Drama von Toulouse

Experte Stahel: «In solchen Situationen darf es kein Pardon geben»

Albert A. Stahel, Leiter des Institutes für Strategische Studien in Wädenswil

Albert A. Stahel, Leiter des Institutes für Strategische Studien in Wädenswil

Albert A. Stahel, der Leiter des Institutes für Strategische Studien in Wädenswil, über den Anschlag von Toulouse und die möglichen Folgen für die Schweiz.

Herr Stahel, könnte ein Fall wie in Toulouse auch in der Schweiz passieren?

Albert A. Stahel: Theoretisch ja. Es gibt mit Sicherheit auch in der Schweiz Leute, die in den pakistanischen Stammesgebieten ausgebildet wurden. Aber ich betone. Theoretisch.

Worin unterscheidet sich Frankreich in Bezug auf die Terrorbedrohung von der Schweiz?

Wir sind ein kleines Land und wir haben nicht so viele Immigranten aus Nordafrika. Unsere islamischen Immigranten stammen vor allem aus dem Balkan und aus der Türkei. Diese Gruppen sind nicht mit den Einwanderern aus Nordafrika oder Asien gleichzusetzen. Allerdings nehmen bei uns die Immigranten bzw. Flüchtlinge aus Nordafrika und Asien auch zu, dies ist zu beachten.

Wie muss man sich diese Ausbildungscamps vorstellen?

Diese Individuen lernen dort Schiessen und werden auf einer Kampfbahn ausgebildet. Parallel dazu findet eine Indoktrinierung statt. Wenn diese Menschen zurückkehren, dann sind sie tickende Zeitbomben.

Terrornetzwerke unter Kontrolle zu halten ist das eine, aber sind Einzeltäter überhaupt überwachbar?

Absolut, die Reisebewegungen von Ausländern aus diesen Gebieten können registriert werden. Schwierig wird es nur, wenn der Betreffende einen Schweizer Pass hat. Dann sind die Behörden darauf angewiesen, dass die Staaten, in denen diese ausgebildet werden, sie en Schweizer Behörden melden.

Das heisst, die Schweiz ist auf Kooperationen mit Partnerdiensten angewiesen.

Partnerdienst ist nicht das richtige Wort. Aber es ist zum Beispiel notwendig, dass die Schweiz mit Pakistan ein Abkommen hat, dass garantiert, dass die Pakistani melden, wenn ein Schweizer in die Stammesgebiete reist.

Ist das Phänomen des einsamen Wolfes neu?

Ich nenne sie konditionierte Individuen. Sie wurden in Ausbildungslagern geschult, sind also alles andere als einsam. Das Phänomen ist überhaupt nicht neu. Schon die Anschläge von London wurden von ähnlichen Tätern durchgeführt.

Ist es überhaupt noch möglich solche Menschen von ihrem Vorhaben abzubringen?

Es ist sehr schwierig. Man muss diese Personen daran hindern in solche Camps zu gehen, oder sie sofort behändigen, wenn sie zurückkommen. Stundenlang Zuwarten wie in Toulouse, das kann keine Lösung sein.

Sie kritisieren das Verhalten der Franzosen?

Ja, in solchen Situationen darf es kein Pardon geben.

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