Sudan

Hinweise auf Militärputsch im Sudan: Präsident al-Baschir laut Minister zurückgetreten

Sudans Präsident Omar al-Baschir ist Regierungskreisen zufolge zurückgetreten. Die Information wurde am Donnerstag zudem von einem Minister der Provinz Nord-Darfur bestätigt.

Adel Madschub Hussein sagte dem in Dubai ansässigen Fernsehsender Al Hadath ferner, es gebe Konsultationen, einen Militärrat einzurichten, der die Macht übernehmen solle. Unterdessen füllten sich die Strassen im Zentrum der Hauptstadt Khartum mit Zehntausenden Menschen, wie ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Armee und Sicherheitskräfte wurden am Donnerstag rund um das Verteidigungsministerium, Hauptstrassen und Brücken in der Hauptstadt Khartum gesichtet.

«Die Streitkräfte werden in Kürze eine wichtige Stellungnahme abgeben», kündigte das staatliche Fernsehen an, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. «Seien Sie bereit.» Im staatlichen Radio wurde patriotische Musik gespielt.

Mehrere Regierungsmitglieder, darunter der Verteidigungsminister, sollen festgenommen worden seien. Es gab bislang keine offizielle Bestätigung dafür.

Etliche Menschen waren am Donnerstagmorgen auf der Strasse und feierten, wie ein dpa-Reporter berichtete. Sie riefen Parolen wie, «endlich werden wir das Al-Baschir-Regime los». Vor dem Verteidigungsministerium skandierten Demonstranten: «Wir haben gewonnen.»

Seit Monaten demonstrieren Zehntausende Menschen gegen den autoritären Staatschef Al-Baschir, der das Land im Nordosten Afrikas seit drei Jahrzehnten mit harter Hand regiert. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch die schwere Wirtschaftskrise, in der sich der Sudan seit Jahren befindet. Doch die Proteste richteten sich zunehmend gegen den 75 Jahre alten Präsidenten selbst.

Dieser versuchte zunächst gegenzusteuern: Im Februar verhängte Al-Baschir einen Ausnahmezustand, löste seine Regierung und die der Bundesstaaten auf und erklärte, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Dies entschärfte die Lage aber nicht.

Die Proteste spitzten sich seit dem Wochenende zu, Tausende Menschen versammelten sich täglich zu einer Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte, die auch gleichzeitig die Residenz von Al-Baschir ist. Sicherheitskräfte gingen teilweise mit scharfer Munition vor und töteten einem Ärzteverband zufolge mindestens 21 Menschen. Dabei stellten sich Angaben aus Khartum zufolge auch Teile der Streitkräfte auf die Seite der Demonstranten und lieferten sich Schusswechsel mit Sicherheitskräften. (sda/dpa)

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