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Gestorben: US-Politlegende Ross Perot (†89) ist tot

Ross Perot bei seiner erneuten Präsidentschaftskandidatur 1996.

Ross Perot bei seiner erneuten Präsidentschaftskandidatur 1996.

Der texanische Multi-Milliardär hat mit seiner Kandidatur 1992 wohl die Wahl von Bill Clinton zum US-Präsidenten ermöglicht.

George H.W. Bush hat ihm nie verziehen. Bis zuletzt war der Republikaner der Meinung, die Präsidentschaftskandidatur des texanischen Unternehmers Ross Perot sei dafür verantwortlich, dass er 1992 nicht wiedergewählt wurde und nach vier Jahren im Weissen Haus in den vorzeitigen Ruhestand treten musste – hatte Perot doch die Wirtschafts- und Handelspolitik Bushs mit beissendem Spott übergossen.

Bush seinerseits sagte über den kleingewachsenen Unternehmer, der mit einem breiten texanischen Akzent sprach und häufig streitsüchtig wirkte: Perot «ist ein seltsamer, kleiner Egomane», der von Verschwörungstheorien angefressen sei und stets unter Strom stehe.

Vielleicht war es just diese Mischung, die Perot im seltsamen Wahlkampf 1992 quasi über Nacht zur Sensation machte. Der umtriebige Unternehmer, der seine Milliarden mit innovativen Informatik-Dienstleistern verdient hatte, präsentierte sich den Wählerinnen und Wählern als Anti-Politiker.

Absurde Sabotage-Vorwürfe

Dank zahlreichen TV-Auftritten – so war er ein gern gesehener Gast in der Talkshow von Larry King auf dem Nachrichtensender «CNN» – gelang es ihm, das Fundament für einen populistischen Wahlkampf zu legen, in dem er primär gegen den Filz in Washington, die rote Budgetzahlen und den Freihandel wetterte. In Meinungsumfragen stieg er zwischenzeitlich zum Favoriten auf, obwohl es parteiunabhängige Kandidaten im amerikanischen System gemeinhin schwer haben.

Dann kam der Bruch. Im Juli 1992 warf Perot das Handtuch und legte seine Kandidatur aufs Eis. Später behauptete er, er habe dies aus Rücksicht auf seine Tochter getan; Kreise im Umfeld von Präsident Bush hätten nämlich versucht, ihre Hochzeit zu sabotieren. (Dafür gab es keine Beweise, wie er selbst einräumte.) Diese Begründung klang absurd oder exzentrisch, aber als Perot im Oktober, wenige Wochen vor der Präsidentenwahl, seine Kandidatur reaktivierte, verziehen ihm seine Anhänger.

Fast 19 Prozent der Stimmen gewann er schliesslich am 3. November 1992, die höchste Stimmenzahl eines parteiunabhängigen Kandidaten nach dem Zweiten Weltkrieg. (Der Demokrat Bill Clinton gewann die Wahl mit 43 Prozent der Stimmen, während es Bush auf 37 Prozent brachte.)

Perot ebnete Trump den Weg

Zwar erzielte Perot weder in einem der 50 Bundesstaaten noch im Hauptstadtbezirk eine Mehrheit der Stimmen; er vereinigte deshalb keine Wahlmänner-Stimmen auf sich. Er bewies aber, dass ein reicher Unternehmer, der sich im Fernsehen gut verkaufen kann, keine Wurzeln im Politbetrieb verfügen muss, um national für Schlagzeilen zu sorgen. Das Beispiel Perot zeigt aber auch, dass die Amerikaner rasch das Interesse an einem politischen Phänomen verlieren.

1996, als der Unternehmer erneut ins Rennen um das Weisse Haus stieg – dieses Mal an der Spitze der von ihm gegründeten Reform Party – brachte er es nur noch auf 8,4 Prozent der Stimmen. (Detail am Rande: Vier Jahre später bewarb sich ein gewisser Donald Trump während einigen Wochen um die Präsidentschaftskandidatur der Reform Party.)

Am Dienstag ist Ross Perot, 1930 in einfachen Verhältnissen in Texarkana geboren, kurz nach seinem 89. Geburtstag an den Folgen einer Leukämie-Erkrankung gestorben.

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