Themar

Konzert zieht 6000 Neonazis aus ganz Europa nach Thüringen

Dieses Plakat wurde diese Woche in der thüringischen Kleinstadt Themar an der Stadtmauer befestigt. Wegen des Neonazi-Konzerts.

Dieses Plakat wurde diese Woche in der thüringischen Kleinstadt Themar an der Stadtmauer befestigt. Wegen des Neonazi-Konzerts.

Experte spricht vom grössten rechtsextremen Konzert der letzten Jahrzehnte.

Rund 6000 Neonazis strömten am Samstag in das deutsche Städtchen Themar in Thüringen, welches selber bloss knapp 3000 Einwohner zählt. Unter dem Motto «Rock gegen Überfremdung» stieg dort eines der grössten deutschen Neonazi-Konzerte der letzten Jahre, an dem Szenebands wie Stahlgewitter und die Lunikoff Verschwörung auftraten. Der Schweizer Journalist und Rechtsextremismus-Experte Fabian Eberhard schrieb auf Twitter sogar, der Anlass sei «wohl das grösste rechtsextreme Konzert in Westeuropa der letzten Jahrzehnte» gewesen. Wie «Spiegel online» berichtete, luden Reisebusse Neonazis aus ganz Deutschland, Tschechien, Ungarn und Russland ab.

So gross war der Zulauf, dass die Veranstalter aus Sicherheitsgründen sogar das Festival vergrössern mussten. Rund 1000 Polizisten standen im Einsatz. Gegenüber der Deutschen Presseagentur sprach der Sprecher der Landespolizeidirektion von einem schwierigen Einsatz für die Beamten. Das Sicherheitskonzept gegen das Konzert sei aber «voll aufgegangen». Gemäss Mitteilung der Polizei befanden sich auch mehrere Mitglieder des Thüringer Landtages und weitere Politiker als Beobachter in Themar, um sich einen Eindruck vom Anlass zu verschaffen.

«Gutmenschen in Angst»

Auf Fotos der Veranstaltung sind Fahnen und T-Shirts zu sehen, auf denen «Ruhm und Ehre dem deutschen Soldat» stand, «Flüchtlinge nicht willkommen», «Sturm auf Themar, Gutmenschen in Angst» oder «Bin ich zu braun, bist du zu bunt».

Die Thüringer Polizei, die von Polizisten aus mehreren Bundesländern unterstützt wurde, registrierte 43 Straftaten. Grösstenteils ging es um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Strafanzeigen gab es aber auch wegen Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung und wegen Verstössen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz. Die meisten Straftaten seien unter Einfluss von Alkohol geschehen, schreibt die Polizei, die sechs Personen vorläufig festnahm. Nach Abschluss der polizeilichen Massnahmen wurden die Festgenommenen wieder entlassen.

Die Gegendemonstrationen fielen entgegen der Erwartungen nicht besonders gross aus. Im Vorfeld hatten die Kirche, Bürgerinitiativen und Privatleute zum Protest aufgerufen. Statt wie angekündigt 2000 Menschen, versammelten sich am Samstag dann aber bloss einige Hundert, um im Rahmen eines «Bürgerfestes» und verschiedener kleinerer Versammlungen ein Zeichen zu setzen. Von einem «kleinen, aber feinen» Protest sprach «Spiegel online». Jedes einzelne Schild sei «ein liebevolles Werk des Widerstands» gewesen. Die Polizei meldete gestern Morgen, alle ihre Massnahmen hätten sich gegen die Teilnehmer des Konzerts gerichtet, gegen die Gegendemonstranten sei kein Eingreifen erforderlich gewesen.

In Thüringen finden immer wieder Rechtsrockkonzerte statt. Allein in Themar haben Neonazis für den Juli drei Konzerte angemeldet.

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