Nach dem Sotloff-Mord

Für die IS-Terroristen ist sogar Osama Bin Laden ein Abweichler

Kämpfer der IS-Terrormiliz (Archiv)

Kämpfer der IS-Terrormiliz (Archiv)

Die Journalisten James Foley und Steven Sotloff wurden von Dschihadisten getötet. Weitere unschuldige Zivilisten sollen folgen. Mit ihren Mordtaten wollen die Terroristen abschrecken - sie schaufeln sich damit aber ihr eigenes Grab.

Nach James Foley wurde nun auch Steven Sotloff ermordet. Der 31-jährige Journalist ist nicht enthauptet worden, so wie dies saudische Henker mit einem gezielten Hieb nach dem Freitagsgebet auf dem Marktplatz von Riad tun. Steven, dessen jüdischer Glaube die Medien bis zu seinem Tod aus naheliegenden Gründen verschwiegen hatten, wurde von dschihadistischen Psychopaten vor laufender Kamera bestialisch abgeschlachtet.

Weitere Horrorinszenierungen wurden in Aussicht gestellt. Das nächste Opfer der Dschihadisten könnte ein in Syrien entführter britischer Journalist sein. Auch sein Tod dürfte weltweites Entsetzen und Grauen auslösen. Die in den letzten Tagen vom Islamischen Staat vor laufenden Kameras niedergemetzelten libanesischen und kurdischen Soldaten wurden in den westlichen Medien dagegen kaum erwähnt.

Mit ihren furchtbaren Mordtaten wollen die Dschihadisten erschrecken und abschrecken. Der barbarische Umgang mit dem Schlachtermesser wird in den Foren der Terrormilizen als Zeichen der Stärke, der Überlegenheit und der Unbesiegbarkeit gefeiert. In ihrem Blutrausch übersehen die Dschihadisten jedoch, dass sie auf die wirkungsvollen Bombardements der amerikanischen Luftwaffe und das Vorrücken kurdischer Verbände keine militärischen Antworten haben, analysiert der Sicherheitsexperte der BBC, Frank Gardener.

Auf Niederlagen reagieren sie mit blankem Terror. «Mit ihren Horrorvideos fordern sie weitere amerikanische Bombenangriffe geradezu heraus», schreibt der ehemalige Kriegsberichterstatter der «New York Times», Dexter Filkins – und fragt: «Welche Vorteile können sich diese Leute von ihren Aktionen erhoffen?»

Selbst im Mittleren Osten stossen die dschihadistischen Terrormilizen mit ihren Mordorgien auf Ablehnung und Entsetzen. Mit dem wahren Islam, betonen inzwischen fast alle Muslime, habe der Islamische Staat nichts zu tun. Das heisst aber nicht, dass sich die grosse Mehrheit gegen hemmungslos terrorisierende Minderheiten durchsetzen kann. Blanker Terror als Mittel zur Machtausübung und zum Machterhalt ist in den meisten Staaten des Nahen Ostens seit Jahrzehnten an der Tagesordnung.

Terror – die beste Antwort?

Das weiss auch der sogenannte Islamische Staat, dessen Führungskader in Syrien und im Irak aufgewachsen sind: in Diktaturen, die sich durch einen mühelosen Rückgriff auf Gewalt ausgezeichnet haben. Saddam Hussein verstand nur die Sprache der Gewalt, die ihn vor 12 Jahren auch zur Strecke brachte.

Omar al Bagdadi, der selbst ernannte Emir des Islamischen Staats, ist offenbar davon überzeugt, dass Terror die beste Antwort auf das militärische Vorgehen der Amerikaner ist. Er könnte jedoch auf dem Holzweg sein, schreibt Terrence McCoy in einem Beitrag für die «Washington Post». Um seine These zu belegen, zitiert der amerikanische Politologe Osama Bin Laden. In einem seiner seltenen lichten Momente hatte der Gründer des Terrornetzwerkes al-Kaida kurz vor seinem Tod die «wahllose Brutalität unserer Brüder kritisiert» und seine Anhänger aufgefordert, «aus ihren Fehlern zu lernen». Mit blanken Terror, erkannte anscheinend sogar Bin Laden, «werden wir zwar einige Schlachten gewinnen, den Krieg am Ende jedoch verlieren».

Für Omar al-Bagdadi ist selbst Bin Laden «ein Abweichler». Nur das Kalifat» behauptet der «Emir» in seinem Grössenwahn, könne die islamische Umma vereinigen, sie zur Führungsmacht emporheben.

Meistgesehen

Artboard 1