Zum Schluss hat sich am Donnerstag noch der tschechische Fussballkönig von 1984 in den Wahlkampf eingeschalten. «Zeman ist wie Gott, der nicht abtreten kann, aber eigentlich Erholung braucht», sagt Jan Berger in einer Video-Botschaft. «Wählen wir deshalb nicht Zeman!», heisst es am Ende des Films, der den Stürmer des FC Zürich (1986–90) zuerst mit Kindern auf dem Fussballfeld und dann in der Kneipe zeigt.

Berger hatte wie sein (Noch-)Staatspräsident einst ein Alkoholproblem, doch gilt der Ex-Fussballstar nach einer Entzugskur als geheilt. Von Miloš Zeman kann dies nicht behauptet werden; immer wieder fällt der Prager Burgherr in der Öffentlichkeit durch einen unsicheren Gang und lallende Wortmeldungen auf.

Zeman gefällt sich dabei als polarisierender Volkstribun, der bald ein Referendum über den EU-Austritt Tschechiens, bald ein Ende der EU-Sanktionen gegen Russland oder gar die Anerkennung der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim fordert. Auch diesmal sei sein Wahlkampf wieder vom Kreml subventioniert worden, heisst es in Prag. Neun Millionen Euro habe er dafür erhalten, wollen Kritiker wissen. Beweisen kann man nichts – wie bereits beim Gewinn der ersten Volkswahl des Staatspräsidenten 2013. Doch, dass Zeman Putin toll findet und den russischen Autokraten immer wieder besucht, ist erwiesen und sorgt in Brüssel für Sorgenfalten.

Beide Kontrahenten gleichauf

Als «trojanisches Pferd des Kremls» wird er deshalb von den Anhängern seines Herausforderers Jiri Drahos bezeichnet. Der politisch unerfahrene Chemieprofessor wirkte in der ersten TV-Debatte, zu der sich Amtsinhaber Zeman nach langem Zureden seiner Berater immerhin bequemte, etwas hölzern und fade, schlug sich aber gegen den populistischen Profipolitiker erstaunlich gut. Die meisten Umfrageinstitute sehen die beiden seitdem in etwa gleichauf. Je 45 Prozent der Tschechen wollen dabei für den 73-jährigen Zeman einlegen, ebenso viele für den lange nur Eingeweihten als Vorsitzender der Akademie der Wissenschaften bekannten, etwas jüngeren Drahos. Jeder zehnte Tscheche ist noch unentschieden.

Um diese letzten Stimmen wird nun mit aller Härte gebuhlt. Gegen Drahos sind nicht bewiesene Stasi-Vorwürfe aufgetaucht, gegen Zeman wird zu Felde geführt, dass ein solch vulgärer und alkoholverliebter Staatspräsident für das Land einfach peinlich sei. Drahos Motto «Wahrheit – Vernunft – Anstand» kann allerdings vor allem Intellektuelle und Grossstädter für sich gewinnen, der Volkstribun Zeman wiederum sahnt wie bereits in der ersten Runde vor allem in den ländlichen Regionen ausserhalb Prags ab. Dort hatte Drahos (27 Prozent) im ersten Wahlgang vor zwei Wochen in keinem Wahlkreis gegen Zeman (39 Prozent) gewonnen. Inzwischen aber haben alle sieben weiteren Gegenkandidaten aus der ersten Runde ihre Wähler aufgerufen, nicht für Zeman zu stimmen.

Mitentscheidend waren dabei Zemans Breitseiten gegen die Flüchtlinge. Tschechien hatte 2016 deren 15 aufgenommen und sich seitdem geweigert, weitere EU-Quotenflüchtlinge aufzunehmen. Drahos stellt sich zwar ebenso gegen die in Mittelosteuropa umstrittene EU-Zwangsumverteilung, hat indes in Fernsehauftritten immer wieder betont, Tschechien könnte rund 2600 Flüchtlinge unterbringen.

Einmischung verärgert Tschechen

Die Angst vor einer angeblich drohenden muslimischen Flüchtlingswelle hatte bereits bei den Parlamentswahlen im vergangenen Oktober eine Rolle gespielt. Damals siegte der EU-skeptische Populist Andrei Babis mit seiner «Bewegung unzufriedener Bürger» (ANO) bei einer geringen Wahlbeteiligung haushoch. Nun könnte sich allerdings die tschechische Politikverdrossenheit bei den Präsidentschaftswahlen ausgerechnet gegen die populistische Option Zeman wenden. Viele Tschechen haben nämlich die Nase voll von dessen Einmischungen in die Innenpolitik. So hat Zeman vor Wochenfrist den koalitionsunfähigen und von einem Korruptionsskandal verfolgten Babis nach einem verlorenen Vertrauensvotum erneut damit beauftragt, kommissarisch die Regierungsgeschäfte weiterzuführen und es noch einmal mit der Koalitionsbildung zu versuchen.