich zwar nicht an ihn erinnern, aber prägend sei sicher Johannes XXIII. gewesen, unter dem das Zweite Vatikanische Konzil einberufen wurde.

«Miterlebt habe ich Johannes Paul II., der eine Öffnung gebracht hat und auch politisch engagiert war, er soll massgeblich am Fall des Eisernen Vorhangs beteiligt gewesen sein.»

«Keine schnellen Lösungen»

Dass der Papst den Namen Franziskus gewählt habe, lasse ihn hoffen, sagt Essig. «Franz von Assisi lebte sehr bescheiden, setzte sich für die Armen ein und brachte neuen Wind in die Kirche – ich hoffe, dass dies nun erneut passieren wird».

Er glaube zwar nicht, dass es während des Pontifikats Franziskus’ neue Antworten auf die hierzulande brennenden Fragen geben werde; die katholische Kirche werde die Meinung zu Zölibat und Frauenpriestertum nicht so schnell ändern, auch seien keine schnellen Lösungen für den Priestermangel zu erwarten.

Die Kirche könnte aber einen neuen Weg gehen, in dem sie das soziale Engagement verstärkt, sich um die Ärmsten kümmert und sich den Benachteiligten annimmt.

Franziskus werde zwar unmöglich alle Erwartungen erfüllen können, die an ihn herangetragen werden, sagt Essig. «Mit seinem Charisma wird er wohl dennoch viel erreichen können.»

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