"Die früher erreichten Fortschritte bei der Beteiligung von Frauen am politischen Leben nehmen ab", sagte IPU-Generalsekretär Martin Chungong. Das vergangene Jahr sei insgesamt enttäuschend gewesen. Die Frauen kommen 2017 auf einen Anteil von 23,4 Prozent in den Parlamenten, 0,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Vor 2016 habe es wesentliche Fortschritte gegeben, mit einer Steigerung um sechs Prozent in zehn Jahren. Seither stagniere der Frauenanteil aber. Chungong sprach von einer grossen Herausforderung für die Regierungsstellen, die Massnahmen erfordere.

Uneinheitliches Bild für Europa

Der Anteil gewählter Frauen in den Parlament blieb 2017 zwar fast unverändert, nicht aber jener der Kandidatinnen. Da gab es mit 27,1 Prozent einen neuen Rekordwert, fast fünf Prozent mehr als 2016 (22,3). Die höchsten Anteile verzeichneten Senegal (41,8) und Norwegen (41,4).

Für Europa fallen die Zahlen unterschiedlich aus. IPU-Generalsekretär Chungong sprach von einem "paradoxen" Jahr. Einerseits hätten in Frankreich die Frauen in der Nationalversammlung einen Anteil von 38,6 Prozent erreicht. Bei der vorherigen Parlamentswahl waren es noch 26,6 Prozent.

Dagegen sei in Island, wo die Frauen mit den Männern fast gleichauf gewesen waren, der Anteil an Parlamentarierinnen auf 38,1 Prozent der Sitze geschrumpft. Die Schweiz bleibt auf dem 35. Rang mit 32,5 Prozent Frauen im Parlament.

Eine wichtige Bedingung für eine bessere Frauenvertretung sei ein Arbeitsumfeld ohne Belästigungen und ohne Sexismus. Solche Missstände hielten viele Frauen vom politischen Leben fern, sagte Chungong. In diesem Zusammenhang begrüsste er die Bemühungen des Schweizer Parlaments. Dort war eine Struktur errichtet worden für unabhängige Beratung von Opfern sexueller Belästigungen.