Es war wie in alten Zeiten, als Präsident Donald Trump kürzlich – zum wiederholten Mal – den offiziellen Startschuss für den Wahlkampf 2020 gab: Das Sportstadion in Orlando (Florida) war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Anhänger grölten jedes Mal, wenn Trump über die Massenmedien («Fake News») oder Ex-Kontrahentin Hillary Clinton («Lock her up!») herzog, und ganz am Schluss plärrten die Rolling Stones den Gassenhauer «You can’t always get what you want», der vor mehr als 50 Jahren aufgenommen wurde.

Frische Ideen fehlen

Was allerdings fehlte, waren frische politische Ideen und Vorschläge. Selbst der Wahlslogan, mit dem Trump in die Schlacht um seine Wiederwahl ziehen will, hat bereits etwas Patina angesetzt, erfand er den Schlachtruf «Keep America Great» (auf Deutsch: «Amerika muss grossartig bleiben») doch bereits im Januar 2017, einige Monate nach seinem knappen und überraschenden Wahlsieg.

Der Präsident scheint zur Kenntnis genommen zu haben, dass sein Wahlkampf-Auftakt ein eher laues Echo auslöste. Deshalb spricht er seither gerne darüber, dass er der einzige Politiker Amerikas sei, der eine Sportarena mit 25 000 Sitzplätzen füllen könne, und dass er «die grossartigste Basis» habe, die es je in der amerikanischen Politik gegeben habe.

Immer noch Millionen Anhänger

Zutreffend daran ist, dass Trump fast drei Jahre nach seiner Wahl immer noch Millionen von Anhängern hat, die für ihn durchs Feuer gehen würden. Menschen wie Gary Beck aus Panama City (Florida), der buchstäblich stundenlang darauf wartete, bis er in das Stadion in Orlando eingelassen wurde. «Amerika muss wieder auf die Beine kommen», sagte Beck einem Lokaljournalisten. Und Trump sei der einzige Politiker, dem dieser Kraftakt gelingen könne. Auffallend an dieser Aussage ist, dass sie eigentlich im Widerspruch zum Slogan des Präsidenten steht.

Und dies ist das Problem, mit dem sich Trump konfrontiert sieht. Behauptet er im Wahlkampf, dass es ihm gelungen sei, die Wirtschaft auf Vordermann zu bringen, läuft er Gefahr, viele seiner Stammwähler vor den Kopf zu stossen. Denn trotz rekordtiefen Arbeitslosenzahlen gibt es Anzeichen dafür, dass sich die Konjunktur gerade in politisch umkämpften Bundesstaaten wie Michigan, Wisconsin, Iowa oder Pennsylvania abkühlt – auch weil die produzierende Industrie und die Landwirtschaft unter dem Handelskrieg mit China leiden, den der Präsident ausgerufen hat.

Spricht der Präsident allerdings darüber, dass er eine zweite Amtszeit benötige, um sämtliche Wahlversprechen zu erfüllen, könnte der Vorwurf laut werden, er habe mit seinem chaotischen Regierungsstil in den ersten vier Jahren viel Zeit verschwendet und zum Beispiel die Probleme in der Einwanderungspolitik nicht gelöst. Zur Erinnerung: In den ersten zwei Jahren unter Präsident Trump stellte seine Republikanische Partei die Mehrheit in beiden Kammern des nationalen Parlaments.

Trump will Duelle kommentieren

Anzunehmen ist, dass der 73-jährige Trump sich deshalb darauf konzentrieren wird, einen Kontrast zu den demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu bilden. Bereits kündigte der Präsident an, dass er sich die ersten TV-Debatten der Demokraten anschauen werde, um auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Kommentare abzusondern und neue, perfide Spitznamen zu verbreiten.

Mit solchen Manövern will Trump das Interesse an seiner Person hochhalten, obwohl weite Teil der Bevölkerung doch erschöpft sind über die Turbulenzen der vergangenen Jahre.