Kolumbien

Abschied von 88'000 Fahrern und 2 Millionen Kunden – Uber wird von Kolumbiens gelbem Kartell des Landes verwiesen

In Kolumbiens Strassen tobte ein Krieg zwischen Taxi- und Uberfahrern. Der ist jetzt vorbei. (Bild: Pixabay)

In Kolumbiens Strassen tobte ein Krieg zwischen Taxi- und Uberfahrern. Der ist jetzt vorbei. (Bild: Pixabay)

Der Fahrerdienst Uber darf in Kolumbien nicht länger agieren. 88'000 Fahrer verlieren ihren Job – und der Taxi-Chef seine Fassung.

«Das war eine 5-Sterne-Fahrt. Ihr werdet uns fehlen.» So verabschiedete sich der Fahrerdienst Uber am Wochenende von Kolumbien, seinen 88 000 Fahrern und über zwei Millionen Kunden. Kurz vor Jahresende hatte die kolumbianische Industrie- und Handelsaufsicht eine Klage der Taxi-Firma Cotech gutgeheissen und Uber wegen unlauteren Wettbewerbs weitere Aktivitäten untersagt. Der amerikanische Fahrdienstvermittler wehrte sich mit allen verfügbaren Mitteln gegen diesen «willkürlichen Entscheid» – ohne Erfolg.

Um die Willkür zu finden, muss man nicht lange suchen. Alle anderen Fahrdienst-Anbieter sind weiterhin zugelassen. Zumindest vorübergehend. Nach dem juristisch erwirkten Landesverweis des Erzfeindes hat Cotech damit gedroht, auch die anderen Mitstreiter ins Visier zu nehmen. Der Firma gehört mit Taxis Libres das grösste Taxi-Unternehmen Kolumbiens. Und das «gelbe Kartell» duldet keine Konkurrenz.

Die Rechnung könnte theoretisch aufgehen, wäre da nicht der miserable Ruf, der den kolumbianischen Taxifahrern vorauseilt: schlechter Service, unfreundliche, aggressive, rücksichtslose Fahrer, die ihre Kunden auch schon mal weit weg vom eigentlichen Ziel am Strassenrand stehen lassen, weil sie nicht im Stau stehen wollen. Eben erst wurde ein Taxifahrer in Cartagena richtiggehend gefeiert, weil er ein liegengelassenes Handy nicht einfach als Trinkgeld verbuchte, sondern via Social Media versuchte, den Besitzer ausfindig zu machen. Estefanía Hernández, die Geschäftsführerin von Taxis Libres, weiss um das schlechte Image. Sie zeigt sich aber zuversichtlich: «Der Abgang von Uber ist eine Chance, fortan einen exzellenten Service zu bieten.»

Taxichef löst mit Porno- Aufruf Empörungssturm aus

Bevor sie das reinen Gewissens sagen durfte, musste sie sich aber erst der Akte Freddy Contreras entledigen. Contreras, selbsternannter Anführer der Taxifahrer, war derart euphorisiert über das Uber-Aus, dass er den künftig arbeitslosen Uber-Fahrerinnen über Facebook völlig fehlplatzierte Tipps mit auf den Weg gab. Diese Frauen hätten ja jetzt wieder genug Zeit, «den Abwasch zu machen, die Wäsche zu bügeln oder zu kochen. Es gibt genug zu tun.» Und sollte das nicht ausreichen, «hätten wir sonst auch noch eine Internetseite, die sich Uber Porno nennt. Deine Mutter, deine Schwester, deine Cousine – für jeden hat es Arbeit.» Der Shitstorm erreichte schnell Orkanstärke, Contreras versuchte noch, sich herauszuwinden und gab die Schuld dem Teufel, der ihm diese Worte ans Herz gelegt haben soll.

Taxi fährt Contreras nicht mehr. Auch nicht bei einem anderen Unternehmen. Dafür hat seine Chefin gesorgt. Wahrscheinlich wäre er jetzt sogar froh, hätte Uber das Land nicht verlassen.

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