Der erste Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Portugal seit dem Ende der Eurokrise stand zum Auftakt ganz im Zeichen der Wissenschaft. Merkel nahm am Mittwoch zunächst an der Einweihung eines Entwicklungs- und Technologiezentrums des Konzerns Bosch in Braga im Norden des Landes teil. Anschliessend besuchte sie die Universität von Porto.

Die zweitägige Visite ist die erste der Kanzlerin beim EU-Partner seit dem Ende der Eurokrise und die zweite überhaupt. "Wir wissen, dass unser Wohlstand auch davon abhängt, wie innovativ wir sind", sagte Merkel bei der Zeremonie am grössten portugiesischen Bosch-Standort. Die Physikerin hob die gute Zusammenarbeit Deutschlands mit dem EU-Partner auch im Bereich der Technologie hervor.

Militärische Ehren

Nach ihrer Landung war Merkel auf dem Flughafen Sá Carneiro in Porto vom sozialistischen Ministerpräsidenten António Costa mit militärischen Ehren empfangen worden. Zum Abschluss des ersten Tages stellte sich die Kanzlerin in einem Bürgerdialog Fragen von Studenten der Universität Porto.

"Die Frage, was ich noch von Physik verstehe, ersparen sie mir bitte", sagte Merkel gleich zu Beginn. Sie sei schon sehr lange in der Politik tätig und die Forschungslandschaft ändere sich sehr schnell, betonte sie.

Am Donnerstag kommt Merkel in der Hauptstadt Lissabon mit Präsident Marcelo Rebelo de Sousa und mit ihrem Amtskollegen Costa zusammen. Die beiden Regierungschefs wollen vor dem Hintergrund der Regierungskrise in Italien unter anderem über die Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion und den mehrjährigen Finanzrahmen der EU sprechen.

Thema sei auch die Flüchtlingspolitik in Europa, teilte die portugiesische Regierung mit. Costa gilt in der Euro-Zone als einer der engagiertesten Verfechter der Reformen für ein starkes Europa.

Netter Empfang

Portugal bereitete Merkel einen ganz anderen, viel netteren Empfang als im Herbst 2012. Damals, auf dem Höhepunkt der Eurokrise, machten sehr viele Portugiesen Berlin für Kürzungen und Entlassungen verantwortlich.

"Merkel raus!", skandierten damals Zehntausende auf den Strassen. Dieses Mal war es ganz anders. "Sie wirkt sehr sympathisch!", wurde zum Beispiel eine ältere Frau von portugiesischen Medien zitiert, die beim Vorbeifahren der Delegation der Kanzlerin auf der Strasse zuwinkte.