Video-Interview

Korrespondent in Peking: Transparenz-Behauptung des chinesischen Botschafters ist «nicht wahr»

Skype-Interview: 10 Minuten mit Fabian Kretschmer, China-Korrespondent in Peking

Skype-Interview: 10 Minuten mit Fabian Kretschmer, China-Korrespondent in Peking.

Die Anfangsphase der Epidemiebekämpfung in China sei geprägt gewesen von Vertuschung und Inkompetenz. Inzwischen sei die Angst aber wieder dem Alltag gewichen. Selbst in China aber wachse die Sorge um die zunehmende Überwachung.

Fabian Kretschmer, China-Korrespondent von CH Media, stellte sich für das Videointerview vor eine Leuchtreklame im nächtlichen Peking. Er müsse viel improvisieren dieser Tage, erzählt Kretschmer. Seine Arbeit als Journalist wird von den Repressalien der chinesischen Regierung erschwert: langsames Internet, kaum Zugang zu offiziellen Auskünften, kein Google.

Doch nicht nur die Situation der Journalisten macht Fabian Kretschmer Sorge. Mit Blick auf den Beschluss zum neuen Sicherheitsgesetz für Hongkong sagt er: «Potenziell kann das zum Ende der Demokratiebewegung führen.» Viele Aktivisten informierten sich bereits über Auswanderungsmöglichkeiten und löschten ihre Social-Media-Profile.

«Ärzte wurden mundtot gemacht»

In China selber gibt es breite Unterstützung für das Durchgreifen Pekings in der Sonderverwaltungszone. Nur über die zunehmende Überwachung machen sich auch die wohlhabenden Chinesen in den reichen Städten des Landes immer mehr Sorgen, erzählt Kretschmer.

Kritisch sieht er die Aussagen von Geng Wenbing, Chinas Botschafter in der Schweiz, der in einem Interview mit der CH-Media-Redaktion sagt, China habe nie versucht, die Coronaepidemie zu vertuschen. «Das ist nicht wahr. Wir wissen, dass China beispielsweise die Ärzte in Wuhan, die schon früh Alarm geschlagen hatten, mundtot gemacht wurden», sagt Kretschmer. Gerade die Anfangszeit sei in China von Inkompetenz und Vertuschung geprägt gewesen.

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