André Poggenburg ist der grosse Gewinner der Sonntagswahlen, aus dem Stand heraus hat seine Partei 24,2 Prozent der Stimmen in Sachsen-Anhalt geholt, sie ist nun zweitstärkste Kraft im Parlament hinter der CDU.

Das ist das beste Resultat, das die AfD jemals geholt hat. Poggenburg, Mitglied im AfD-Bundesvorstand, stellt Parteichefin Frauke Petry, Bundesvize Alexander Gauland und die Spitzenkandidaten von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die alle neben ihm auf dem Podium sitzen, in den Schatten.

Der 41-Jährige geniesst den Wirbel um seine Person, und wenn er da mit einem Anflug eines Lächelns und mit seinen blauen Augen fast unschuldig in die Journalistenmenge blickt, wirkt es so, als ob er sein Glück noch gar nicht so richtig fassen könne.

Umstrittener Parteifreund Höcke

Poggenburg gibt sich vor Journalisten gerne als der nette Politiker von nebenan, als Vertreter des kleinen Mannes, der sich der Sorgen und Nöte seiner Sachsen-Anhalter annimmt. Doch der Mann, der bis Ende des letzten Jahres einen Autokühlfachbetrieb geführt hat, kann auch ganz anders. Auf Demonstrationen heizt er die Stimmung mit scharfen Parolen an, geisselt «zügellose Masseneinwanderung» und «Multi-Kulti-Experimente» und fordert eine radikale «Flüchtlingsobergrenze von null».

Poggenburgs engster Verbündeter bei der AfD ist der höchst umstrittene Fraktionschef der thüringischen AfD, Björn Höcke. Der ehemalige Gymnasiallehrer dozierte im Herbst über den «lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp», der in der westlichen Welt auf den «selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp» treffe, was unweigerlich zu Problemen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen führe. Höcke trat auch bei der Abschlussveranstaltung der AfD Sachsen-Anhalt am Freitagabend auf und referierte über den «Asyl-Tsunami», vor dem es das «deutsche Volk» zu schützen gelte.

Auf dem Podium mit Neonazi

Poggenburgs radikale Haltung schlägt sich auch im AfD-Wahlprogramm nieder. Museen, Opern und Theatern will er eine deutsche «Leitkultur» verpassen und diese verpflichten, «einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern».

Nach einem Brandanschlag gegen eine geplante Asylunterkunft in Tröglitz nahm Poggenburg im vorigen Jahr an einer Podiumsdiskussion zusammen mit einem vorbestraften Rechtsextremisten teil. Poggenburg behauptete später, ihm sei nicht bewusst gewesen, um wen es sich beim Podiumsteilnehmer gehandelt habe. Etlichen als gemässigt geltenden AfD-Mitgliedern war diese Grenzüberschreitung zu viel, sie verliessen frustriert die AfD. Poggenburg gibt sich ahnungslos: «Ich bin kein Rechtsextremer und war es nie. Wenn es so wäre, hätte ich doch der NPD beitreten können.»

AfD-Chefin Frauke Petry schreckt zwar auch nicht vor kernigen und provokativen Äusserungen rund um Flüchtlinge zurück, doch Scharfmacher wie André Poggenburg oder Björn Höcke gefährden nach Petrys Ansicht den Erfolg der Partei. Zwist droht.