Pakistan

Mindestens 70 Tote bei Anschlag auf Spielplatz – darunter viele Frauen und Kinder

Bei einem Selbstmordanschlag an einem Kinderspielplatz im Osten Pakistans sind mindestens 70 Menschen getötet und mehr als 340 verletzt worden. Die meisten Opfer seien Frauen und Kinder, teilten die Behörden am Sonntag mit.

Bei einem Selbstmordanschlag in Pakistan sind mindestens 70 Menschen getötet und mehr als 340 weitere teils schwer verletzt worden. Die Bombe explodierte in einem Park der Millionenstadt Lahore in der Nähe eines Kinderspielplatzes.

Unter den Opfern sind hauptsächlich Frauen und Kinder, wie die Behörden mitteilten. Lokale Medien sprachen von bis zu 29 toten Kindern. Der Täter brachte nach offiziellen Angaben etwa 20 Kilogramm Sprengstoff zur Detonation. Die pakistanische Taliban-Gruppe Jamaat ul-Ahrar bekannte sich zu der Bluttat und erklärte, Ziel seien Christen gewesen.

In dem gut besuchten Park waren am Ostersonntag, einem der ersten warmen Tage des Jahres, auch viele christliche Familien, wie der hohe Verwaltungsbeamte Mohammed Usman sagte. Die christliche Minderheit macht in Pakistan nur 1,6 Prozent der rund 200 Millionen Einwohner aus.

Es war einer der schwersten Anschläge in Pakistan seit langem. Augenzeugen erzählten laut Medienberichten, blutende und verstümmelte Opfer seien teils mit Rikschas und Taxis in umliegende Spitäler gebracht worden. Dort wurden Notfallmassnahmen ergriffen. Laut dem Einsatzleiter wurden Armeeärzte zur Hilfe gerufen. Im Fernsehen wurde um Blutspenden gebeten.

Opferzahl dürfte steigen

Ein Vertreter des Jinnah-Spitals sagte der Nachrichtenagentur AFP, die meisten der Verletzten befänden sich in einem ernsten Zustand. Er rechne daher damit, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen werde.

Der Sprecher der Armee, General Asim Bajwa, meldete per Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Regierung die Armee zur Sicherung des Geländes angefordert habe. Soldaten errichteten eine Sperrzone. Der Ministerpräsident der Provinz Punjab, Shehbaz Sharif, rief eine dreitägige Trauerzeit aus.

Der pakistanische Regierungschef Nawaz Sharif verurteilte die Tat. Er empfinde "Schmerz und Kummer über den traurigen Verlust von unschuldigen Leben", erklärte er. Indiens Regierungschef Narendra Modi sprach dem Nachbarland laut Staatsmedien sein Mitgefühl aus.

Papst: Osterfest überschattet

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den verheerenden Selbstmordanschlag aufs Schärfste. Die Verantwortlichen hinter dem Terrorakt müssten rasch zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Ban laut einer Mitteilung der Vereinten Nationen. Er rief die pakistanische Regierung auf, alles ihr Mögliche zu tun, um religiöse Minderheiten und alle anderen Menschen in dem Land zu schützen.

Auch die EU und die USA verurteilten den Terroranschlag scharf. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Ned Price, sprach von einer "feigen" und "entsetzlichen" Tat. Die USA stünden an der Seite des pakistanischen Volkes und der Regierung.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte, Papst Franziskus sei über "das schreckliche Massaker" unterrichtet worden, das "einen Schatten der Traurigkeit und Angst auf das Osterfest wirft". Er bete für die Opfer.

Punjab hat seit mehr als einem Jahr keinen grösseren Anschlag erlebt. In der Provinz Khyber Pakhtunkhwa gab es aber jüngst einen Anschlag auf einen Bus voller Regierungsangestellter; 16 Menschen starben.

Zahl der Anschläge ging zurück

Ende Februar hatten dort pakistanische Taliban auch eine Universität angegriffen und mehr als 20 Menschen getötet, darunter 17 Studenten. Kurz darauf kündigten sie weitere Anschläge an.

Seitdem im Dezember 2014 pakistanische Taliban in einer von der Armee betriebenen Schule in Peshawar 136 Kinder getötet hatten, hat die Armee ihre Operationen gegen Extremisten massiv erweitert. Dem Terrorismus werde das Rückgrat gebrochen, wiederholen Armeechef und -sprecher immer wieder. Die Zahl der Anschläge und ihrer Opfer ging 2015 auch stark zurück. Aber Anschläge wie in Lahore zeigen, dass Extremisten weiter über Ressourcen und Rekruten verfügen.

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