Venezuela

In über 300 Städten: Maduro-Gegner starten «Operation Freiheit» – Druck auf Maduro wächst

Anhänger von Venezuelas selbst ernanntem Interimspräsidenten Juan Guaidó bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Caracas.

Anhänger von Venezuelas selbst ernanntem Interimspräsidenten Juan Guaidó bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Caracas.

Die von Venezuelas selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó organisierten Proteste nehmen Fahrt auf: Mit Demos in über 300 Städten hat Venezuelas Opposition gegen die anhaltenden Stromausfälle protestiert und den Druck auf Staatschef Nicolás Maduro erhöht.

"Wir fordern nicht nur Wasser und Licht, sondern auch Demokratie und Zukunft", sagte Guaidó am Samstag auf der Hauptkundgebung in Caracas. Sein sozialistischer Gegenspieler Maduro halte sich nur mit Hilfe der bewaffneten paramilitärischen Gruppen an der Macht und müsse zurücktreten, forderte der Oppositionsführer. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung seien für einen Regierungswechsel.

Guaidó beschuldigte die kubanische Regierung, Maduro mit Hilfe des venezolanischen Militärs zu protegieren. Kuba werde in Zukunft kein Erdöl mehr aus Venezuela bekommen.

Guaidó rief seine Anhänger auf, nächste Woche in noch grösserer Zahl auf die Strassen zu strömen. Er kündigte auch eine internationale Konferenz in Venezuela an, um Wege aus der politischen und sozialen Krise zu weisen, die das Land seit mehr als zwei Monaten lähmt. Einen genauen Termin für dieses Treffen nannte Guaidó nicht.

Festnahmen

Zwei Abgeordnete der Opposition wurden bei einer Kundgebung in Maracaibo nach eigenen Angaben vorübergehend festgenommen. Bei Zusammenstössen mit der Polizei seien in der Küstenstadt rund 30 Demonstranten verletzt worden, berichtete die Zeitung "El Nacional". Zwei Journalisten des Senders VPItv seien von Nationalgardisten geschlagen worden, teilte die Journalistengewerkschaft SNTP über Twitter mit.

In der Hauptstadt Caracas versuchte die Regierung nach Angaben Guaidós, die zentrale Kundgebung zu stören, indem Sicherheitskräfte vier Lastwagen mit der Soundanlage für seine Ansprache beschlagnahmten. Der Oppositionschef verspottete die von den regierenden Sozialisten kontrollierte Verfassungsgebende Versammlung, nachdem diese am Dienstag seine parlamentarische Immunität aufgehoben hatte: "Als ob wir unseren Kampf vor zwölf Jahren in der Studentenbewegung mit Immunität begonnen hätten", sagte er vor seinen Anhängern.

Gegendemonstrationen

Gegen den Präsidenten des von der Opposition kontrollierten Parlaments laufen zwei Ermittlungsverfahren wegen Amtsanmassung und Sabotage. Ohne Immunität könnte er verhaftet werden. Zuletzt war ihm bereits die Ausübung politischer Ämter für 15 Jahre untersagt worden.

Die sozialistische Regierungspartei PSUV rief ihre Anhänger ebenfalls zu einer Demonstration vor dem Präsidentenpalast Miraflores in Caracas auf, um Maduro zu unterstützen und "gegen den Imperialismus" zu protestieren. Der Staatschef sieht sich als Opfer einer internationalen Verschwörung unter Führung der USA.

Der erbitterte Machtkampf zwischen Guaidó und Maduro war am 23. Januar offen ausgebrochen. Damals erklärte sich Guaidó zum Übergangspräsidenten und sprach dem Staatschef die Legitimation ab. Viele Länder haben Guaidó inzwischen als rechtmässigen Übergangspräsidenten anerkannt. Das mächtige venezolanische Militär hält dem Präsidenten hingegen weiterhin die Treue.

Meistgesehen

Artboard 1