USA

John McCain stimmt trotz Krebsdiagnose über «Obamacare» ab

Der 80-jährige republikanische Senator John McCain aus Arizona ist an Krebs erkrankt. (Archivbild)

Der 80-jährige republikanische Senator John McCain aus Arizona ist an Krebs erkrankt. (Archivbild)

Nur eine Woche nach seiner Krebsdiagnose nimmt John McCain an der Testabstimmung über die Gesundheitsreform von US-Präsident Donald Trump teil.

Und plötzlich ist John McCain auch in den Augen seines Parteikollegen Donald Trump «ein amerikanischer Held». Weil sich der 80-jährige Senator aus Arizona dazu entschieden hatte, trotz Operation und Krebsdiagnose nach Washington zurückzukehren, um an einer Testabstimmung über die Zukunft der Gesundheitsreform «Obamacare» teilzunehmen, war der Präsident plötzlich des Lobes voll: «Tapfer», schrieb Trump auf Twitter. Und: «Danke, John.»

Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte Trump noch ganz andere Töne angeschlagen. Während eines Auftritts in Iowa löste der damalige Präsidentschaftskandidat mit einer abschätzigen Bemerkung über McCain – den Vordenker der Falken in der Republikanischen Partei – einen Sturm der Entrüstung aus. «Er ist kein Kriegsheld», sagte Trump damals über den Senator. «Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen genommen wurde. Ich schätze Menschen, die nicht gefangen genommen wurden.»

In Nord-Vietnam gefoltert

Dazu muss man wissen: McCain mag politisch höchst umstritten sein; als er sich 2008 im Namen seiner Partei um das Weisse Haus bewarb, wirkte er uninspiriert und überfordert mit den modernen Problemen, die sein Land plagen. Sein Verhalten während einer der turbulentesten Perioden der jüngeren US-Geschichte nötigt allerdings (fast) sämtlichen Amerikanern Respekt ab. Während des Vietnam-Krieges befand sich McCain nämlich fünfeinhalb Jahre lang, von Oktober 1967 bis März 1973, in nordvietnamesischer Gefangenschaft.

Während seines Aufenthaltes im «Hanoi Hilton», wie das Gefängnis in der grössten Stadt im damaligen Nord-Vietnam unter amerikanischen «Prisoners of War» hiess, wurde der hochdekorierte Navy-Pilot regelmässig gefoltert. Und obwohl seine Peiniger ihm anboten, ihn vorzeitig freizulassen – weil sein Vater sämtliche US-Streitkräfte in Vietnam kommandierte – weigerte McCain sich beharrlich. Als er endlich freikam, war er ein Krüppel. Und ein Held, obwohl der Vietnam-Krieg wenig Helden hervorbrachte.

Anfänglich tat sich McCain schwer mit seiner Rückkehr ins zivile Leben. Die Ehe mit seiner Gattin Carol scheiterte, auch weil er der Mutter seiner drei Kinder nicht treu sein wollte. «Vietnam spielte eine Rolle», sagte McCains Biograf später über diese Episode. 1980 heiratete er die Tochter eines Bierhändlers, zügelte nach Arizona und begann ein neues Leben als Berufspolitiker.

Spätestens seit seiner Wahl in den Senat 1986 gehört McCain zu den bekanntesten Mitgliedern der kleinen Parlamentskammer. Dank seinem scharfen Mundwerk stieg er zum Sprachrohr der Falken seiner Partei auf. In den letzten Jahren genoss der nimmermüde McCain seine Rolle als «Elder Statesman» und aussenpolitisches Gewissen der Nation. Seit 2015 ist er Vorsitzender des mächtigen Verteidigungsausschusses im Senat und waltet damit quasi als Oberaufseher über das Pentagon – ein Traumjob für einen ehemaligen Berufssoldaten.

«Er will zurück an die Arbeit»

Dieser Rolle ist es wohl auch zu verdanken, dass sich McCain zu einer hastigen Rückkehr nach Washington entschied, obwohl er vergangene Woche erfahren hatte, dass er an einem bösartigen Hirntumor erkrankt ist. Der Tumor wurde während eines einfachen Eingriffs entdeckt, bei dem ein Blutgerinnsel entfernt wurde. Nach Abschluss der Debatte über die Zukunft von «Obamacare» will der Senat nämlich über das Budget der Streitkräfte debattieren, das Herzstück von McCains Arbeit. Der Senator stellt sich zudem auf den Standpunkt, dass es ihm trotz der furchteinflössenden Diagnose und der Aussicht auf eine kräftezehrende Krebstherapie gesundheitlich gut gehe. So veröffentlichte er am Wochenende einige Fotos, die ihn während einer Wanderung in der Nähe von Sedona (Arizona) zeigten. «Er ist ein Kämpfer», sagte der republikanische Fraktionschef Mitch McConnell am Dienstag, «und er will an die Arbeit zurückkehren.»

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