Finanzskandal

Jahrelanger Betrug: Indischer Star-Juwelier prellt Bank um 1,8 Milliarden Dollar

Vom bewunderten Milliardär zum Objekt des Volkszorns: Protestaktionen gegen Juwelier Nirav Modi.

Vom bewunderten Milliardär zum Objekt des Volkszorns: Protestaktionen gegen Juwelier Nirav Modi.

Ausgerechnet Nirav Modi, Milliardär und Juwelier der Stars, prellte eine Bank um 1,8 Milliarden Dollar. Der Betrug lief über Jahre, gedeckt durch Bankangestellte, die die Transaktionen nicht in die Bilanzen der Bank eintrugen.

Wenn Indiens Diamantenkönig Nirav Modi Hof hielt, musste jedes Detail stimmen: Der 47-Jährige umgab sich gern mit Stars und Sternchen, die auf den roten Teppichen seine funkelnden Kreationen trugen. Für seine letzte grosse Party im November liess der Juwelier Italiens Sternekoch Massimo Bottura erlesene Köstlichkeiten servieren.

Modis Ehefrau Ami kontrollierte mit dem Thermometer die Temperatur der Suppe, die den Gästen serviert wurde. Das Paar war in Indiens High Society hoch angesehen, bis dann Ende Januar die unglaubliche Nachricht kam: Modi, der seit 2013 auf der Forbes-Liste der reichsten Männer der Welt steht, soll eine der grössten indischen Banken um 1,8 Milliarden US-Dollar betrogen haben. Modis Vermögen wird auf 1,7 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Der Glanz der Diamanten

Der Mann, der italienische Massanzüge und Luxusautos liebt und dessen sündhaft teurer Schmuck von Hollywood-Grössen wie Kate Winslet, Dakota Johnson und Naomi Watts getragen wird, hat offenbar sein Diamanten-Imperium dazu genutzt, sich von der «Punjab National Bank» falsche Garantien ausstellen zu lassen, mit denen er sich dann von ausländischen Banken Geld lieh.

Der Betrug lief über Jahre, gedeckt durch Bankangestellte, die die Transaktionen nicht in die Bilanzen der Bank eintrugen. Die zweitgrösste staatliche Bank Indiens hat im Zuge der Affäre zehn ihrer Mitarbeiter vom Dienst suspendiert. Modi hat gemeinsam mit Ehefrau, Bruder und Onkel Indien bereits im Januar Richtung New York verlassen.

Während Ermittler angesichts des Verdachts auf Geldwäsche nun die Unterlagen der Bank durchkämmen, beteuert Modi aus seiner Residenz am Central Park in New York seine Unschuld. Durch einen Anwalt liess er verlauten, dass «alles dokumentiert» sei. Die 1,8 Milliarden Schulden seien ihm fälschlicherweise ausgewiesen worden.

Seinen Kindern näher sein

Der Aufstieg und jähe Fall des indischen Milliardärs liest sich wie das Schicksal von Vijay Mallay. Der Gründer des Bier-Imperiums Kingfisher, der in seinen grossen Zeiten eine Fluggesellschaft und ein Formel-1-Team besass, hatte 2016 Indien ebenso überstürzt verlassen, angeblich, um in London näher bei seinen Kindern zu sein.

Der 62-Jährige, der für seine Poolparties und seinen extravaganten Lebensstil berühmt war, hinterliess Schulden von 1,4 Milliarden US-Dollar bei insgesamt 17 indischen Banken. Mallay hat die Schulden bis heute nicht beglichen. Zu einem vom Obersten Gericht in New Delhi angeordneten Termin im Juli 2017 erschien der Unternehmer nicht.

Modi und Mallay umgaben sich beide nicht nur gern mit Stars, sondern auch mit mächtigen Politikern. Juwelier Modi wurde im Januar beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos noch neben Indiens Premierminister Narendra Modi (die beiden sind nicht verwandt) abgelichtet. Regierungschef Modi, der die Wahl 2014 mit einer Antikorruptionsbotschaft gewann, dürfte wenig erfreut über diesen Schnappschuss sein.

Die Opposition hält der Regierung vor, dass bereits Mitte 2016 ein Geschäftsmann das Büro des Premierministers vor den windigen Geldgeschäften von Modi und dessen Onkel Mehul Chokshi gewarnt habe, doch dass die «Regierungsangestellten schliefen». Die Regierung beeilte sich, darauf hinzuweisen, dass das Foto von Modi mit Modi keinerlei tiefere Bedeutung habe. Die beiden Männer pflegten keinerlei Verbindungen und der Juwelier sei auch kein Mitglied der offiziellen indischen Delegation gewesen, sondern rein zufällig ins Gruppenbild geraten.

Indiens bekannte Journalistin Barkha Dutt sieht in dem neuen Finanz- Skandal ein Muster: Indien, das lange als armes Entwicklungsland galt, sonne sich darin, reiche, mächtige Männer zu haben, die auf dem internationalen Parkett Einfluss und Stil beweisen. Die Faszination mit der neuen Milliardärs-Elite sei in Indien so gross, dass Menschen blind für deren Verfehlungen seien. Im Falle des Diamanten- Milliardärs, dessen Imperium am Ende nur ein Schneeball-System war, fehlte es an Kontrollen und Rückkopplungen.

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