Nairobi

Blutiger Islamisten-Angriff in Nairobi - Schweizerin verletzt

Schock in Nairobi: Maskierte stürmen ein Einkaufszentrum, eröffnen das Feuer und nehmen Geiseln. Mindestens 68 Menschen sterben. Zu dem Angriff bekennt sich eine Islamisten-Miliz aus Somalia. Sie nahm Rache für Kenias Truppenentsendung nach Somalia.

Bewaffnete Kämpfer der mit Al-Kaida verbündeten Gruppe al-Shabaab stürmten am Samstag das Westgate-Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt.

Mit automatischen Waffen und Handgranaten drangen die maskierten Augenzeugen schilderten schreckliche Szenen: "Die Angreifer wollten mir in den Kopf schiessen, aber sie haben mich verfehlt", sagte Sudjar Singh. Ein anderer Zeuge berichtete, Kunden des Einkaufszentrums seien regelrecht "hingerichtet" worden.

Der 18-jährige Umar Ahmed sagte, er habe sich "tot gestellt", als einer der Bewaffneten in seine Richtung geblickt habe. Ein AFP-Reporter berichtete von blutenden Kindern, die aus dem Einkaufszentrum gebracht wurden.

Anhaltende Kämpfe

Auch mehr als 24 Stunden nach Beginn des Angriffs hielten die Feuergefechte mit den Sicherheitskräften in dem Einkaufszentrum an, in dem sich ursprünglich rund tausend Menschen befunden hatten. Die Zahl der Toten stieg bis zum späten Sonntagabend auf 68. Von Seiten der Polizei hiess es, die Zahl der Getöteten könne am Ende noch weit höher liegen.

Die verbliebenen zehn bis 15 Angreifer hätten weiter Geiseln in ihrer Gewalt.Unter den Verletzten ist auch eine Schweizerin, wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Sonntagvormittag der Nachrichtenagentur sda sagte.

Die Schweizer Botschaft in Nairobi stehe mit den Angehörigen der Frau und mit den lokalen Behörden in Kontakt. Aus Datenschutzgründen gibt das EDA keine weiteren Details bekannt, wie es hiess

Die kenianische Armee war mit einem Grossaufgebot vor Ort, einige der Soldaten trugen Panzerfäuste. "All unsere Energien sind darauf gerichtet, dies zu beenden", sagte ein Armeeoffizier. Am Sonntagnachmittag griff dann auch eine israelische Spezialeinheit in das Drama ein. Das Einkaufszentrum ist zum Teil in israelischem Besitz.

Der Angriff ist der blutigste in der kenianischen Hauptstadt seit dem Anschlag des Terrornetzwerkes Al-Kaida auf die US-Botschaft im August 1998, bei dem mehr als 200 Menschen starben. Kenia hat seit Ende 2011 Truppen im Nachbarland Somalia, die dort im Rahmen einer Mission der Afrikanischen Union (AU) die Regierungstruppen im Kampf gegen die al-Shabaab-Miliz unterstützen.

"Ausgleichende Gerechtigkeit"

Die al-Shabaab-Miliz bekannte sich zu der Bluttat. Der Angriff sei "ausgleichende Gerechtigkeit für Verbrechen" der kenianischen Armee, erklärte die Gruppe. Demnach wurden "mehr als hundert ungläubige Kenianer" getötet.

"Wir werden den Terrorismus besiegen, sagte Kenias Staatschef Uhuru Kenyatta in einer Fernsehansprache am Samstagabend. Er selbst habe "Familienmitglieder in der Westgate-Attacke verloren".

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte den Überfall "auf das Schärfste" verurteilt und sprach von einem "Terrorangriff". Die französische Regierung bestätigte, dass zwei französische Staatsbürger getötet wurden.

Laut Premierminister Stephen Harper starben auch zwei Kanadier, darunter ein Diplomat. Die US-Regierung erklärte, es gebe Berichte über US-Staatsbürger unter den Opfern. Auch Grossbritannien meldete drei Opfer. Zudem befanden sich zwei Inder, ein Südkoreaner und ein Chinese unter den Toten.

Internationale Hilfe

Die Europäische Union bot dem ostafrikanischen Land Hilfe an. "Wir wollen das Äusserste tun, um dazu beizutragen, dass solche Angriffe künftig verhindert werden", erklärte die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton.

Auch Grossbritannien sagte der ehemaligen Kolonie Unterstützung zu. Zudem wird Kenia von der internationalen Polizeibehörde Interpol unterstützt. Jede Informationsanfrage der kenianischen Behörden werde "mit Vorrang" behandelt, hiess es.

Die Solidarität unter den Kenianern ist derweil riesig. Nachdem das Rote Kreuz und andere Organisationen dringend zu Blutspenden aufgerufen hatten, bildeten sich vor den eigens eingerichteten Zentren schon am Morgen lange Schlangen. (sda)

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1