Iran-Konflikt

Heikler Besuch in Davos: Irans «Rächer» kommt ans WEF – und was macht Trump?

Der iranische Aussenminister Javad Zarif (rechts), hier auf einer Archivaufnahme mit dem letzte Woche getöteten General und Geheimdienst-Mastermind  Quassem Soleimani.

Der iranische Aussenminister Javad Zarif (rechts), hier auf einer Archivaufnahme mit dem letzte Woche getöteten General und Geheimdienst-Mastermind Quassem Soleimani.

Der iranische Aussenminister Javad Zarif ist nach Davos eingeladen - und hat zugesagt, wie die CH-Media-Redaktion in Erfahrung bringen konnte. Das ist brisant, denn Zarif hat nach der Tötung des iranischen Generals Soleimani Rache angekündigt, und er bezichtigt die USA, die ebenfalls eine Delegation ans WEF schicken, des «Staatsterrorismus».

Nach der Exekution von General Qassem Soleimani durch die USA schwört der Iran Rache. Dadurch steigt die Kriegsgefahr. Ausgerechnet in dieser angespannten Situation findet in zwei Wochen das Weltwirtschaftsforum (WEF) statt.

In Davos wird nicht nur eine hochkarätige US-Delegation zugegen sein, sondern auch Irans Aussenminister Javad Zarif. Das WEF bestätigte am Sonntag gegenüber der CH-Media-Redaktion, dass Zarif eingeladen und angemeldet ist. Die Einladung war schon vor dem US-Angriff auf Soleimani ausgesprochen worden. Am Tag nach der Tötung hatte das WEF erneut Kontakt mit dem iranischen Aussenministerium, und dieses sagte Zarifs Teilnahme zu. Dies gibt die WEF-Medienstelle auf Anfrage bekannt, um hinzuzufügen, die Lage könne sich je nach Entwicklung ändern.

Laut CNN plant auch US-Präsident Donald Trump eine Reise nach Davos

Die USA werden mit Finanzminister Steven Mnuchin vertreten sein, ebenso mit Präsidententochter Ivanka Trump und ihrem Ehemann Jared Kushner, der als Nahost-Delegierter fungiert. Die Teilnahme von US-Präsident Donald Trump selbst ist offen; gemäss dem TV-Sender CNN gilt sie als wahrscheinlich. Allerdings hiess es das auch vor einem Jahr, doch Trump sagte den WEF-Besuch schliesslich wegen des Budgetstreits ab. 2018 hatte er das Weltwirtschaftsforum besucht und für gewaltigen Wirbel gesorgt.

Der damalige Schweizer Aussenminister Didier Burkhalter (l.) mit Irans Aussenminister Javad Zarif am WEF im Januar 2016.

Der damalige Schweizer Aussenminister Didier Burkhalter (l.) mit Irans Aussenminister Javad Zarif am WEF im Januar 2016.

Irans Aussenminister Zarif gehört zu den Stammgästen am WEF. Er traf mehrfach auch Schweizer Bundesräte. In Davos präsentierte er sich als Vertreter eines offenen Iran, doch nach der Soleimani-Tötung gibt er den Hardliner: Diese sei «Staatsterrorismus», und US-Aussenminister Mike Pompeo ein «arroganter Clown».

Zarif sagte zudem, die Nachricht der USA, die ihm der Schweizer Gesandte nach der Tötung übergeben habe, sei «dumm». Die Schweiz vertritt die diplomatischen Interessen der USA im Iran. Gestern wurde der Schweizer Botschafter vom Iran einbestellt und bekam mitgeteilt, Trumps Aussagen seien «feindselig».

Trump hatte die Führung in Teheran vor Racheakten gewarnt. George Farago, Sprecher des Aussendepartements, sagt zur Einberufung des Schweizer Botschafters einzig: «Im Rahmen der Interessenwahrung zwischen den USA und dem Iran hat am Sonntag im Iran ein Treffen stattgefunden. Der Inhalt ist vertraulich.»

Angesichts der jüngsten Entwicklung stehen das WEF, die Armee und die Sicherheitsbehörden vor Herausforderungen. Marcus Caduff, Präsident des WEF-Ausschusses der Bündner Regierung: «Wir sind für alle Szenarien vorbereitet», sagt er zu dieser Zeitung. «Es braucht einfach mehr oder weniger Personal. Das ist keine Situation, die wir nicht meistern könnten.»

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