Kommentar

Angst vor einer zweiten Corona-Welle: Die Zeichen aus Asien sind eine Warnung für Europa

Vor ihnen haben die Chinesen Angst: Rückkehrer und Reisende, die das Virus ins abgeschottete Land bringen könnten. (Bild: Keystone)

Vor ihnen haben die Chinesen Angst: Rückkehrer und Reisende, die das Virus ins abgeschottete Land bringen könnten. (Bild: Keystone)

Während Chinas Regierung mit dem Finger auf die «ausländische Bedrohung» zeigt, dürfen wir nicht zu früh auf Corona-Hafturlaub hoffen.

Während wir in Europa noch immer mit der ersten Phase der Coronakrise kämpfen, bereitet sich Asien auf die zweite Pandiemiewelle vor. Länder wie China, Südkorea oder Singapur, die das Virus einigermassen in den Griff bekommen haben, verschärften die Einreisebestimmungen in den vergangenen Tagen massiv. Sie fürchten, dass Rückkehrer und Reisende aus dem Westen das Virus erneut einschleppen könnten.

Insbesondere die chinesische Regierung deckt ihre Bürger nonstop mit der Erzählung von der „Gefahr von aussen“ ein. Der Chinakorrespondent dieser Zeitung erzählt, Menschen würden die Strassenseite wechseln, wenn sie einen Europäer erblickten.

Viele chinesische Restaurants lassen Ausländer nicht mehr rein. China nutzt die Situation geschickt, um die Pandemie als ausländisches Problem darzustellen und vom eigenen ursprünglichen Versagen im Kampf gegen Corona abzulenken.

Doch statt sich jetzt über die chinesische Propagandamaschine zu wundern, müssen wir selber der unangenehmen Wahrheit ins Auge schauen: Genau wie bei der Spanischen Grippe vor hundert Jahren wird auch diese Pandemie unseren Kontinent in mehreren Wellen heimsuchen.

Trotzdem müssen die geltenden Einschränkungen irgendwann gelockert, die Schulen geöffnet und die Wirtschaft hochgefahren werden. Die Zahl der Infizierten wird wieder zunehmen, ein neuer Lockdown ist die einzige Antwort.

Wir alle werden nach der ersten Spitze der Pandemie also nur bedingt aus der faktischen Corona-Haft entlassen. Die Hauptgefahr bleibt der verfrühte Optimismus, der mancherorts schon wieder spriesst wie draussen die ersten Frühlingsblumen.

„In zwei Wochen ist alles vorbei“, hört man. Wer das glaubt, verkennt die Gefahr der zweiten Welle. Das beste Mittel, sie zu brechen, ist viel Geduld.

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