«Bereits heute laufen die Vorbereitungen und Planungen für einen Angriff auf Schweden», lautet eine der Schlussfolgerungen im Bericht des Verteidigungsausschusses zur militärischen Bedrohung Schwedens. «Ein bewaffneter Angriff kann nicht ausgeschlossen werden», bilanzierte der Bericht, der vier Tage vor Weihnachten an den sozialdemokratischen Verteidigungsminister übergeben wurde. Sieben der acht Reichstagsparteien teilen die Einschätzung, dass es gegen das Land eine erhöhte militärische Bedrohung gibt. Die Angst vor Russland sitzt den Schweden aus historischen Gründen in der DNA.

Argwöhnisch beobachten die Schweden das Treiben Russlands in der Ostsee. Die Aussenministerin verpasst keine Gelegenheit, den Bau der Gaspipeline «Nord Stream 2» durch Russland als Gefahr für die Sicherheit des Landes zu brandmarken. Dabei wird konsequent Desinformation betrieben. Nicht Russland baut, sondern die Nord Stream AG. Eine Schweizer AG mit Sitz in Zug ist für den Pipeline-Bau und deren Betrieb verantwortlich. Mit Gerhard Schröder hat diese sogar einen Genossen als Präsidenten des Verwaltungsrats. Neben Gazprom sind zudem deutsche, holländische und französische Energiekonzerne beteiligt, was gerne verschwiegen wird. Dass «Uniper», als Betreiber von mehreren schwedischen Atomreaktoren, auch am Gasfeld Juschno-Russkoje beteiligt ist, braucht man ebenfalls nicht an die grosse Glocke zu hängen. Ist der Feind wegen des globalisierten Energiemarktes schon im Land einmarschiert?

Aufrüsten im «Monty Python»-Modus

Wo die Angst vor einem Angriff ist, liegt auch der Drang nach Aufrüstung nicht weit. Das schwedische Militär ist mit langen Einkaufswunschlisten im internationalen Waffenmarkt unterwegs. Wie am Donnerstag bekannt wurde, sind 18 NH90-Helikopter des französischen Herstellers NH-Industries mit sagenhaften neun Jahren Verspätung endlich angeliefert worden. Doch nur fünf Exemplare des umgerechnet 750-Millionen-Franken-Einkaufs sind voll einsatzfähig. Die restlichen müssen laufend aufgerüstet werden, um die volle Einsatzkraft zu erlangen. Völlig überrascht hat die Luftwaffe festgestellt, dass eine Flugstunde 25'000 Franken kostet, was das Budget für den Betrieb der Helikopter masslos sprengt. Kurzerhand wurden neun für den Truppentransport bestimmte NH90 stillgelegt, und mehrere der brandneuen Fluggeräte sollen umgehend weiterverkauft werden. Die Beschaffung wird als der grösste Flop des schwedischen Militärs beschrieben.

Die Luftwaffe steht mit ihrem Verhalten nicht alleine da. Erst im Oktober wurde bekannt, dass für die Beschaffung von Schäferhunde-Weibchen für ein militärinternes Zuchtprogramm mehr als das Zehnfache des Marktpreises für die Welpen bezahlt wurde. Im Schnitt 26'250 Franken pro Tier. Der überhöhte Preis wurde von den Militärs mit einer lupenreinen Blutlinie gerechtfertigt.

Aufrüsten gegen russische Raketen

Dass in der russischen Exklave Kaliningrad wieder Raketen aufgebaut werden, führte bei den schwedischen Waffensystembeschaffern offenbar zu neuen Begehrlichkeiten. Im vergangenen Herbst wurde verkündet, dass zur Verteidigung Schwedens in den USA für 1,25 Milliarden Franken das Patriot-Luftabwehrsystem gekauft werden soll. Das System ist einer der Bestseller der US-Waffenindustrie. Neben Israel, Bahrain, Saudi-Arabien und Katar ist es in acht weiteren Ländern stationiert. Schweden soll nun das 13. Land werden und will sich mit vier Systemen schützen können. Was schon vor dem weihnachtlichen Bericht zur Bedrohungslage auf den Wunschzettel der Generäle notiert und in den USA formell bestellt wurde, hat diese Woche einen Dämpfer erlitten. Also eine weitere Peinlichkeit rund um die Aufrüstung Schwedens. Denn die 1,25 Milliarden reichen gerade mal für das Patriot-System. Um einen Einsatz gegen die russische Bedrohung sicherzustellen, werden auch Raketen benötigt. Gemäss dem Lieferanten bis zu 300 Stück. Kostenpunkt: zusätzliche 1,9 Milliarden Franken.

Selbst wenn nur die Hälfte der Raketen gekauft würde, kämen die Kosten auf mehr als das Doppelte. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Schweden heute eher vor den Fähigkeiten der eigenen Armee als vor einem militärischen Angriff fürchten.