USA

Im Herzen immer noch ein Punkrocker: Wer ist Präsidenschafts-Kandidat Beto O'Rourke?

Wird er der demokratische Herausforderer von Donald Trump? Bis dahin ist es noch ein langer Weg für Beto O’Rourke.

Wird er der demokratische Herausforderer von Donald Trump? Bis dahin ist es noch ein langer Weg für Beto O’Rourke.

Beto O’Rourke sorgte in Texas für Furore, jetzt hat er seine Präsidentschaftskandidatur verkündet. Wird er zum Heilsbringer der Demokraten?

Typisch Beto. Normalerweise stellen sich Präsidentschaftskandidaten dem Rest des Landes mit einem professionellen Filmchen vor, in dem sie Fotos aus ihrem Familienalbum und Landschaftsbilder zeigen, die mit dramatischer Musik untermauert werden.

In seinem ersten offiziellen Video als demokratischer Anwärter für das Weisse Haus aber sitzt Robert Francis O’Rourke, den alle bloss bei seinem Spitznamen Beto nennen, zusammen mit seiner Frau Amy auf einem Sofa. Und der 46-jährige Politiker spricht schnell und ohne Unterbrechung für dreieinhalb Minuten, eine gefühlte halbe Ewigkeit.

So ist er eben, der ehemalige Punk-Musiker, Unternehmer und Politiker in der Grenzstadt El Paso, Abgeordneter im Repräsentantenhaus und gescheiterter Senatskandidat in Texas: Ein Politiker der alten Schule, der auf der Suche nach Wählerstimmen auf die Kraft seiner Worte setzt. Und dabei Reden schwingt, die in der amerikanischen Presse als «Stemwinder» bezeichnet werden, weil O’Rourke meist ohne Manuskript spricht und wild gestikuliert.

Kein grosser Leistungsausweis

O’Rourke ist der mittlerweile 15. Demokrat, der sich zum Ziel gesetzt hat, Amtsinhaber Donald Trump im kommenden Jahr aus dem Weissen Haus zu verdrängen. Politbeobachter gehen davon aus, dass sich bis zur ersten Fernsehdebatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten, die im Juni über die Bühne gehen soll, noch weitere Anwärter melden werden.

Und obwohl sein Leistungsausweis nicht sehr gross ist – drei Amtszeiten im nationalen Parlament –, weckt seine Kandidatur grosses Interesse, auch und vor allem unter professionellen Politbeobachtern.

Das hängt ausgerechnet mit der bisher grössten Niederlage in der Politkarriere von O’Rourke zusammen, mit dem verlorenen Senatswahlkampf im vorigen Jahr. O’Rourke verlor das Duell gegen den Republikaner Ted Cruz zwar mit einem Rückstand von 2,5 Prozentpunkten; er verursachte aber während der zwei Jahre dauernden Auseinandersetzung, auch dank einer dominanten Präsenz in den sozialen Medien, einen derartigen Wirbel, dass er während seines Wahlkampfes über 80 Millionen Dollar an Spendengeldern einsammelte – ein neuer nationaler Rekord.

Offen ist, ob O’Rourke die Erfahrungen, die er im Wahlkampf in Texas machte, auf den Rest des Landes übertragen kann. Seine Kritiker weisen gerne darauf hin, dass sein politisches Programm recht dünn sei und O’Rourke mit rhetorischen Kunstgriffen darüber hinwegzutäuschen versuche. Gemeinhin präsentiert er sich als linker Demokrat, der aber offen ist, gute Ideen zu prüfen, selbst wenn diese vom politischen Gegner stammen. Auch wird ihm immer wieder vorgeworfen, er sei selbstverliebt.

O’Rourke kommt aber zugute, dass er im direkten Gespräch überraschend unprätentiös auftritt, auch wenn er sich natürlich seiner Ausstrahlung bewusst ist. In seinem Herzen ist Beto immer noch ein Punkrocker.

In einem ersten Schritt muss Beto nun versuchen, sich in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina einen Namen zu machen. In diesen vier Staaten beginnt im Frühjahr 2020 der Vorwahl-Zirkus. Diese Aufgabe wird O’Rourke nicht leichtfallen, deuten aktuelle Meinungsumfragen doch darauf hin, dass alte Schlachtrösser wie Joe Biden und Bernie Sanders das Rennen der Demokraten derzeit dominieren.

Andererseits: Als O’Rourke sich 2016 dazu entschloss, den Republikaner Ted Cruz herauszufordern, hätten wohl die wenigsten Beobachter damit gerechnet, dass Beto das Zeug
zu einem Star hat.

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