Schuldenkrise

Ausschreitungen bei europaweitem Aktionstag gegen Sparpolitik

Auch in Barcelona kam es zu Ausschreitungen

Auch in Barcelona kam es zu Ausschreitungen

Bei europaweiten Protesten gegen die Sparpolitik ist es in Italien, Spanien und Portugal zu schweren Krawallen gekommen. In Rom sprachen Reporter am Mittwoch von Guerilla-ähnlichen Szenen.

In Lissabon artete eine Protestkundgebung von Tausenden von Menschen am Rande eines Generalstreiks am Abend in Gewalt aus. In Spanien wurden bei Demonstrationen während eines landesweiten Generalstreiks nach Angaben der Behörden 74 Menschen verletzt, darunter 18 Polizeibeamte. Etwa 120 Streikende wurden nach Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften festgenommen.

Millionen Beschäftigte legten in mehreren Euro-Krisenländern die Arbeit nieder. Zu dem Aktionstag hatten europäische Gewerkschaften aufgerufen. Protestaktionen gab es auch in Italien, Griechenland, Belgien und Frankreich. Nach Ansicht der Demonstranten verschärfen die Einschnitte zur Bekämpfung der Schuldenkrise in vielen Ländern Europas die Rezession.

Erstmals legte am Mittwoch ein 24-stündiger Generalstreik das öffentliche Leben auf der gesamten iberischen Halbinsel lahm. Der Verkehr in Spanien und Portugal kam zum Erliegen, Flüge wurden gestrichen, Schulen und Fabriken geschlossen.

Der Streik richte sich gegen "die Regierung der Arbeitslosigkeit und des Elends", sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft CCOO, Ignacio Fernández Toxo.

Die Gewerkschaften bezifferten die Beteiligung am Generalstreik auf über 70 Prozent der Beschäftigten. In Portugal waren vor allem der Verkehrsbereich und der öffentliche Dienst betroffen.

Hunderttausende Demonstrieren

Am Abend protestierten Hunderttausende Spanier und Portugiesen auf Massendemonstrationen gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen. In Spanien bezifferte das Innenministerium die Zahl der Demonstranten auf 800'000. Die Gewerkschaften sprachen allein in Madrid und Barcelona von zwei Millionen.

In beiden Städten kam es im Anschluss an die Kundgebungen zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Beamten gingen mit Tränengas, Gummigeschossen und Schlagstöcken gegen Randalierer vor.

In Lissabon wurden Polizisten in der Nähe des Parlaments mit Steinen, Flaschen, Böllern und Farbbeuteln beworfen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa feuerten die Beamten Schüsse in die Luft ab, um Demonstranten auseinanderzutreiben.

Auf den Stufen des Parlaments wurden nach Medienberichten Verletzte behandelt. In Rom warfen Schüler und Studenten Steine, Flaschen und Sprengsätze auf die Polizei, die Sicherheitskräfte rückten mit gepanzerten Fahrzeugen vor. In Turin wurden drei Polizisten bei Krawallen verletzt, einer von ihnen schwer.

Proteste auch in Frankreich

In zahlreichen französischen Städten wie Paris, Marseille und Lille folgten tausende Menschen dem Aufruf der Gewerkschaften und gingen unter dem Motto "Für Arbeitsplätze, Solidarität in Europa und gegen die Sparpolitik" auf die Strasse. Auch Verbindungen mit dem europäischen Hochgeschwindigkeitszug Thalys wurden bestreikt.

In Belgien legte ein 24-stündiger Streik der Bahnmitarbeiter den Zugverkehr weitgehend lahm.

In Griechenland legten Zehntausende Beschäftigte, hauptsächlich Staatsbedienstete, für drei Stunden die Arbeit nieder. Tausende demonstrierten im Zentrum Athens. "Der Sparpakt schadet ernsthaft der Gesundheit", stand auf Transparenten.

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