Die amerikanische Wirtschaft brummt. Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandprodukt – der Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen – im Vergleich zum Vorjahresquartal um saisonbereinigte 4,1 Prozent, wie das Handelsministerium am Freitag bekannt gab.

Es ist die höchste Wachstumsrate seit dem dritten Quartal des Jahres 2014. Logisch, dass US-Präsident Donald Trump die Wirtschaftszahlen feierte: Er sprach im Weissen Haus von einem Wachstum von «historischer Dimension» und davon, dass die gesamte Welt die USA um ihre starke Volkswirtschaft beneide.

Trumps Stammlande profitieren am meisten

Der Aufschwung zeigt sich auch im amerikanischen Alltag. Überall wird nach Personal gesucht, und die Löhne steigen. Ausgerechnet die Trump-kritische «New York Times» kam in einer Untersuchung aller 50 Bundesstaaten zum Schluss, dass dort, wo Trump bei den Wahlen 2016 besonders viele Stimmen geholt hatte, das Job-Wachstum überdurchschnittlich stark ist. Etwas weniger ausgeprägt ist es in den demokratischen Hochburgen an der Ost- und Westküste. Ob dafür Trumps Politik verantwortlich ist oder nicht, mochte die Zeitung nicht abschliessend beurteilen. Klar ist, dass Trump seinen Sieg in jenen Gebieten geholt hatte, wo in den vergangenen Jahren viele Fabriken geschlossen worden waren. Diese Gebiete spüren jetzt das Wachstum besonders deutlich.

Die Frage ist jedoch, wie nachhaltig der Boom ist. Im zweiten Quartal wirkte die Handelspolitik des Präsidenten mit einem wohl einmaligen Effekt stimulierend. So trugen die Exporte rund einen Viertel zur Wachstumsrate bei – auch weil sich ausländische Handelspartner mit Rohwaren und Landwirtschaftsprodukten aus Amerika eindeckten, bevor im Juli die erste Tranche der Strafzölle in Kraft trat. Die Exporte wuchsen um mehr als 9 Prozent. Dies führte dazu, dass das Handelsdefizit im gesamten Quartal um 50 Milliarden Dollar sank, wie Trump am Freitag bekannt gab.

Wie lange noch?

Natürlich sind dies gute Nachrichten. Ökonomen sind aber der Meinung, dass sich dieser Erfolg im laufenden Quartal (Juli bis September) nicht wiederholen lässt – und zwar nicht nur, weil der Zwist zwischen den USA und Handelspartnern wie China zu einem Einbruch der Exporte von Landwirtschaftsprodukten führen wird. Auch ist mit einem Rückgang der Investitionen privater Arbeitgeber und der Konsumaufgaben normalsterblicher Amerikaner zu rechnen. Denn diese Ausgaben wuchsen, weil die beiden Gruppen von der Steuerreform profitieren, die zu Beginn des Jahres in Kraft trat.

Der Ökonom Lakshman Achuthan, der für das Economic Cycle Research Institute arbeitet, sagte am Freitag: «Präsident Trump sollte sich über die jüngsten Daten freuen», denn von nun an würden die Indikatoren abwärts zeigen.

Optimistischer zeigte sich Stephen Moore, der im Wahlkampf 2016 als ökonomischer Berater Trumps gedient hatte. Der Boom sei «nachhaltig», sagte der Ökonom einem Nachrichtensender – insbesondere dann, wenn der Verständigungsfrieden, den Trump diese Woche im Handelskrieg mit der Europäischen Union abgeschlossen habe, sich als tragfähig erweise.

Gewagte Prognose

Der Präsident ist ganz offensichtlich dieser Meinung. Am Freitag sprach er im Weissen Haus bereits davon, dass die Wirtschaft im dritten Quartal noch stärker wachsen werde. Das ist gewagt. Schon die aktuellen Zahlen waren dann doch nicht so brillant wie von Trump angedeutet: Er nährte Spekulationen, dass es statt 4 sogar 5 Prozent sein könnten. Ob seine Voraussage fürs dritte Quartal zutrifft, wird sich am 26. Oktober erweisen. Dann wird das Handelsministerium eine erste Schätzung über die Konjunktur im dritten Quartal veröffentlichen – zehn Tage vor der nationalen Parlamentswahl notabene, in der die republikanische Mehrheit im Parlament in Washington auf dem Spiel steht.

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