Bundespräsident Alain Berset reagierte "mit grosser Trauer" auf die Nachricht des Todes des ehemaligen Uno-Generalsekretärs Kofi Annan. Der Friedensnobelpreisträger sei ein Visionär und ein grosser Freund der Schweiz gewesen.

Mit seinem unermüdlichen Engagement für Frieden, Menschenrechte und Entwicklung habe Annan sein Leben den Idealen der Uno gewidmet, schrieb Berset auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Das internationale Genf habe heute einen seiner glühendsten Verteidiger verloren. Im Namen der Schweizer Bevölkerung drücke er Annans Familie sein tiefes Beileid aus.

Auch Aussenminister Ignazio Cassis sprach den Angehörigen Annans sein tiefes Beileid aus. "Ein grosser Mann hat uns heute verlassen. Wir sind dankbar für seine Unterstützung der Schweiz im Allgemeinen und des internationalen Genf im Besonderen", schrieb Cassis auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Gesamtbundesrat würdigte den ehemaligen Uno-Generalsekretär in einer Mitteilung als "grossen Staatsmann und Diplomaten". Er habe sich mit Mut und Klugheit für eine friedliche und gerechte Welt eingesetzt. Für den Bundesrat sei Annan stets ein wichtiger Partner und überzeugter Förderer des internationalen Genf gewesen.

Deiss: "Freund" verloren

Alt Bundesrat Joseph Deiss erklärte auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA er habe mit dem Tod Annans "einen Freund" verloren, der "eine Schwäche für die Schweiz" gehabt habe. Für ihn sei der ehemalige Uno-Generalsekretär "ein Symbol für die Friedensförderung" gewesen.

Deiss, der in den Jahren 2010/2011 Präsident der Uno-Generalversammlung gewesen war, betonte Annan habe auch den Uno-Beitritt der Schweiz im Jahr 2002 stark unterstützt. "Ganz diskret hat er eine sehr wichtige Rolle gespielt, indem er unsere Bürgerinnen und Bürger bestärkte", sagte Deiss. "Ich glaube, dass er eine Schwäche für die Schweiz hatte. Er war ein grosser Freund unseres Landes".

Ogi: "Schöne Momente abrufen"

Schockiert und traurig über den Tod von Annan, zeigte sich auch Alt Bundesrat Adolf Ogi. Annan sei ein bescheidener Anti-Politiker gewesen. Im April habe er an dessen 80. Geburtstag die Geburtstagsrede in Genf halten dürfen.

Die gegenseitige Beziehung sei gekennzeichnet gewesen von Nähe, gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Sympathie. Besonders eindrücklich habe sich dies damals beim Tod seines Sohnes Mathias gezeigt, erklärte Ogi. Kofi Annan sei eigens zur Beerdigung nach Bern angereist. Sein Beistand habe ihm in dieser schweren Zeit viel Kraft gegeben.

"Annan riet mir, nach der Beerdigung, die schönen Momente mit meinem Sohn abzurufen", sagte Ogi. Annans Empfehlung werde er nun auch versuchen bei dessen Tod umzusetzen. Sein Menschsein, sein Charisma und seine Liebenswürdigkeit blieben ihm in Erinnerung. Nach seinem Rücktritt aus der Landesregierung war Ogi von Februar 2001 bis Ende 2007 Uno-Sonderbeauftragte für Sport im Zusammenhang mit Frieden und Entwicklung.

Ziegler: "Grosse Dankbarkeit und Bewunderung"

"Ich werde Kofi Annan nie vergessen", sagte Jean Ziegler im Gespräch mit Keystone-SDA. Er sei ein aussergewöhnlich fröhlicher, lebendiger und blitzgescheiter Mensch gewesen und dennoch sehr zurückhaltend und diskret, erklärte Ziegler. Während Annan 18 Jahre lang in Genf lebte, seien sie fast jede Woche gemeinsam zum Tanz, ins Theater oder Kino gegangen.

"Er ist ein überaus treuer Freund gewesen, der mich gegen die vielfältigen Angriffe amerikanischer und israelischer Diplomaten in Schutz genommen hat", sagte Ziegler weiter. Was ihn besonders beeindrucke, war seine radikale Unabhängigkeit. So habe er trotz des Widerstands mächtiger Staaten die Schaffung des Uno-Menschenrechtsrates im Jahre 2006 durchgesetzt.

Annan habe wesentlich dazu beigetragen, den internationalen Strafgerichtshof zu befördern. "Er kämpfte mit Energie und Intelligenz gegen die Straflosigkeit der Massenmörder", betonte der ehemalige SP-Nationalrat und Uniprofessor.

Seit seinem Rücktritt im Jahr 2006 habe Annan in Founex am Genfersee gelebt und sie hätten ihre freundlichen Begegnungen wieder aufgenommen. "Seine Lebensfreude, seine Überzeugungskraft und seine freundschaftliche Treue werden für mich immer ein Beispiel bleiben", sagte Ziegler abschliessend.

Annan ernannte Ziegler im Jahre 2000 zum ersten Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Seit 2008 gehört Ziegler dem Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der Uno an.