Spanien

Ausgerechnet hier: Klimagipfel in der Autostadt

Innert kürzester Zeit hat Madrid einen Klimagipfel auf die Beine gestellt

Innert kürzester Zeit hat Madrid einen Klimagipfel auf die Beine gestellt

Heute beginnt in Madrid die UNO-Klimakonferenz. Die spanische Hauptstadt kämpft mit grossen Umweltproblemen.

Grossereignisse wie der jährliche Klimagipfel bringen auch Impulse für die ausrichtende Stadt. Madrid, Spaniens Stau- und Abgasmetropole, kann diesen Anschub in Sachen Klimaschutz gut gebrauchen. Erst recht, seit der neue konservative Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida ankündigte, dass er die bisherigen Fahrverbote für Altfahrzeuge in der Innenstadt lockern will. Und dass er einige der von der linksalternativen Vorgängerregierung gebauten Radwege wieder in Autospuren verwandeln möchte. Spaniens Ökoverbände sprechen von einem «umweltpolitischen Rückschritt» in Madrid.

Während der heute beginnenden zehntägigen UN-Klimakonferenz Cop25, die wegen sozialer Unruhen von Santiago de Chile nach Madrid verlegt wurde, werden die Teilnehmer vor Ort den klimapolitischen Schlingerkurs von Bürgermeister Almeida studieren können. Ein Kurs, der sich so zusammenfassen lässt: lieber freie Fahrt statt bessere Luft. Madrids Abgasglocke, die seit Jahren viel zu hohe Schadstoffwerte aufweist, macht im Winter das Atmen schwer. Auch weil die Verkehrsstaus im Dezember, also genau zur Klimagipfel- und Vorweihnachtszeit, noch ein bisschen länger als in anderen Monaten sind.

Am Stadtrand ist die Luft besser

Glücklicherweise tagt der Gipfel, auf dem über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens aus dem Jahre 2015 beraten wird, nicht in der Innenstadt, sondern auf dem Messegelände am nordöstlichen Stadtrand. Spaniens grösstes Kongress- und Ausstellungszentrum liegt rund fünf Kilometer vom Flughafen und etwa 20 Kilometer von Madrids Zentrum entfernt. Dort ist die Luft deutlich besser als in der Innenstadt.

Seit Madrid Anfang November für Santiago de Chile einsprang, wurde in der spanischen Hauptstadt Tag und Nacht an der Vorbereitung gearbeitet. Der Klimagipfel, zu dem Regierungsdelegationen aus 200 Ländern kommen, benötigt normalerweise wenigstens ein Jahr an organisatorischer Vorbereitung. In Madrid musste nun alles innerhalb weniger Wochen stehen; etwa die Unterbringung der 25'000 Teilnehmer, zu denen Staats- und Regierungschefs, Minister, Wissenschafter und Umweltschützer gehören. Für die lokale Wirtschaft ist der Klimagipfel ein grosses Geschäft: Laut offiziellen Schätzungen wird er dem Einzelhandel, der Gastronomie, dem Hotelgewerbe, den Taxifahrern und der Messebranche zwischen 100 und 200 Millionen Euro an zusätzlichem Umsatz bringen.

Neuer Besucherrekord

Dabei klingeln im letzten Monat des Jahres ohnehin schon die Kassen in Madrid. Denn die spanische Hauptstadt ist mit ihrer bombastischen Weihnachtsbeleuchtung ein absoluter Besuchermagnet: Rund 800'000 in- und ausländische Touristen kamen im Dezember 2018 in die Stadt, was dazu führte, dass sich die Menschen in den Fussgängerzonen rund um Madrids berühmtesten Platz, die Puerta del Sol, wie Sardinen drängelten. Dieses Jahr wird in der Adventszeit ein neuer Besucherrekord erwartet – auch wegen des Klimagipfels: In Madrid wird es in diesem Dezember noch ein bisschen voller.

Meistgesehen

Artboard 1