Afrika

Endlich Frieden in Darfur: Doch diese 6 Kriege toben in Afrika einfach weiter

Afrikaner an den Waffen: Noch immer sterben in den Kriegen des Kontinents jedes Jahr Zehntausende Menschen.

Afrikaner an den Waffen: Noch immer sterben in den Kriegen des Kontinents jedes Jahr Zehntausende Menschen.

300'000 Menschen sind im sudanesischen Bürgerkrieg ums Leben gekommen. Jetzt haben sich die Regierung und die Rebellen auf einen Friedensvertrag geeinigt.

Bei den Bewohnern der sudanesischen Provinz Südkurdufan hat sich der Anblick der Kampfbomber ins Gedächtnis gebrannt. Zuerst donnerten jeweils die Antonow-Jets der Luftwaffe über ihre Köpfe, dann fielen die Bomben. Geht es nach Sudans Übergangsregierung, dann sind die Angriffe auf die Bevölkerung ab sofort vorbei. Zu Wochenbeginn unterzeichneten die Politiker einen historischen Friedensvertrag mit den Rebellen des ostafrikanischen Landes.

Der Vertrag soll unter anderem den blutigen Konflikt in der Provinz Darfur beenden. In der Unruheprovinz starben seit 2003 mehr als 300'000 Menschen. Regelmässig war es unter dem 2019 gestürzten Langzeit-Präsidenten Omar al-Bashir zu Bombenangriffen auf Zivilisten gekommen. Auch Giftgas kam laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zum Einsatz.

Nach Ansicht der Sudanesischen Revolutionären Front, einer Allianz aus neun bewaffneten Gruppen, schaffe das Friedensabkommen eine «faire Grundlage» für die Zusammenarbeit mit den Machthabern in Khartum. Hoffnungsvoll ist auch der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell. Das Friedensabkommen zwischen der Übergangsregierung und der Revolutionären Front sei «ein wichtiger Meilenstein für Sudans fortdauernden demokratischen und wirtschaftlichen Übergang».

Doch während Beobachter im Sudan bereits über die gerichtliche Aufarbeitung der Menschenrechtsverbrechen diskutieren, scheint ein Ende der Gewalt in anderen Teilen Afrikas immer noch weit entfernt.

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Die aktuellen Konfliktherde und ihre Ursachen:

Dschihadisten in Nigeria

Seit elf Jahren wird das Land von der islamistischen Boko Haram terrorisiert. Die Sekte kämpft für die Einführung der Scharia. Im Nordosten kontrollieret sie weite Gebiete und hält die Bevölkerung als Geisel. Im April 2014 machte die Entführung von mehr als 130 Mädchen aus einer Schule weltweit Schlagzeilen. Bis heute werden mehr als 100 der Entführten vermisst. Die Situation für die Menschen in den von Boko Haram kontrollierten Gebieten bleibt katastrophal. «Wir mussten mit ansehen, wie Frauen und Kinder an Krankheiten starben, die vermeidbar und heilbar gewesen wären», erzählt Clara Okafor, eine ehemalige staatliche Krankenschwester, die heute in der Terror-Hochburg Maiduguri für das Rote Kreuz arbeitet.

Terror in Somalia

2011 gelang es Truppen der Afrikanischen Union, die islamistische Al-Shabaab aus der Hauptstadt Mogadischu zu vertreiben. Seither melden sich die Terroristen regelmässig mit Anschlägen zurück. Mitte August zündeten sie eine Autobombe und töteten Dutzende Gäste eines Hotels. Ob die für 2020 geplanten Wahlen stattfinden können, ist fraglich.

Moçambiques Gotteskrieger

Bis vor kurzem war das südliche Afrika von religiösem Terror verschont geblieben. Doch neuerdings verübten dem IS nahestehende Rebellen wiederholt Anschläge im Norden des Landes. Letzten Monat eroberten die Gotteskrieger die Hafenstadt Mocimboa da Praia. Augenzeugen berichten von bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Moçambiques Armee scheint machtlos. Während eine Viertelmillion Zivilisten fliehen musste, erwägt das Nachbarland Südafrika eine Militärintervention.

Äthiopien vor Bürgerkrieg?

Die Heimat von Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed droht, zwischen ihren Volksgruppen zerrieben zu werden. Die Vielvölkernation setzt sich aus mehr als 90 Ethnien zusammen. Erst im Juli entluden sich die Spannungen, als der Sänger Hachalu Hundessa erschossen wurde. Bei Protesten starben mindestens 160 Menschen.

Sprachkonflikt in Kamerun

Die englischsprachige Minderheit wirft der französischsprachigen Regierung in Yaoundé Unterdrückung vor. Schulen, Gerichte und Behörden würden «französisiert». 2016 eskalierte der Sprachkonflikt. Separatisten riefen ihre eigene Republik Ambazonia aus. Bei den Kämpfen starben 3000 Menschen.

Ewiger Krisenherd Kongo

Kaum eine andere Bevölkerung leidet so unter ihren Kriegstreibern wie jene der Demokratischen Republik Kongo: Islamistische Fanatiker, die Dörfer anzünden; Warlords, die Kindersoldaten rekrutieren; und eine Regierung, die versucht, mit brutalen Mitteln die Kontrolle zurückzuerlangen, statt dringend benötigte Schulen und Spitäler zu bauen. Auf dem Spiel steht einiges. Denn das zentralafrikanische Land hat einige der grössten Vorkommen an Gold und Diamanten der Welt. Statt für Entwicklung sorgten die Naturschätze aber für noch mehr Konflikt. Die Hoffnung ruht auf den früheren Oppositionsführer Felix Tshisekedi, der im vergangenen Jahr zum Präsidenten gewählt wurde.

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