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Klimaschützer stehlen Macron-Bilder aus französischen Rathäusern

Der französische Präsient Emmanuel Macron steht wegen seiner Klimapolitik in der Kritik.

Der französische Präsient Emmanuel Macron steht wegen seiner Klimapolitik in der Kritik.

Französische Klimaaktivisten haben ein neues Hobby: Porträts des Präsidenten aus Rathäusern stehlen. Das hat nun juristische Folgen.

36 000 Gemeinden gibt es in Frankreich, damit auch 36 000 Rathäuser. Sie sind sehr unterschiedlich: In Paris ist das riesige «Hôtel de Ville» grösser als der Elysée-Palast; auf dem Land sind es oft nur schmucke Häuschen. Aber an allen hängt die Trikolore; an allen empfängt die Devise «Liberté, égalité, fraternité» die Besucher über dem Eingangsportal. Und im Inneren wartet die kalkweisse Büste der Marianne und an der Wand stets ein Porträt des amtierenden Staatschefs.

Auf dem aktuellen steht Emmanuel Macron vor einem Goldgockel und aufgeschlagenen de-Gaulle-Memoiren – Zeugen einer minutiösen republikanischen Inszenierung. Seit Jahresbeginn ist die Feierlichkeit aber hin: Weit über hundert Präsidentenporträts sind im ganzen Land von Umweltaktivisten abgehängt und auf der Strasse bei Demonstrationen im besten Wortsinn vorgeführt worden.

Bilder werden nicht beschädigt

Den Startschuss dazu hatte das Umweltkollektiv «ANV-COP21» im Februar gegeben, als Macron auf eine viel beachtete Umweltpetition mit zwei Millionen Unterschriften antwortete, er werde an seinem Klimakurs nichts ändern. «Da sagten wir uns, dass wir handeln müssen», erinnert sich die Sprecherin der Gruppe, Marion Esnault. Sie holte mit ihrer Gruppe Macrons Porträt aus dem Gemeindesaal des ostfranzösischen Dorfes Jassans-Riottier.

Es folgten weitere Aktionen, meist mit einem lokalen Charakter. Im elsässischen Kolbsheim protestierten die Abhänger gegen eine Autobahnumfahrung von Strassburg; beim G7-Gipfel in Biarritz entfernten sie Macrons Konterfei aus dem Rathaus des baskischen Örtchens Irissary. Mittlerweile sind 135 Präsidentenfotos ab- und nach meist kurzem Ausflug wieder zurückgehängt worden. Ein Leid tut ihnen niemand an. Höchstens wird der Präsident beim Umzug auf den Kopf gestellt, doch auch diese Marter wird im Gemeindesaal wieder gutgemacht.

Empörung über Angriff auf «Symbole der Republik»

Dennoch goutieren nicht alle Franzosen das Agieren der Umweltaktivisten. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire bezeichnete es als «inakzeptabel» und meinte erbost: «Man vergreift sich nicht an den Symbolen der Republik!» Seither wird darüber gestritten, ob Präsidentenbilder wie die Marianne-Büsten oder die Nationalflagge überhaupt in diese Kategorie fallen. Historiker haben herausgefunden, dass die Präsidialporträts auf das 19. Jahrhundert zurückgehen, als sich der damalige Präsident Adolphe Thiers von früheren Königsporträts inspirieren liess.

Republikanisch seien die Porträts also mitnichten, sagen die Klimaschützer. Dennoch ermittelt die Justiz. Mehrere Prozesse haben stattgefunden – mit unterschiedlichem Ausgang. In Lyon wurde der Abhängverein im September freigesprochen. Anders in Paris: Eine Richterin hat am Mittwoch acht Klimaaktivisten wegen «bandenmässigen Diebstahls» zu einer Busse von je 500 Euro verurteilt. Das Kollektiv hatte in drei Pariser Rathäusern Macrons Foto heruntergeholt. Sie verwiesen auf die «moralische Pflicht», die Passivität des Staatschefs gegen die Klimaerwärmung anzuprangern. Wenn schon, müsse ihm der Prozess gemacht werden, meinten sie. Dafür hatte die Richterin aber kein Gehör.

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