Betroffen sind von den neuen Regelungen Auslandschweizer, Doppelbürger und EU-Bürger, die in der Schweiz leben. Die «NZZ» schätzt die Zahl der Personen mit Bezug zur Schweiz auf mehr als zwei Millionen. Wer als Schweizer in der Schweiz lebt und kein Vermögen und keine Immobilien im EU-Ausland hat, für den ändert sich nichts.

«Viele Expats ahnen nicht, dass mit Inkrafttreten der EU-Verordnung im Erbfall das Recht des letzten Aufenthaltslandes zur Anwendung gelangt», sagt die deutsche Anwältin Kathrin Hueskes, die in der Lörracher Niederlassung der Kanzlei Bender Harrer Krevet arbeitet. Sie ist auf internationales Erbrecht und Wirtschaftsrecht spezialisiert und lebt mit ihrem schweizerischen Mann und ihren Töchtern in Basel. Während bisher auch Deutsche mit einem Wohnsitz im Ausland nach deutschem Erbrecht beerbt worden sind, gilt nun der gewöhnliche Aufenthaltsort eines Verstorbenen als Anknüpfungspunkt.

Für einen Deutschen, der in der Schweiz lebt, also die Schweiz, oder für einen Schweizer, der sich in Frankreich niedergelassen hat, Frankreich. «Sie haben jedoch die Möglichkeit, im Testament das Recht ihres jeweiligen Heimatstaats zu wählen», führt Kathrin Hueskes in einem Informationsblatt zum neuen EU-Erbrecht aus.

«Für alle EU-Bürger, die in der Schweiz wohnen, gilt ohne eine solche testamentarische Rechtswahl das Schweizer Recht», fährt sie fort. In Deutschland sieht das sogenannte Berliner Testament vor, dass sich die Eheleute gegenseitig zu Alleinerben und die Kinder zu Schlusserben der überlebenden Ehegatten einsetzen. «Heiratet die Person dann erneut, kann sie den Nachlass nicht einem neuen Partner oder einer Partnerin vermachen», sagt sie und warnt davor, dass diese, von den Eheleuten gewollte Bindungswirkung künftig entfallen könnte. Dies gelte auch für Verfügungen zur Testamentsvollstreckung. «Manche sind in der Schweiz nicht anerkannt und man muss prüfen, ob sie noch wirksam sind.»

Bei einem anderen Fall ging es um eine Enterbung. «Ein Deutscher, der in der Schweiz wohnt, wollte seine Tochter enterben , da er sich mit ihr zerstritten hatte. Stattdessen sollte die Enkelin als Alleinerbin eingesetzt werden», erzählt Kathrin Hueskes.

Nach Schweizer Recht hätte die Tochter einen Pflichtteil von drei Viertel des Erbes erhalten, in Deutschland liegt er nur bei der Hälfte des Nachlasses. «Der Mann konnte in seinem Testament das deutsche Heimatrecht wählen und damit den Pflichtteilsanspruch der Tochter reduzieren», berichtet die Anwältin.

Generelle Empfehlung schwierig

Aufgrund der vielen kleinen Unterschiede, die es in den verschiedenen Staaten im Erbrecht gebe, sei es schwer, eine generelle Empfehlung abzugeben. Vielmehr müsse in jedem Einzelfall anhand des Willens des Erblassers beurteilt werden, ob das Staatsangehörigkeitsrecht oder das Aufenthaltsrecht passender sei.

Nichts geändert hat sich bei der Frage der Steuern: Die Erbschaftssteuern unterliegen weiterhin den anwendbaren Doppelbesteuerungsabkommen und den nationalen Steuergesetzen.