«Super Tuesday»

Heute schaffen die Demokraten Klarheit: Alles deutet auf einen Zweikampf der Urgesteine hin

Wer zieht im Herbst ins Weisse Haus ein?

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Am «Super Tuesday» halten 14 US-Bundesstaaten demokratische Vorwahlen ab. Die Hoffnung auf einen Generationenwechsel ist geplatzt.

1) Worum geht es am heutigen «Super Tuesday» genau?

US-Wahl 2020

Das komplette Dossier zu den US-Wahlen 2020 finden Sie hier.

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Nachdem im Februar die vier amerikanischen Bundesstaaten Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina ihre Vorwahlen abgehalten hatten, findet heute nun erstmals ein nationaler Urnengang statt. Gewählt wird in 14 Staaten, unter anderem in den Schwergewichten Kalifornien, Texas, North Carolina, Virginia und Massachusetts. Abstimmungen finden auch unter den demokratischen Expats (Democrats Abroad) und auf den Pazifikinseln American Samoa statt. Insgesamt stehen 1537 Parteitagsdelegierte zur Wahl, rund ein Drittel aller Delegierten, die im Juli in Milwaukee (Wisconsin) den Herausforderer von Präsident Donald Trump küren werden (siehe Grafik unten). Zum Vergleich: In den ersten vier Staaten wurden weniger als vier Prozent der Parteitagsdelegierten bestimmt. Der «Super Tuesday» ist damit der bislang mit Abstand wichtigste Termin in den amerikanischen Vorwahlen.

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2) Hat der aktuelle Umfragen- Spitzenreiter Bernie Sanders nicht sowieso schon gewonnen?

Nein. Zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten wird nominiert, wer am Parteitag die absolute Mehrheit der Delegierten aus ganz Amerika auf seine Seite ziehen kann. Von diesem Ziel sind, nach vier Vorwahlen, sämtliche Kandidaten weit entfernt. Zwar verfügt Sanders derzeit über die besten Karten, auch weil er landesweit eine bekannte Grösse ist und auf eine begeisterte, breite Wählerbasis zählen kann. Da die Delegierten in den jeweiligen Bundesstaaten aber nach einem komplexen Schlüssel verteilt werden, wird er selbst nach einem klaren Sieg in Kalifornien (415 Delegiertenstimmen) weiterkämpfen müssen. Ein realistisches Szenario für die Zeit nach dem heutigen «Super Tuesday» sieht einen direkten Zweikampf zwischen Sanders und Biden vor.

3) New Yorks Ex-Bürgermeister Mike Bloomberg hat mehr als 700 Millionen Dollar in seinen Wahlkampf investiert. Zahlt sich das heute aus?

Umfragen deuten darauf hin, dass der 78-jährige Multimilliardär Michael Bloomberg in einigen Staaten im Landesinnern recht gut abschneiden wird – auch weil er in Arkansas oder Oklahoma oder Tennessee lange Zeit der einzige demokratische Präsidentschaftskandidat war, der Wahlkampf betrieben hat. Bloomberg spricht Wählerinnen und Wähler an, die unzufrieden sind mit dem Kandidatenfeld der Demokraten und die gleichzeitig auch mit Präsident Donald Trump nichts anfangen können. Wähler wie Steve Savage aus Bristol (Tennessee) zum Beispiel. Der Mittfünfziger sagt im Gespräch, Bloomberg sei ein gestandener Unternehmer, der sich seine Milliarden redlich verdient habe. Er verspreche nicht das Blaue vom Himmel, und habe eine realistische Chance, ein direktes Duell gegen den Präsidenten zu gewinnen. Die übrigen demokratischen Kandidaten «kann ich nicht ernst nehmen», sagt Savage. Dass Bloomberg alles andere als charismatisch ist und ein «furchtbarer» Debattierer, daran stört er sich nicht.

4) Am Sonntag gab Pete Buttigieg, Sieger der Vorwahl in Iowa, seinen Rückzug bekannt. Am Montag beendete Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota ihren Wahlkampf. Hilft dies Joe Biden?

Es stimmt: Programmatisch stehen sich Buttigieg, Klobuchar und Biden recht nahe. Buttigieg allerdings warb im Wahlkampf für einen Generationswechsel, und er schreckte auch vor (leiser) Kritik an der Politik von Präsident Barack Obama, der an der Parteibasis immer noch verehrt wird, nicht zurück. Klobuchar wiederum warb dafür, dass die Demokraten den Wählern im Herzland Amerikas grössere Aufmerksamkeit schenken sollten. Biden hingegen, der Obama von 2009 bis 2017 als Vizepräsident diente, verkörpert die Politik der «Obama-Biden-Demokraten», wie er es im Wahlkampf formulierte. Es wäre deshalb falsch, davon auszugehen, dass sich sämtliche Buttigieg- und Klobuchar-Anhänger nun auf die Seite des ehemaligen Vizepräsidenten schlagen werden – auch wenn Biden nach seinem klaren Sieg in der Vorwahl in South Carolina einen zweiten Frühling erlebt. Buttigieg-Wähler beispielsweise sympathisieren auch mit Elizabeth Warren aus Massachusetts und dem Sozialisten Bernie Sanders aus Vermont. Denn diese beiden Senatoren signalisieren einen klaren Bruch mit der Vergangenheit.

5) Worauf hofft US-Präsident Donald Trump heute?

Auf eine möglichst lange Fortsetzung der Vorwahlen und eine Eskalation des Flügelkampfes bei den Demokraten. Weil der Präsident bereits als Kandidat der Republikanischen Partei feststeht, kann Trump diesen Flügelkampf weiter schüren – beispielsweise mit abstrusen Behauptungen, wonach das demokratische Establishment mit aller Kraft (und illegalen Methoden) versuche, die Nomination von Bernie Sanders zum Präsidentschaftskandidaten zu verhindern.

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