Nahost-Konflikt

Israel kündigt weitere lange Tage des Kämpfens an

Rauch steigt aus einem Haus in Gaza City, das von Israel bombardiert wurde.

Rauch steigt aus einem Haus in Gaza City, das von Israel bombardiert wurde.

Raketen auf Israel, Bomben auf den Gazastreifen: Der blutige Konflikt in Nahost geht unvermindert weiter. Auch am Tag fünf der israelischen Bombardements im Gazastreifen zeichnete sich am Samstag kein Ende des Blutvergiessens ab.

Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte kamen seit Beginn der israelischen Offensive insgesamt mindestens 127 Menschen ums Leben, 930 wurden verletzt. Unter den Toten seien 76 Zivilisten, 24 davon Kinder.

Die islamistischen Hamas-Milizen und ihre Verbündeten hätten am Samstag 36 Raketen auf Israel abgefeuert, teilte das israelische Militär mit. Zwei von ihnen konnten vom Abwehrsystem "Eisenkuppel" abgefangen werden.

Ein Geschoss traf ein Wohnhaus in Netivot im Süden des Landes, zwei Jugendliche erlitten leichte Verletzungen. Die anderen Raketen landeten in unbewohntem Gebiet.

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte nach Medienberichten, Israel bereite sich auf weitere "lange Tage des Kämpfens" vor. Nach ständigem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen bombardiert Israel seit der Nacht zum Dienstag Stellungen der Hamas und ihrer Verbündeten im Gazastreifen.

Die Bemühungen um einen Nahost-Frieden unter amerikanischer Vermittlung waren im April gescheitert. Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und die mutmassliche Mord aus Rache an einem palästinensischen Jugendlichen.

Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

Der britische Aussenminister William Hague forderte angesichts ständig steigender Opferzahlen eine Waffenruhe. Es müsse alles für eine sofortige Deeskalation getan werden, sagte Hague am Samstag in London nach Gesprächen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem israelischen Aussenminister Avigdor Lieberman.

Er wolle am Sonntag am Rande der Atomgespräche in Wien mit seinen Kollegen Laurent Fabius , Frank-Walter Steinmeier und John Kerry über die Thematik sprechen.

Auch die 15 Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats äusserten sich nach einer Sitzung am Samstag in New York extrem besorgt über die Eskalation der Gewalt mit fast 130 Toten und forderten eine Waffenruhe.

Die USA riefen die verfeindeten Seiten zur Einstellung der Kampfhandlungen auf. "Je schneller wir eine Waffenruhe erreichen können, umso besser ist das für beide Seiten", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Josh Earnest, am Freitag (Ortszeit) in Washington.

Palästinenserpräsident Abbas dringt auf eine politische Lösung. Ihm sei nicht wichtig, wer den Konflikt begonnen habe, sagte er in einem Interview des libanesischen Fernsehsenders Al-Majadin. "Mein wichtigstes Anliegen in diesem Krieg ist es, die Menschen zu schützen."

Er forderte die Konfliktparteien auf, die Kämpfe zu beenden und zur Waffenruhe von 2012 zurückzukehren. "Die einzige Lösung wird eine politische sein." Dem jüdischen Staat warf der Palästinenserpräsident vor, mit dem Bau von Siedlungen die jüngsten Friedensgespräche zum Scheitern gebracht zu haben.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will jedoch die Militäroperationen nicht einstellen, solange die Hamas Israel mit Raketen beschiesst. Um die radikalen Islamisten zur Beendigung des Raketenfeuers zu zwingen, schliesse Israel "keine Option aus", sagte Netanjahu am Freitagabend bei einer Medienkonferenz in Tel Aviv.

Aussenminister Avigdor Lieberman hatte sich am selben Tag für eine Bodenoffensive ausgesprochen. "Es wird Zeit, dass wir den Weg zu Ende gehen", sagte Lieberman dem israelischen Fernsehen. Die Herrschaft der Hamas im Gazastreifen müsse beendet werden. An der Grenze wurden grosse israelische Truppenverbände zusammengezogen.

Die Arabische Liga berief für Montag eine Krisensitzung zum Gazakonflikt ein. Dabei wollen die Aussenminister der arabischen Staaten in Kairo über die aktuelle Lage beraten. Kuwait hatte das Treffen beantragt.

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