Zuvor war es am Abend nach einem Protestmarsch zu Zusammenstössen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die regierungskritischen Proteste aufzulösen. Aktivisten warfen Molotow-Cocktails und Steine, andere zerstörten Strassenlaternen, die mit Überwachungskameras ausgestattet waren. Strassenbarrieren wurden mit Bambusstäben errichtet. Zudem schlugen beide Seiten mit Baseballschlägern und Schlagstöcken aufeinander ein. Auch für Sonntag werden weitere Demonstrationen erwartet.

Gut zweieinhalb Monate dauern die Proteste nun schon an. Auslöser der Demonstrationen war ein - inzwischen auf Eis gelegter - Gesetzentwurf der Regierung zur Auslieferung mutmasslicher Krimineller an China.

Am Samstag teilte Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam auf Facebook mit, sie habe sich mit einer "Gruppe von Menschen" getroffen, um zu besprechen, wie man einen Dialog einleiten könne. An dem Treffen nahmen 19 Top-Wirtschaftsführer und Politiker teil, wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" unter Berufung auf mehrere Quellen berichtete.

Mehr als die Hälfte der Anwesenden soll Lam demnach dazu geraten haben, mehr Kompromissbereitschaft gegenüber den Demonstranten zu zeigen. So hätten sie Lam dazu aufgerufen, eine unabhängige Untersuchung über Polizeigewalt bei den Protesten einzuleiten und das Auslieferungsgesetz auch formell zurückziehen. Beides sind Kernforderungen der Protestbewegung.

Die Millionenmetropole gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China. Als Sonderverwaltungszone sind Hongkong noch bis 2047 umfangreiche Sonderrechte garantiert. Um die fürchten nun aber viele Bewohner. An der Grenze zu Hongkong wurden chinesische Sicherheitskräfte zusammengezogen.